Die 2500 Kilometer weite Reise in den russischen Winter war schon mal geglückt. Jedenfalls versorgte der Star der BR Volleys, Robert Kromm, über das soziale Netzwerk Facebook seine Fans am Montag mit Nachrichten aus Tatarstans Hauptstadt Kasan. Dort wird sich am heutigen Dienstag im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League für den deutschen Volleyball-Meister erweisen, ob auch die sportliche Reise durch Europa weitergeht.

Die meisten Beobachter gehen davon aus, dass in der Halle des Titelverteidigers Zenit Kasan Endstation ist. 2:3 verloren die Berliner bereits das packende erste Spiel vor eigenem Publikum. Zum Weiterkommen bräuchten sie heute nicht nur einen Sieg beim Favoriten; sie müssten danach auch den „Golden Set“ gewinnen, einen Entscheidungssatz bis 15 Punkte. Dann wären die BR Volleys in der nächsten Runde.

Sechs Olympiasieger in der russischen Mannschaft

„Wir haben viel Selbstvertrauen gewonnen im ersten Aufeinandertreffen, aber es wird natürlich sehr schwer“, sagte Trainer Mark Lebedew vor dem Abflug. Schon in Berlin war zu erkennen gewesen, dass die russische Mannschaft mit ihren sechs Olympiasiegern im Kader individuell eindeutig stärker besetzt ist. Aber sie hatte zum einen ihren Kontrahenten ein wenig unterschätzt und dazu wohl nicht damit gerechnet, wie heiß die Atmosphäre in der Schmeling-Halle für Gästeteams werden kann. Um so ärgerlicher für den Außenseiter, dass er das Überraschungsmoment nicht nutzte. Lebedew ist realistisch genug zu erkennen, „dass es ohne unsere Fans im Rücken wesentlich schwieriger wird als letzte Woche“.

Der 3:0-Sieg in der Bundesliga am Sonnabend gegen den VC Dresden hat auch keine neuen Erkenntnisse gebracht; nicht einmal als Kontrahent zum Warmspielen taugten die Sachsen. Zu schwach war ihre Gegenwehr, zu wenig waren die Berliner gezwungen, an ihre Grenzen zu gehen. Manches wirkte ein wenig unsortiert. Aber vielleicht ist das auch Zeichen der personellen Dezimierung, die nach mittlerweile 23 Saisonspielen bei den Volleys Einzug gehalten hat.

Andre Höhne rückt nach

Scott Touzinsky fällt nach seiner Knieoperation sicher bis zum Play-off-Start Anfang März aus. Ihn ersetzte für nur zwei Spiele auf der Position des Außenangreifers Roko Sikiric, ehe er sich ebenfalls am Knie verletzte. Die Berliner erwarten, dass er frühestens in zwei bis drei Wochen zurückkehrt. Der nächste Nachrücker ist Andre Höhne. Der 21-jährige machte seine Sache bisher sehr gut – obwohl ihn ein Anbruch am Daumengrundgelenk seiner rechten Schlaghand behindert.

Der Verein entschloss sich, darauf zu reagieren und einen Außenangreifer nachzuverpflichten. „Wir haben den Markt sondiert und uns jetzt entschieden“, bestätigt Manager Kaweh Niroomand. Im engeren Kreis waren der Serbe Milos Terzic (Tomis Costanta) und der Amerikaner Jayson Jablonsky (ACH Volley Ljubljana), die in dieser Saison ebenfalls Einsätze in der Champions League hatten. Nach längeren Gesprächen wählten Niroomand und Lebedew jedoch einen anderen, auf den dies nicht zutrifft. Zunächst bis Ende der Saison stößt Ruben Schott (19) zur Mannschaft.

Keine Hierarchie-Probleme

Der Junioren-Nationalspieler zählte bisher zu den Leistungsträgern beim Bundesliga-Schlusslicht VC Olympia, dessen Ziel es ist, Talente an die Spitze heranzuführen. Die Volleys-Profis Kromm, Höhne, Felix Fischer, Ricardo Galandi und Sebastian Kühner sind aus diesem Projekt hervorgegangen. Schott ist auch deshalb kein Unbekannter bei den Volleys, weil er schon vergangene Saison mit einer Doppelspielberechtigung für beide Teams (Olympia startete da noch in der Zweiten Liga) zum Einsatz kam.

Er bringt die Hierarchie in der Mannschaft nicht durcheinander. „Wir wollten die gewachsenen Strukturen nicht gefährden“, sagt Niroomand, „unsere Stärke ist ja gerade die Moral, der Zusammenhalt.“ Dem aufstrebenden Höhne wird kein gestandener Profi vor die Nase gesetzt, Touzinsky und Sikiric kein Rivale um einen Stammplatz. „Ein gewisses Risiko ist dabei“, gibt Niroomand zu, „aber wir müssen die nächsten vier bis sechs Wochen mal so überstehen.“ Jedenfalls wird am Donnerstag, wenn das Team nach der Rückkehr aus Kasan erstmals wieder trainiert, Ruben Schott bei den Übungen dabei sein. Und vielleicht sogar am Sonnabend (19.30 Uhr) im Bundesligaspiel gegen Düren ein paar Einsatzminuten bekommen.