Berlin-Marathon

Weltrekord - Wieder ist Berlin das schnellste Pflaster

Dennis Kimetto läuft den Berlin-Marathon in 2:02:57 Stunden - und bleibt damit deutlich unter der Weltrekord-Marke von Wilson Kipsang. Kein Wunder: Die Hauptstadt bot erneut beste Bedingungen.

Was für ein unfassbares Rennen! Weltrekord – und das gleich zwei Mal. Gewonnen hat den Berlin-Marathon der Kenianer Dennis Kimetto in der Fabelzeit von 2:02:57 Stunden, aber auch sein Landsmann Emmanuel Mutai blieb in 2:03:13 deutlich unter der Weltrekord-Marke von Wilson Kipsang.

Dieser hatte im vergangenen Jahr in der deutschen Hauptstadt in 2:03:23 gesiegt, sich aber entschieden, statt in Berlin diesmal lieber im November in New York den Marathon zu laufen.

Dennoch gelang es Renndirektor Mark Milde erneut, eine perfekte Zusammenstellung der Favoriten zu erreichen.

Und mit diesem außergewöhnlichen Feld selbst Irina Mikitenko zu beeindrucken: „Die beiden ersten unter Weltrekordzeit – das ist einfach fantastisch“, begeisterte sich die deutsche Läuferin, die den Berlin-Marathon 2008 gewonnen hat. Auch wenn Mutai nur Zweiter geworden sei, „im Herzen ist auch er ein Weltrekordler.“

„Eine breite Spitze“ im Feld des Berlin-Marathon

War in den vergangenen Jahren das Rennen in Berlin häufig auf einen einzelnen Laufstar und dessen Versuch zugeschnitten, den Weltrekord zu brechen, zeigte der Berlin-Marathon in diesem Jahr spätestens mit der Entscheidung von Vorjahressieger Wilson Kipsang ein ganz anderes Gesicht, „eine breite Spitze“, wie Mark Milde es im Vorfeld genannt hatte.

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Diese Spitze jagte dem Feld der 45.870 Teilnehmer, von denen knapp 7000 aus Berlin kamen, vorneweg. Bei den Männern hatte der Renndirektor von vier Favoriten gesprochen, die alle schon in der Vergangenheit unter 2:06 Stunden gelaufen sind und denen wenigstens theoretisch der Weltrekord zugetraut wurde.

Bei den Frauen hingegen waren selbst die Schnellsten um die Siegerin Tirfi Tsegaye aus Äthiopien (2:20:18) von vorn herein nicht in der Lage, angesichts der bisherigen Bestzeiten den Weltrekord von Paula Radcliffe (2:15:25) aus dem Jahr 2003 in London anzugreifen. Immerhin purzelten auch hier persönliche Bestzeiten wie die von Anna Hahner (2:26:25), die mit ihrem sehr guten siebten Platz nicht nur beste Deutsche sondern auch beste Europäerin wurde. Auch das Wetter zeigte sich für sämtliche Läufer und Läuferinnen in Berlin einmal mehr von seiner besten Seite.

Berlin bot beste Bedingungen für den Weltrekord

Bei etwa acht Grad war das Rennen morgens gestartet worden, bis 18 Grad in der Mittagszeit sollten die Temperaturen noch nach oben gehen. Störenden Wind gab es praktisch gar nicht. Die Strecke war zudem identisch mit der von Kipsangs Weltrekord vor einem Jahr. „Nur bei der Hasenheide und auf dem Hohenzollerndamm mussten wir die Seite wechseln – da waren wir quasi als Geisterläufer unterwegs“, sagte Renndirektor Milde.

Die Bedingungen hätten damit für einen erneuten Weltrekord-Versuch kaum besser sein können. Seit 2006 ist der Berlin-Marathon jedes Jahr der schnellste der Welt, was die erreichten Zeiten angeht. Dahinter rangieren in unregelmäßiger Folge Chicago, London, Rotterdam und zuletzt auch Dubai.

Dennoch konnte der Renndirektor unmöglich wissen, ob die Strecke auch in diesem Jahr ihrem rekordverdächtigen Ruf Ehre machen würde. In der Nacht vor dem Rennen war Milde um 2.05 Uhr aufgewacht und hatte morgens im Hotel Dieter Baumann, Olympiasieger von 1992 über 5000 Meter, seine Zweifel gestanden: „Ich hoffe, dass das kein schlechtes Omen ist.“

Als erster Mensch unter zwei Stunden und drei Minuten

Eine Zeit um 2:05 wäre zwar immer noch gut gewesen, doch ist der Renndirektor inzwischen Sklave seines Erfolgs. Seit dem Jahr 2003 sind in Berlin sämtliche offiziellen Weltrekorde gelaufen worden: von Paul Tergat, zwei Mal Haile Gebrselassie, Patrick Makau und zuletzt von Wilson Kipsang. Mit der fantastischen Zeit von Dennis Kimetto, der als erster Mensch die Marke von zwei Stunden und drei Minuten unterboten hat, legt Milde die Latte noch einmal höher.

