Volleyball

Beim Serienmeister BR Volleys gibt es auch mal Streit

Robert Kromm startet mit seinen BR Volleys in die neue Saison. Ein Gespräch mit dem Volleyballprofi über das Innenleben des Serienmeisters und die Tücken des Spielplans.

Foto: Amin Akhtar

Seit 2005, als es ihn vom SCC Berlin nach Italien zog, ist der deutsche Volleyballprofi Robert Kromm Saison für Saison in ein neues Trikot geschlüpft. Der Wechsel war Programm.

Das hat sich für den 29-Jährigen jetzt verändert. Als Star des Deutschen Meisters BR Volleys geht der 2,12 Meter große Außenangreifer am Dienstag (19.30 Uhr, Schmeling-Halle) mit dem Top-Duell gegen Pokalsieger Generali Haching in seine zweite Saison.

Im Interview spricht Kromm über Heimatgefühle, Familie und Streit in der Mannschaft.

Berliner Morgenpost: Herr Kromm, was war das für ein Sommer, in dem Sie mal nicht ans Umziehen denken mussten, nicht an ein neues Team, nicht an ein anderes Umfeld? Sondern vor dem Sie wussten: Im Herbst sehe ich dieselben Gesichter wieder!

Robert Kromm: Es war ein gutes Gefühl. Von Heimat. Auch von Sicherheit. Es macht vieles einfacher, wenn man im Sommer diesen ganzen Stress nicht hat, eine neue Wohnung zu suchen und nicht zu wissen: Wo landest du?

Wie haben Sie das Jahr in Berlin erlebt?

Meine Frau macht ihre Ausbildung, hat schnell soziale Kontakte gefunden. Unser Sohn war im Ausland die ganze Zeit zu Hause, ist jetzt aber sehr gut in seinem Kinderladen angekommen und freut sich jeden Tag, seine Kumpels zu sehen. Wir fühlen uns echt wohl in Berlin. Für mich war es auf alle Fälle auch deshalb ein besonderes Jahr, weil wir Erfolg hatten, Meister geworden sind. Das war persönlich unheimlich befriedigend. Und mit diesem Gefühl konnte ich den Sommer sehr genießen. Es war schön, Zeit für die Familie zu haben. Und mit Sebastian Kühner habe ich mich zum Beachvolleyball getroffen, sogar ein paar kleine Turniere haben wir gespielt. Das hat sehr viel Spaß gemacht.

Sind Sie ein Familienmensch geworden?

Ich bin schon einer, der diese Geborgenheit braucht, immer jemanden um sich herum zu haben. Aber ich brauche und genieße genauso wie jeder meine Freiräume. Wenn wir dann mal eine Woche in der Champions League unterwegs sind, freue ich mich, wieder nach Hause zu kommen.

Der Spielplan sieht vor, dass Sie fast acht Wochen lang nur Auswärtsspiele haben...

...ja, aber das finde ich nicht belastend. Es hält ja auch die Liebe frisch, wenn man seine Familie vermisst und dann wieder zurückkommt. (lacht) Sicher ist die Reiserei anstrengend für die Mannschaft und für den Verein nicht einfach zu managen, dass wir dann auch viele Heimspiele am Stück haben. Da wird es schwer, die Halle vollzubekommen. Aber ich persönlich kriege das hin.

Sind Sie jetzt so gut angekommen in Berlin, dass Sie für immer hierbleiben wollen?

Wir reden natürlich darüber und können uns schon vorstellen, hier in Berlin zu leben. Weil die Arbeitssituation ja nicht nur für mich gut ist. Andererseits sind wir offen dafür, vielleicht noch mal ein Abenteuer zu starten. Da legen wir uns noch nicht fest.

Fühlen Sie sich bei den BR Volleys so wohl, weil es ein familiärer Verein ist?

Es ist auf jeden Fall ein sehr angenehmer Arbeitsplatz. Die Mannschaft versteht sich gut, ist eine gut funktionierende Einheit. In manchen Familien gibt es da mehr Stress als bei uns.

