Am Anfang steht Ljubljana. „Es ist der erste Schritt für uns“, sagt Kaweh Niroomand, der Geschäftsführer der BR Volleys. Der erste Schritt des Volleyball-Bundesligisten auf einem Weg in Europa, der Ende März des kommenden Jahres in Berlin enden soll.
Die Volleys haben Großes vor. Sie wollen das Final Four in der Champions League in die Max-Schmeling-Halle holen. Eines steht schon fest: der Termin. Am Wochenende 28./29. März 2015 findet das Endturnier der vier besten europäischen Teams statt. Offen sind jedoch noch die Teilnehmer und der Austragungsort. „Für uns wäre es nicht nur sportlich reizvoll, das Turnier in Berlin zu veranstalten, wir könnten damit auch unsere Reichweite und unseren Bekanntheitsgrad erhöhen“, erklärt Niroomand.
Doch das sind schöne Zukunftspläne. In der Gegenwart zählt das Sportliche, und da heißt die erste Aufgabe am Donnerstagabend (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) eben Ach Volley Ljubljana, elf Mal Meister und acht Mal Pokalsieger in Slowenien. Zum achten Mal ist das Team von Trainer Tomislav Smuc in der europäischen Eliteklasse dabei, 2010 wurde sogar das Final Four erreicht. „Jedes Spiel in der Champions League ist eine Herausforderung für uns“, sagt Berlins Trainer Mark Lebedew. Denn alle Klubs spielen auf höchstem Niveau.
Dennoch sagt Niroomand klipp und klar: „Das ist ein Muss-Sieg“. Den Berlinern darf alles passieren, nur nicht ein Stolpern gleich auf der ersten Etappe. Ein Erfolg gegen die Slowenen ist am ersten Spieltag in der Gruppe C fest eingeplant.
Das Final Four soll in die Schmeling-Halle geholt werden
Aus den insgesamt sieben Vierer-Gruppen der Champions League erreichen neben den Erstplatzierten auch die fünf besten Zweiten die K.o.-Runde der besten zwölf Mannschaften. Neben Ljubljana treffen die Berliner in Hin- und Rückspielen auf Budvanska Rivijera Budva aus Montenegro sowie auf die polnische Mannschaft von Asseco Resovia Rzeszow.
Für Niroomand gibt es einen klaren Favoriten auf den Gruppensieg. „Rzeszow ist gesetzt“, sagte er. Die Polen hätten ein Weltklasseteam zusammengestellt. „Es sagt alles, dass bei denen ein Spieler wie Jochen Schöps auf der Bank sitzt.“ Schöps ist einer der besten deutschen Volleyballer und stand im Team, das kürzlich WM-Bronze holte.
„Für uns geht es um Platz zwei“, so Niroomand. Es wird also ein Rennen zwischen Berlin, Budva und Ljubljana geben. Wer ein Heimspiel gegen einen dieser Kontrahenten verliert, hat schon mal weniger gute Karten. Bereits am Dienstag, zum Auftakt des ersten Spieltages der Champions League, zeigten die Polen ihre Dominanz und gewannen locker mit 3:0 gegen Budva. Die Montenegriner sind Berlin noch in guter Erinnerung, schließlich trafen die beiden Mannschaften bereits im Wettbewerb 2012/2013 aufeinander. Damals kamen die BR Volleys zu zwei Siegen – 3:1 in eigener Halle, 3:2 auswärts.
Niederlage in Friedrichshafen schnell verarbeiten
Sollten die Berliner zu den zwölf Mannschaften gehören, die die Gruppenphase überstehen, können sie sich um die Austragung des Final Four beim europäischen Verband CEV (Confederation Europeenne de Volleyball) bewerben. Erhielten sie den Zuschlag, würden sie auch noch sportlich belohnt: Der Veranstalter darf nämlich die folgenden zwei Play-off-Runden überspringen und ist für das Endturnier gesetzt. Und das, so hoffen die BR Volleys, soll der Berliner Klub sein.
Niroomand ist sich sicher, dass die Berliner gute Karten mit einer potenziellen Bewerbung hätten. „Der Verband weiß, was er an uns hat. Man schaut genau drauf, was in Berlin alles abgeht.“ Für die Verbandschefs dürfte es sicherlich erstrebenswert sein, das Final Four in diesem Umfeld, in dieser Stadt im Herzen Europas, mit dieser Halle und diesem Publikum austragen zu können. In Sachen Zuschauerschnitt sind die Volleys mit etwa 5000 Fans die Nummer eins in Europa. Zudem, erinnert Niroomand, wurden die Berliner von der CEV in den vergangenen zwei Jahren jeweils mit einem Preis für vorbildliche Organisation und Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet.
Alles schön und gut, aber entscheidend ist erst mal auf dem Feld. Und da sollten die Berliner schnellstens die Bundesliga-Niederlage beim Erzrivalen VfB Friedrichshafen verarbeitet haben. „Wir lassen uns von dieser Niederlage nicht unterkriegen“, sagt Lebedew mit Blick auf das 2:3 am vergangenen Sonntag. Dabei hatten die Volleys einen 2:0-Vorsprung nicht ins Ziel bringen können. „Am Anfang der Saison ist ein solches Auf und Ab normal“, meint Angreifer Robert Kromm. Er sagt aber auch: „Wir müssen gucken, dass wir stabiler werden.“
Noch fehlt den Berlinern die notwendige Stabilität
Wenn Niroomand über sein Team spricht, fällt immer wieder das Wort Geduld. Es bestehe jetzt „kein Grund zur Panik“, dass die Volleys zuletzt beim 3:2 gegen Bühl und dem 2:3 am Bodensee keine Konstanz gezeigt haben. Die neuen Spieler müssten erst integriert werden. „Auch für den Trainer ist es eine große Herausforderung.“ Mit Blick auf Europa haben sich die Berliner verstärkt, der 13-Mann-Kader ist auf hohem Niveau breit aufgestellt. Es gilt die Balance zu finden, auch alle Spieler bei Laune zu halten. „Mit sieben Leuten ist es einfacher zu coachen“, meint der Geschäftsführer.
Doch die Volleys sind froh, dass sie dieses Luxusproblem haben.





