Als wären sie nicht schon Außenseiter genug, mussten die Volleyballspieler des VC Dresden vor dem ersten Viertelfinale um die Deutsche Meisterschaft bei den BR Volleys immer neue Rückschläge verkraften.

Trainer Sven Dörendahl blieb zu Hause: fiebrige Erkältung. Das gleiche Schicksal ereilte Philip Collin, den einzigen Nationalspieler in Reihen der Sachsen. Und die Partie hatte kaum begonnen, da humpelte Libero Martin Merkel vom Feld: Bänderverletzung am linken Knöchel.

So gesehen, hielt sich der Aufsteiger beim Titelverteidiger doch recht ordentlich. Obwohl der Sieg des Favoriten beim 3:0 (25:21, 25:20, 25:14) letztlich standesgemäß ausfiel.

„Dresden hat zwei Sätze super mitgehalten“, sagte Berlins Trainer Mark Lebedew. „Aber das war gut für uns. Das Play-off hat eben eine andere Intensität als die normalen Punktspiele.“ Robert Kromm (15 Punkte), hinter Aleksandar Spirovski (19) diesmal zweitbester Angreifer seiner Mannschaft, ergänzte: „Wir versuchen uns jetzt von Spiel zu Spiel zu steigern. Die ganz wichtigen Partien kommen ja erst noch.“ Auch wenn es so direkt niemand formulierte: Das Viertelfinale gegen Dresden soll den Volleys eben auch dazu dienen, sich auf dem Weg zur fünften Deutschen Meisterschaft einzurollen.

Erstaunliche Kulisse in der Schmeling-Halle

Das scheint auch dringend nötig zu sein. Anfangs klappte nichts wirklich gut – ob Aufschläge, die Ballannahme, das Stellen des Balles, die Schmetterschläge. Vieles ging schief. Und die Gäste hatten vor der erstaunlichen Kulisse von 5289 Zuschauern in der Schmeling-Halle immer ein Lächeln auf den Lippen – sie haben ja nichts zu verlieren. „Wichtig ist, dass wir trotzdem 3:0 gewonnen haben“, sagte Kapitän Scott Touzinsky, der nach seiner Meniskusoperation erstmals drei Sätze lang auf dem Spielfeld stand und seine Sache gut machte. „Es braucht ein wenig Zeit, um in den Play-off-Modus zu kommen“, sagte der Amerikaner, „das hat man heute sehen können.“

Es brauchte bis Mitte des zweiten Durchgangs, ehe sich die individuelle Überlegenheit der Gastgeber auch im Ergebnis spiegelte. Von 13:13 auf 20:15 zogen die BR Volleys nun davon. Häufig punktete Kromm mit Brachialgewalt durch die Mitte, noch häufiger Spirovski von außen. Die tapferen Dresdner gaben zwar nie auf. Aber sie können eben normalerweise dem Meister kein Bein stellen. Deshalb rechnet Berlins Manager Kaweh Niroomand damit, dass dieses Duell nach dem zweiten Spiel am Sonntag in Sachsen entschieden ist: „Wenn der Meister beim Zehnten antritt, kann man das erwarten.“

Berliner sind jetzt Champions-League-Sieger-Besieger

Eine besondere Würdigung erhielt am Sonntagnachmittag auch der internationale Auftritt der BR Volleys in dieser Saison. Denn am Sonntag gewann Lokomotiv Novosibirsk in Omsk das Champions-League-Finale gegen Italiens Topteam Cuneo. Die Mannschaft aus Sibirien verlor auf dem Weg dorthin nur ein einziges Spiel: in der Vorrunde mit 1:3 in Berlin.

Die Volleys haben also jetzt einen inoffiziellen Titel: Sie dürfen sich Champions-League-Sieger-Besieger nennen. Der fünfte deutsche Meistertitel wäre ihnen sicher lieber.

diw