Enttäuscht, schnell und deutlich geschlagen verließen die BR Volleys am Donnerstagabend das Feld. Der Traum von einer Sensation, zumindest die Hoffnung auf eine ähnlich verblüffende Vorstellung wie vor einem Jahr – keines von beidem hatte sich erfüllt, beides war geradezu verpufft.

In der Champions League dürfte für die Mannschaft von Trainer Mark Lebedew nach der ersten Play-off-Runde Schluss sein. Im Hinspiel des Top 12 unterlagen die Berliner dem Favoriten Zenit Kasan mit 0:3 (20:25, 22:25, 20:25). In nur einer Stunde und 17 Minuten.

Das Rückspiel am Dienstag in der tatarischen Hauptstadt müssten sie ebenfalls mit 3:0 oder 3:1 gewinnen, um einen „Golden Set“ zu erzwingen. Doch daran glaubte am Donnerstag in der Schmeling-Halle wohl niemand mehr.

Nicht die 6349 Zuschauer und auch nicht die Verlierer des Abends. „Man darf nicht vergessen, gegen wen wir gespielt haben“, sagte Volleys-Geschäftsführer Kaweh Niroomand, „da sind uns schon die Grenzen gezeigt worden. Wenn ich auch finde, das Ergebnis ist zu hoch ausgefallen.“

Dabei war die Zuversicht in der Berliner Mannschaft so groß gewesen – schließlich hatte sie im vergangenen Jahr bei ihren beiden knappen Niederlagen jeweils nach Tiebreak auf Augenhöhe mit dem Favoriten agiert. Außerdem lag die letzte Pflichtspiel-Niederlage der Berliner schon lange zurück: Am 10. November, also vor mehr als zwei Monaten, hieß es 0:3 in Friedrichshafen. Seitdem gewannen die Volleys elf Partien in Serie und gaben dabei nur einen Satz ab. Außenangreifer Robert Kromm war optimistisch: „Ich bin mir sicher, dass es dieses Jahr anders wird.“

Ohne Angst vor den 6349 Fans

So viel zu Theorie und Zuversicht. Auf dem Feld allerdings wirkten die Gäste von Beginn an wacher – und selbstbewusster. Der Respekt vor dem lautstarken Berliner Publikum war diesmal kein Faktor, auch den Gegner zu unterschätzen, kam nicht noch einmal in Frage. Sie spielten anfangs mit weniger hohem Risiko als die Berliner, dafür aber um so effektiver. Es geht auch ohne Gewalt: Mehrere Mal überlupften die Kasan-Angreifer den Block der BR Volleys, deren Feldabwehr danach zu spät kam. „Da haben wir ein paar Chancen liegengelassen“, ärgerte sich Kromm, „so wurde es eine recht klare Kiste heute.“

Zenit war in allen Belangen das bessere Team. Von Beginn an. Die Folge war eine erste Vier-Punkte-Führung der Russen (9:5). Noch ließen sich die Gastgeber nicht entmutigen, wurden trotz ihrer spürbaren Nervosität etwas sicherer und kamen besonders durch kurze Anspiele über die Mitte durch Srecko Lisinac zu Zählern. Bis auf einen Punkt rückten sie heran, nur zum Unentschieden reichte es nie. Und so setzte sich der Favorit am Ende des ersten Durchgangs schließlich wieder ab und entschied ihn mit 25:20 für sich. Durch den sechsten (!) Block übrigens, die Volleys waren also quasi voll gegen die russische Wand gerannt.

Lupfer der Russen überraschten nicht mehr

Im zweiten Spielabschnitt fanden die Gastgeber dann etwas besser ihren Rhythmus. Die Lupfer der Russen überraschten sie nicht mehr, die Ballannahme wurde besser, und auch der Block, zuvor allzu löchrig, machte dicht, das Publikum mehr Krach. Nun legte Lebedews Mannschaft vor, führte 10:7, auch noch 13:10, ehe dann auch dieser Satz kippte.

Eine Aufschlagserie des sehr starken Jewgeni Sivoscheles verschaffte den Gästen einen 18:14-Vorsprung. Noch einmal kämpfte sich der Bundesligist heran zum 19:19. Aber dann setzten sich die Qualitäten des nur kurz einmal Schwächen offenbarenden zweimaligen Champions-League-Siegers durch.

Gegen die Schmetterschläge von Matthew Anderson und des russischen Olympiasiegers Maxim Michailow war kein Kraut gewachsen. „Es war eine gefährliche Situation“, sagte Anderson dennoch, „da haben wir ein paar Fehler gemacht, und das darf man nicht gegen ein starkes Team wie die Berliner.“

Der US-Amerikaner erklärte aber auch klar, warum der Erfolg diesmal leichter fiel: „Sie haben nicht so gut aufgeschlagen, und auch von den Außenpositionen haben sie uns diesmal nicht so große Probleme bereitet.“

Bewundernswert war nur der nimmermüde Kampfgeist, mit dem sich die klar unterlegenen BR Volleys wehrten. Lebedew wechselte Aleksandar Spirovski für Paul Carroll ein, der sich aber gleich mit drei Fehlern einführte.

Die Gäste führten, aber beim 13:13 waren die Berliner wieder dran – ein Akt des Willens. Erstmals sah sich sogar Zenit-Trainer Vladimir Alekno gezwungen, eine Auszeit zu nehmen, um sein Team mit vier Olympiasiegern nochmals wachzurütteln für eine letzte entscheidende Kraftanstrengung. Was es sich zu Herzen nahm.

Immer schwächelt ein Berliner

„Sie haben ihre Chancen gnadenlos ausgenutzt“, anerkannte Lebedew die Vorstellung der Millionentruppe aus der Hauptstadt Tatarstans. Auch Niroomand lobte: „Man hatte heute keinen Moment das Gefühl, dass sie nachlassen. Sie haben jeden Ball konzentriert gespielt.“

Während auf Berliner Seite nie alle sechs Spieler auf höchstem Niveau unterwegs waren – irgendjemand hatte immer gerade eine kurze Schwächephase. Nur im zweiten Satz, sagte Lebedew, „hatten wir eine Phase, wo wir mal in der Abwehr keine Fehler gemacht und im Angriff unsere Chancen genutzt haben“. So eine kurze Phase reicht nicht, um Zenit Kasan zu beeindrucken. Und schon gar nicht, um sich einen Traum zu erfüllen.