Volleyball

Leicht getrübte Siegesfreude bei den BR Volleys

Die BR Volleys haben im Spitzenduell 3:2 gegen Friedrichshafen gewonnen. Doch Tabellenplatz eins rückt für die Berliner trotzdem in weite Ferne.

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Die Begeisterung in der Schmeling-Halle hatte ihren ersten Höhepunkt erreicht. Friedrichshafens Außenangreifer Baptiste Geiler schmetterte einen Ball so kläglich weit ins Aus, dass die Entertainment-Abteilung der BR Volleys das Lied „Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein“ einspielte. Allgemeine Fröhlichkeit. Der Deutsche Meister führte in einem scheinbar einseitigen Spitzenduell der Volleyball-Bundesliga 2:0 nach Sätzen und auch im dritten Durchgang 22:19. Das Ziel, den VfB Friedrichshafen im Schnelldurchgang zu besiegen und damit die Chance auf Tabellenplatz eins zu wahren, war in Reichweite.

Was in diesem Moment kaum jemand erwartete: Das Spiel ging jetzt eigentlich erst richtig los. Eine knappe Stunde später hatten die BR Volleys zwar wirklich 3:2 (25:18, 25:19, 23:25, 20:25, 15:13) gewonnen. Doch weder waren die Sieger restlos zufrieden noch die Verlierer am Boden zerstört.

Wende erst im dritten Satz

Grund ist die neue Punktearithmetik in der Bundesliga, nach der es für einen 3:0- oder 3:1-Sieg drei Zähler gibt, aber für ein 3:2 nur deren zwei und dazu einen für das unterlegene Team. So bleiben die BR Volleys nun in der Tabelle hinter dem VfB Friedrichshafen, wenn beide Mannschaften ihre restlichen Spiele vor dem Play-off klar gewinnen, wovon offenbar beide ausgehen. Und müssen im Halbfinale mit dem schwereren Gegner rechnen. „Wir haben die Chance relativ leichtfertig hergeschenkt“, sagte deshalb Berlins Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „darum herrscht jetzt eine nicht hundertprozentige Freude.“ VfB-Nationalspieler Christian Dünnes konnte mit der knappen Niederlage gut leben: „Der eine Punkt kann noch mal Gold wert sein.“

Abseits solcher in die Zukunft gerichteter Gedanken blieb allerdings für die Gegenwart festzuhalten, dass die über 7000 Zuschauer in der Schmeling-Halle sicher nicht traurig waren, ein zwei Stunden dauerndes, sehr unterhaltsames Fünf-Satz-Match erlebt zu haben. Eines, das anfangs von den hoch konzentriert auftretenden Gastgebern dominiert wurde. Der unorthodox angreifende und später zum wertvollsten Spieler der Partie gekürten Srecko Lisinac, der mit viel Cleverness agierende Robert Kromm und der enorm effektiv blockende Tomas Kmet waren die Besten in einem insgesamt beeindruckend auftrumpfenden Team.

Gäste-Trainer Stelian Moculescu wechselte angesichts der Unterlegenheit seiner Mannschaft schon früh drei seiner Stars, Ventceslav Simeonov, Max Günthör und gar Zuspieler Nikola Jovovic aus. Die wichtige Position des Organisators übernahm der erst 20-jährige Jan Zimmermann; der Junioren-Nationalspieler löste diese Aufgabe allerdings großartig. Der ebenfalls eingewechselte Dünnes war am Ende bester Punktesammler seines Teams (17). Jedenfalls leistete Friedrichshafen von nun an wesentlich mehr Gegenwehr.

Bis die Veränderungen richtig fruchteten, dauerte es aber immer noch eine Weile. Wendepunkt war erst Ende des dritten Satzes eine Aufschlagserie des Bulgaren Valentin Bratoev. Ihm gelangen zwei Asse in Folge, einer mit Hilfe der Netzkante, und weitere enorm druckvolle Aufschläge. Aus der eingangs beschriebenen Berliner 22:19-Führung wurde so ein 22:24-Rückstand. Und plötzlich war dieser Durchgang für die BR Volleys tatsächlich verloren. „Wir haben in diesem Moment die Kontrolle über das Spiel verloren“, analysierte Lisinac, „und der Grund war Bratoevs Service.“ Auch Niroomand lobte: „Bratoevs Aufschlag hat Weltklasseniveau.“

Wiedersehen im Pokalfinale

Von nun an mussten die Berliner sich daran gewöhnen, mit Rückständen umzugehen. Die Souveränität war verflogen, Friedrichshafen war deutlich besser in seinem Rhythmus. Volleys-Trainer Mark Lebedew wechselte nun auch vorübergehend Roko Sikiric für Scott Touzinsky ein und Felix Fischer für Kmet – allein Sicherheit stellte sich dadurch vorerst nicht ein. Die Schwaben gingen im vierten Satz erneut durch eine Aufschlagserie Bratoevs in Führung, die sie auf fünf Zähler ausbauten und nicht mehr hergaben. Damit hatten sie ihr Minimalziel – einen Punkt – erreicht und die Gastgeber ihr großes Ziel – drei Punkte – verfehlt.

Aber verlieren wollten sie diese Partie dann doch nicht. Im entscheidenden Tiebreak lagen sie nur einmal, beim 11:12, hinten, ehe der fünfte Block Kmets, der erneut klug herausgespielte 26. Punkt Kromms und ein Ass von Paul Carroll die Zeichen auf Sieg setzten. Unglücklich für Christian Dünnes, dass er mit einem Fehlaufschlag die Friedrichshafener Niederlage besiegelte. Ein bisschen geknickt war er darüber, aber das Spiel hatte auch er genossen. „Diese Duelle sind was Feines“, sagte der 2,07-Meter-Riese, und auch der ihn noch einmal um fünf Zentimeter überragende Kromm war „mit dem Sieg erst mal zufrieden. Wir haben uns durchgebissen, obwohl es nicht das Spiel auf Topniveau war, das wir zeigen wollten. Wir haben den Faden verloren, aber uns mit Emotionen noch einmal reingewuppt.“

Und Platz eins? „Wenn du Meister werden willst, musst du sowieso alle Gegner schlagen“, schloss er. Dabei werden vermutlich die Friedrichshafener der Hauptkonkurrent werden. Beide Mannschaften stehen sich ja schon am 2. März in Halle/Westfalen im deutschen Pokalfinale gegenüber. „Beide Teams sind auf sehr ähnlichem Niveau“, sagte Niroomand, „da müssen wir eine Leistung bringen wie heute in den ersten beiden Sätzen, wenn wir gewinnen wollen.“ Von jetzt an ist egal, wie das Resultat genau ausfällt. Mit weiteren 3:2-Siegen wären die Berliner sicher uneingeschränkt zufrieden.