Volleyball

BR Volleys verlieren Pokal-Finale gegen Friedrichshafen

Im entscheidenden Tiebreak gaben die BR Volleys den Pokalsieg gegen Friedrichshafen noch aus der Hand. „Wir haben Achterbahn gespielt“, nannte das Berlins Kapitän Scott Touzinsky.

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Urplötzlich war es in der „orangenen Wand“ mucksmäuschenstill. Den mehr als 1000 Fans, die so erwartungsfroh die BR Volleys nach Halle/Westfalen begleitet und in ihren farbenfrohen Shirts die Berliner Mannschaft fast zwei Stunden lang unterstützt hatten, war die Stimmung schlagartig verdorben.

Währenddessen beschaffte sich Max Günthör, Mittelblocker des VfB Friedrichshafen, aus der Fankurve der Schwaben eine goldene Pappkrone, die er sich schon aufsetzte, bevor er zum wertvollsten Spieler des deutschen Cupfinales gewählt worden war.

Auch so gab es ja einen triftigen Grund: Der VfB gewann am Sonntag das Volleyball-Pokalendspiel vor 10.500 Zuschauern im fast ausverkauften Tennisstadion von Halle mit 3:2 (20:25, 25:15, 20:25, 25:16, 15:12) gegen den Deutschen Meister BR Volleys.

Hohe Führung im fünften Satz

„Das Dutzend ist voll“, prangte kurz darauf von den frischen Trikots, die sich die Sieger übergestreift hatten. Zum zwölften Mal Pokalsieger, während der Dauerrivale aus der Hauptstadt es einmal mehr verpasste, sich die Trophäe zum vierten Mal nach 1994, 1996 und 2000 zu sichern. Das lange Warten auf den Pokaltriumph geht weiter. Dabei war die Chance sehr groß gewesen, denn im entscheidenden fünften Satz lag die Mannschaft von Trainer Mark Lebedew schon 10:6 in Führung.

Doch dann zeigte sie Nerven. „Das habe ich zum ersten Mal in den vergangenen drei Jahren bei unserem Team gesehen, dass die Nerven flattern“, sagte Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „und das im fünften Satz, wo es so darauf ankam.“ Auch der Slowake Tomas Kmet war darüber enttäuscht: „Wir sind so eine erfahrene Mannschaft, wir sollten nicht vier Punkte Vorsprung im Tiebreak abgeben.“ Plötzlich, ärgerte sich Niroomand, habe die Mannschaft nur noch 20 Prozent von dem gezeigt, was in ihren Möglichkeiten liegt. Was nun zu tun ist? „Abhaken“, sagte er.

So dramatisch der finale Durchgang war, so wenig Spannung war in den Sätzen davor aufgekommen. Auf beiden Seiten schwankten die Leistungen sehr stark. „Wir haben Achterbahn gespielt“, nannte das Berlins Kapitän Scott Touzinsky. Er und seine Kollegen legten los, als wollten sie den Rekord-Pokalsieger aus der Halle fegen. 8:1 hieß es aus ihrer Sicht in der ersten Technischen Auszeit, Paul Carroll hatte allein vier der ersten sechs Punkte erzielt. Diesen Vorsprung verteidigte Lebedews Team, das in dieser Phase beinahe fehlerlos agierte, mehr oder weniger bis zum Satzende. Im zweiten Durchgang ging der VfB zum 2:1 erstmals überhaupt in diesem Endspiel in Führung, gab sie aber bis weit in den dritten Durchgang nie mehr ab.

So wie zuvor die Friedrichshafener noch nicht richtig warmgespielt zu sein schienen, häuften sich nun plötzlich die Abstimmungsprobleme beim Deutschen Meister. Da unterliefen ungewohnte Fehler in der Annahme, außerdem spielten die Berliner quasi ohne Block. Immer wieder fand der VfB die Lücken in der Berliner Abwehr, die allerdings auch nicht schwer zu finden waren. Der Druck in den Aufschlägen, zu Beginn noch ein wichtiges Mittel, war auch dahin. Und schaut man auf den dritten und vierten Satz, wiederholte sich die Szenerie: Erst hatten die BR Volleys wieder deutlich Oberwasser, um dann im Anschluss erneut förmlich unterzugehen.

So bekamen die Fans, die tatsächlich noch lauter waren als beim Volleyball-Spektakel in der Schmeling-Halle, das geboten, was sie sich gewünscht hatten: einen Schlussgang mit emotionalen Höhen und Tiefen für alle Beteiligten. Plötzlich lief wieder das Berliner Spiel wie geschmiert, die jetzt sogar zwei gelungene Blockaktionen hatten, so dass sich Friedrichshafens Coach Stelian Moculescu genötigt sah, eine Auszeit zu nehmen. Mit dem gewünschten Erfolg. Bei 11:11 waren die Schwaben dran, beim 13:12 übernahmen sie die Führung und gaben sie nicht mehr her. Die Berliner wirkten ausgerechnet jetzt bei ihren Angriffsaktionen geradezu ängstlich. „Am Ende“, gab Lebedew eine alte Sportlerweisheit zum Besten, „haben wir unsere Chancen nicht genutzt, und so etwas wird im Spitzensport eben bestraft.“ Sein Kapitän Touzinsky assistierte: „Du kannst nicht jedes Spiel gewinnen.“

Vorgeschmack auf Meisterschaft

Wenngleich es kein Finale auf Topniveau war, so boten sich die Kontrahenten dennoch ein Duell auf Augenhöhe, was beide Trainer auch in der nahen Zukunft wieder im Kampf um die Meisterschaft erwarten. Dafür gewannen die Friedrichshafener neues Selbstvertrauen: Zuletzt hatten sie sieben von acht Fünf-Satz-Matches verloren, auch vor einem Monat im Bundesligaspiel in Berlin. „Heute hat unsere Truppe einen Riesenschritt gemacht“, sagte deshalb Moculescu doppelt zufrieden über das Resultat. Sein bester Mann grinste daneben zufrieden, immer noch mit der Krone auf dem Kopf. „König von Halle“ nennen sie ihn, weil er in Westfalen schon fünfmal Pokalsieger geworden ist. Die „orangene Wand“ hätte sich schön königlich gefreut, wenn dies den Berlinern zum ersten Mal gelungen wäre.