Gibt es auch familiäre Hierarchien? Vater-Figuren?

Wenn überhaupt, ist unsere Hierarchie sehr flach. Mit ein paar starken Charakteren, die sich ein bisschen mehr in den Vordergrund schieben, Verantwortung übernehmen. Aber niemand ist total dominant. Wir haben mehrere Führungskräfte, wenn man das so nennen will.

Ist es Zufall, dass es sich dabei um Väter handelt, wie Sie oder Scott Touzinsky?

Ich glaube nicht, dass man es daran festmachen kann. Tomas Kmet etwa ist Vater, aber ein eher ruhiger Typ. Paul Carroll zum Beispiel ist ein sehr starker Charakter, sehr ehrgeizig, versucht viel zu steuern. Aber er hat keine Kinder.

Sie sprachen an, dass Ihre Mannschaft zwischenmenschlich gut harmoniert. Ist das eigentlich nur positiv? Und dass es bei den BR Volleys kaum personelle Wechsel gibt - fehlen da nicht manchmal ein paar neue Reize, die für den Erfolg wichtig sein können?

Damit da kein falscher Eindruck entsteht: Bei uns gibt es durchaus kontroverse Meinungen. Auch Streit, da knatscht es schon mal im Training. Aber es renkt sich immer schnell wieder ein. Das ist das Wichtige, dass wir uns immer wieder zusammenraufen, auch wenn mal Ungereimtheiten da waren. Es stimmt natürlich: Nur Friede, Freude, Eierkuchen – so kommt man allein nicht zum Erfolg.

Nach außen wirkt es aber oft genau so, als sei das eines der Erfolgsrezepte der Volleys.

Wir sind alle Profis und tragen das nicht nach außen. Niemand ist lange böse, bloß weil einer eine andere Meinung hat.

Der VfB Friedrichshafen hat sein Team runderneuert. Ist diese Veränderung hilfreich, mehr aus dem Rest einer Truppe herauszukitzeln? Oder kann man auch fünf Jahre mit derselben Mannschaft zusammenspielen, ohne dass die Leistung abfällt?

Es ist schon wichtig, ein bisschen frischen Wind reinzubringen. Letztes Jahr sind Sebastian Kühner und ich neu ins Team gekommen. Dieses Jahr bekommen wir (mit dem Serben Srecko Lisinac, d.Red.) Verstärkung für den Mittelblock. Also nur Kontinuität kann man auch nicht sagen. Das wäre schwierig. Gerade im Verhältnis Trainer-Spieler. Da kommt man irgendwann an einen Punkt, wo man sich nichts mehr beibringen kann. Es gibt deshalb wenige Spieler, die fünf Jahre unter einem Trainer spielen und sich dabei stetig weiterentwickeln.

Vor den Olympischen Spielen in London sind Sie aus dem Nationalteam aussortiert worden. Danach haben Sie auch von sich aus eine Auszeit genommen. Ist das Thema jetzt für Sie endgültig erledigt, weil Sie den Sommer lieber mit der Familie verbringen?

Das halte ich mir offen. Den vergangenen Sommer habe ich wirklich richtig genossen. Mal sehen, wie die Saison so anläuft. Bisher war schon Interesse vom Bundestrainer (Vital Heynen, d.Red.) da. Ich würde mich quasi zur Verfügung stellen, wenn ich wieder Lust habe. Dann entscheidet er. Ich hoffe, er urteilt danach, wer in den Ligen die besten Leistungen zeigt und nicht danach, wer zuletzt beim Nationalteam war.

Werden die BR Volleys jetzt zum dritten Mal in Folge Meister? Wie schätzen Sie Ihre Herausforderer Friedrichshafen und Haching ein?

Friedrichshafen hat sich sicher auf dem Papier gut verstärkt. Haching hat fünf deutsche Nationalspieler, die sind bestimmt auch nicht ungefährlich. Man wird sehen, wer an den Spieltagen besser drauf ist. Und ob die Teams harmonieren? Ich kann das noch nicht einschätzen. Aber am Dienstag wissen wir mehr.