Die Fans von Zenit Kasan wissen genau, was ihre Volleyballprofis gerade tun. Die Abreise aus der verschneiten Hauptstadt Tatarstans, die Landung mit der klubeigenen Chartermaschine in Berlin, wo das Team an diesem Donnerstag (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) im Play-off-Hinspiel der Champions League auf die BR Volleys trifft, die Busfahrt aus Tegel ins Hotel Courtyard Marriott – alles zu sehen in einem Video auf der Homepage des Vereins. Auch die gute Laune ist spürbar.
Vier Olympiasieger im Team
Selbstbewusst ist das Starensemble mit seinen drei aktuellen Olympiasiegern Nikolai Apalikow, Alexander Wolkow und Maxim Michailow sowie dem Trainer Vladimir Alekno, der Russland zu Olympia-Gold in London führte, sich danach aber auf seinen Job im Verein konzentrierte. Zweimal haben die Tataren die Champions League gewonnen; im vergangenen Jahr jedoch schwächelten sie, nicht nur bei ihren knappen 3:2-Siegen gegen Berlin. In der europäischen Königsklasse mussten sie Lokomotiv Nowosibirsk den Vortritt lassen, in der russischen Meisterschaft, die sie zuvor viermal in Folge gewonnen hatten, Lokomotiv Belogorie.
Alekno wechselte seinen Zuspieler aus, verpflichtete Nikola Grbic. Der Serbe ist 40 Jahre alt, gilt aber als weltbester Mann auf dieser Position. Nie wollte er aus Italien weg, doch das Angebot muss zu gut gewesen sein, um es abzulehnen. Jetzt hat Alekno alles zusammen und auch noch einen vierten Olympiasieger im Team. Alles andere als der Champions-League-Triumph wäre wie eine Niederlage.
In vielen Sportarten in der europäischen Spitze dabei
Am Geld mangelt es nicht, obwohl die örtliche Konkurrenz riesig ist in der Stadt mit ihren 1,2 Millionen Einwohnern. Da gibt es Bars (Eishockey), Rubin (Fußball), Unics (Basketball) und Dynamo Kasan (Frauenvolleyball), die alle in den höchsten europäischen Wettbewerben unterwegs sind. Um Sponsoren müssen sie sich nicht streiten, sie haben ja alle denselben: Mütterchen Russland. Der Staat fördert die Klubs über Unternehmen, deren Hauptanteilseigner er ist. In Nowosibirsk und Belogorie ist es die Bahn, in Kasan ist es Gazprom, der größte Betrieb des Landes mit fast einer halben Million Mitarbeitern.
Ohnehin ist Kasan eine Sportstadt, ähnlich wie Berlin. „Ganz schön“, sagt BR-Volleys-Coach Mark Lebedew, der schon zweimal dort war und dem noch ein Adjektiv schnell über die Lippen kommt: „Reich.“ Für die Universiade mit seinen rund 12.000 Teilnehmern im vergangenen Jahr wurden 5,7 Milliarden Euro investiert, unter anderem für 64 Gebäude, darunter viele neue Sportstätten. Wie das Volleyball-Zentrum „Sankt Petersburg“, in dem Zenit trainiert und spielt. „Sport wird insgesamt stark gefördert in Russlands Städten“, sagt Zenits Teammanager Lenar Schamsutdinow und ergänzt mit hörbarem Stolz: „Kasan ist eine davon.“
Vielleicht sogar ein Kandidat für Olympische Spiele
Weitere große Events werden dort stattfinden, in diesem Jahr Badminton-EM und Fecht-WM, 2015 die Schwimm-WM, 2018 Spiele der Fußball-WM. Vielleicht wird Kasan sogar ein Kandidat für Olympische Spiele. Lebedew jedenfalls schwärmt von der alten Handelsstadt an der Wolga, „es gibt eine gute Mischung aus traditionellen und modernen Gebäuden“. Das soll aber alles nicht über die eigenen Möglichkeiten hinwegtäuschen. Obwohl Zenit die Berliner kaum noch einmal unterschätzen wird. „Wir haben unsere letzten elf Spiele alle gewonnen und dabei nur einen Satz abgegeben. Wir sind bereit“, sagt Lebedew. Auch ohne eigene Chartermaschine.




