Genau das war seine größte Sorge gewesen vor dem Abenteuer Berlin: „Dass ich mich verlaufe.“ Srecko Lisinac wollte sich nur ein bisschen in seiner neuen Umgebung in der Nähe des Savignyplatzes umschauen, da war es bereits um ihn geschehen. In einer solchen Großstadt hat der 21-Jährige schließlich noch nie gelebt.
Halb so schlimm, beruhigte sich der neue Spieler der BR Volleys, als der erste Schreck vorbei war: Wofür habe ich ein Handy mit GPS? Dumm nur, dass es die Straße, in der er nun für mindestens eine Saison wohnen wird, in Berlin dreimal gibt. Prompt entschied sich Lisinac für die falsche Richtung. „Wo bin ich hier?“, fragte er sich, bis er endlich erschöpft zu Hause ankam.
Mit der Navigation in seiner neuen Mannschaft und auf dem Spielfeld hat es dann aber auf Anhieb viel besser geklappt. Gleich im ersten Spiel für den Deutschen Meister beim 3:0 in Bottrop wurde der junge Serbe zum MVP gewählt, zum wertvollsten Spieler. „Der ist schon echt gut“, findet Felix Fischer, wie Lisinac Mittelblocker.
Fünf Asse in Serie sorgen für Verblüffung
„Er hat das super gemacht“, lobt auch Trainer Mark Lebedew den Neuen, „seine Athletik ist beeindruckend. Ich hoffe, dass Srecko sich so weiterentwickelt.“ Verblüfft hatte ihn, dass Lisinac, als seine Mannschaft zurücklag, plötzlich fünf Asse in Serie schlug: „Für diese Qualität war er bisher gar nicht so bekannt.“
Eigentlich hatte der Coach einen anderen Mann für die Position verpflichten wollen, den deutschen Nationalspieler Marcus Böhme. Der mochte sich nur nicht so rasch entscheiden, und als Lebedews weit gefächertes Netzwerk Signale aus Polen empfing, Lisinac sei zu haben, da schlugen die Berliner umgehend zu und überzeugten ihn von einem Vereinswechsel aus Tschenstochau in Schlesien, seiner ersten Auslandsstation, nach Berlin.
Inzwischen können sie sich die Hände reiben, denn offenbar ist ihnen da ein Schnäppchen gelungen. „Ich hoffe, ich werde ein guter Ersatz für Marcus Böhme sein“, sagt der 2,05 Meter große Zugang lächelnd. Seine Referenzen versprechen es. Denn bei der Europameisterschaft gewann Lisinac mit dem serbischen Nationalteam Bronze; er wurde bei seiner Premiere als bester Mittelblocker der EM ausgezeichnet.
Erst vor fünf Jahren begann die Volleyballkarriere
Anschließend nahm er auch noch die U23-Weltmeisterschaft in Brasilien mit, wo die serbische Auswahl mit Silber dekoriert wurde. In einer Partie gegen Bulgarien gelangen ihm zehn Blocks – Turnierrekord. Und persönlicher Bestwert.
Seine Karriere ist noch kurz: Erst vor fünf Jahren begann Srecko Lisinac mit dem Volleyballtraining. Umso verblüffender ist sein Können. Dazu hat er die passende Einstellung, wie es scheint. Geld? „Ist auch wichtig, aber wichtiger ist mir, dass ich mich entwickeln kann und mich wohlfühle im Team.“ Die BR Volleys? „In Deutschland ist alles sehr gut organisiert. Und Berlin hat ein Team, das in allen Wettbewerben um Titel kämpft. Das will ich auch.“
Seine neue Mannschaft? „Alle sind sehr nett. Sie haben mich empfangen, als würde ich schon immer zu ihnen gehören.“ Felix Fischer gibt das Kompliment sofort zurück: „Srecko ist sehr offen. Der will sich schnell integrieren.“
Der neue Mann wird gleich in der Champions League gefordert
Und die BR Volleys brauchen ihren neuen Mann eigentlich sofort als vollwertige Kraft. Denn der Slowake Tomas Kmet plagt sich mit einer Muskelverletzung herum, sein Einsatz am Donnerstagabend ist nicht sicher. Und die Aufgabe hat es in sich. Die BR Volleys starten nach ihren zwei Siegen in der Bundesliga nun in die Champions League.
Erster Gegner ist in Trient Diatec Trentino, der italienische Meister, Pokalsieger und dreimalige Gewinner der Champions League (2009, 2010, 2011). Weitere Kontrahenten in der Gruppe D sind der türkische Champion Arkas Izmir und das beste Team der Schweiz, Energy Investments Lugano.
„Das ist eine schwierige Gruppe“, findet Srecko Lisinac, der bisher noch nie in der Königsklasse gespielt hat, „aber“, ergänzt er mit jugendlicher Frische: „Wenn wir die überstehen, ist alles möglich für uns.“ Nicht schlecht navigiert, junger Mann!





