Berlin – Der Ort Herrsching hat einiges zu bieten: Idyllisch am Ammersee gelegen, mit direkter S-Bahn-Verbindung nach München. Bevor man mit dem Boot das Ostufer des Sees erreicht, geht der Blick hinauf zum Kloster Andechs mit seiner weltberühmten Klosterbrauerei. Busse bringen die Besucher direkt dorthin – und die müden Zecher wieder vom Berg hinunter. Hier gilt das Motto: Wohnen, wo andere Urlaub machen.
„Geilster Club der Welt“
Doch seit etwa einem Monat hat die 11.000-Einwohner-Gemeinde, in der einst Deep-Purple-Sänger David Coverdale lebte und wo Schlagersänger Rudi Schuricke („Caprifischer“) begraben liegt, eine neue Attraktion. Eine Männermannschaft in der Volleyball-Bundesliga, die sich selbst – welch Kontrapunkt zur sonstigen Idylle – zum „Geilsten Club Der Welt“, kurz „GCDW“ ernannt hat.
Viermal hintereinander ist das Team aufgestiegen und nun erstklassig. Am Freitagabend traten die Bayern beim VC Olympia an und gewannen 3:0. Am Sonnabend hat die Mannschaft von Trainer Maximilian Hauser bei den BR Volleys (18.30 Uhr, Schmeling-Halle) anzutreten. Ein Duell Groß gegen Klein: Meister gegen Aufsteiger, dessen Ziel nur der Klassenerhalt sein kann. Diesem Ziel rückt der TSV schon jetzt immer näher. Der Sieg beim VCO war der zweite nach dem 3:1 in Coburg; beim 2:3 in Dresden ergatterte das Team einen weiteren Punkt.
Berliner hatten im Pokal mehr Mühe als erwartet
„Wir haben es geschafft, dass wir nun auch in der Hauptstadt bekannt sind“, sagt Hauser stolz mit Blick auf den vergangenen Dienstag, als die Berliner im Pokal in Herrsching antraten und beim 3:0 teilweise mehr Mühe hatten als erwartet. Die Volleys bekamen einen guten Eindruck davon, was am Ammersee abgeht. „Die Atmosphäre in der Halle war grandios und absolut erstligareif“, meint Berlins Trainer Mark Lebedew.
„GCDW“ – „Nirgendwo sonst gibt es sportlichen Erfolg, Leistungssport auf Topniveau und gleichzeitig einen coolen, lässigen, geilen Lifestyle in dieser Kombination“, lautet die selbstbewusste Selbsteinschätzung auf der Internetseite. „Es ist eine Lebenseinstellung, die wir nach außen tragen“, erklärt Hauser, der bis zum Sommer noch als Spielertrainer fungierte, in Liga eins aber nur noch an der Seitenlinie steht. Mit dem 30-Jährigen ist die Erfolgsgeschichte eng verbunden. Er übernahm die Mannschaft 2007 in der Landesliga Südost (7. Liga), er ist auch der geistige Vater des Vier-Buchstaben-Slogans, einem nützlichen Marketing-Instrument.
Saisonetat von 200.000 Euro erfüllt nur Mindestanforderung
Im Team stehen keine Vollprofis, seit diesem Jahr gehört auch Sebastian Prüsener zur Mannschaft, der zwischen 2003 und 2008 selbst für Berlin spielte. Die Herrschinger erfüllen die Mindestanforderung der Liga von 200.000 Euro Saisonetat. Die knapp 1000 Zuschauer fassende Nikolaushalle weist allerdings nicht die notwendige Höhe von neun Metern auf. Die Liga hat dem Aufsteiger mit einer Sondergenehmigung geholfen.
„Es ist ein Traum, dort zu spielen“, blickt Hauser mit Vorfreude auf den Auftritt seiner Mannschaft im Volleyball-„Tempel“ Schmeling-Halle. Sein Motto gilt auch für die Bundesliga: „Wichtig ist, dass wir in jedem Spiel unser Bestes geben und Spaß haben.“