Die vielen langen Geraden kommen den Sportlern ebenso entgegen wie das im Gegensatz zu New York extrem geringe Auf und Ab der Strecke. Trotzdem zeigte sich der Renndirektor selbst über den Ausgang verblüfft: „Ich hätte mir vorstellen können, dass der Weltrekord fällt, aber nicht, dass die Zeit von 2:03 Stunden unterboten wird.“

Dennis Kimetto knackt den Rekord

Vielleicht konnte man im Ziel am besten sehen, warum die schnellsten Marathonläufer der Welt so gern nach Berlin kommen. Kaum war Dennis Kimetto in Weltrekordzeit durchs Ziel gerauscht, lief Mark Milde bereits auf ihn zu und trocknete ihm mit einem Handtuchzipfel die Stirn. Wo gibt es sonst noch so viel persönliche Betreuung durch den Renndirektor?

Weltrekord in 2:02:57 Stunden, fast eine halbe Minute schneller als der bisher bestehende. Damit konnte niemand rechnen. Schon gar nicht angesichts des Ausrutschers von Kimetto diesen Sommer. Auf seiner Trainingsstrecke in Kapngetuny war der Kenianer gestrauchelt und hatte sich eine Muskelzerrung zugezogen.

Doch in Berlin zeigte der genesene Kimetto jetzt gemeinsam mit dem Zweitplatzierten, seinem Landsmann Emmanuel Mutai (2:03:13), wieder ein formidables Rennen. „Wenn wir bei Kilometer 30 noch unter 1:28 liegen, sind wir auf Kurs“, hatte Mark Milde bereits im Vorfeld des Marathons gesagt. Die Rennverläufe der vergangenen Jahre haben die Tendenz zum „negative split“, so der Renndirektor, wobei die zweite Hälfte der Strecke in diesem Fall schneller gelaufen wird als die erste.

Auf gemeinsame Taktik verständigt

So war es auch diesmal wieder: 1:01:34 betrug die Marke zur Halbzeit von Vorjahressieger Kipsang. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Kimetto noch elf Sekunden dahinter. Bei Kilometer 30 lag die diesjährige Spitzengruppe von vier Kenianern und einem Äthiopier dann schon bei 1:27:37 und damit 24 Sekunden unter Weltrekordzeit. Dass Dennis Kimetto im Ziel die Bestmarke gar um 26 Sekunden unterbot, ist wohl auch ein Resultat dieser weitgehend ausgeglichenen Spitzengruppe.

Von der allerdings drei der Spitzenläufer ablassen mussten, nachdem sich der 30-Jährige wenige Kilometer vor dem Ziel mit seinem Landsmann Emmanuel Mutai über eine gemeinsame Taktik verständigt hatte. „Wir haben uns kurz abgesprochen, ab jetzt noch mal richtig zu pushen, um wirklich den Weltrekord zu holen“, bestätigte Emmanuel Mutai nach dem Rennen. In Chicago im Oktober vergangenen Jahres, als ebenfalls Kimetto gewann, sei es zwischen den beiden nur um den Sieg gegangen. Diesmal hingegen war der Weltrekord klares Ziel.

Für diesen erhält Dennis Kimetto nun noch einen finanziellen Bonus, wodurch er insgesamt 90.000 Euro mit nach Hause nehmen kann. „Davon“, sagt der Läufer und Geschäftsmann, „werde ich weitere Häuser kaufen und vermieten.“

Über die Frage, ob Mutai wegen der erfolgreichen Zusammenarbeit auch etwas von dem Geld abbekomme, konnte Kimetto dagegen nur lächeln.

Tirfi Tsegaye - Schnell und mit Kusshand ins Ziel

Den Weltrekord aufzustellen wie die männlichen Läufer, ist den schnellsten Frauen über die 42,195 Kilometer nicht geglückt, auch konnte der Streckenrekord nicht geknackt werden. Doch es war ein spannendes und schnelles Rennen, in dem die vier Favoritinnen ihre persönliche Bestzeit erreichten. Den Weltmeistertitel hat seit 2003 Paula Radcliffe inne, sie holte ihn beim London-Marathon, der Streckenrekord liegt seit 2005 unangerührt bei der Japanerin Mizuki Noguchi.

Bestzeit, Sieg und Streckenrekord waren die Ziele, mit denen Tirfi Tsegaye bei ihrem zweiten Berlin Marathon angetreten war. Bis auf den Streckenrekord gingen ihre Träume in Erfüllung, mit 2:20:18 Stunden erlief sie ihre persönlich beste Zeit und den Sieg beim 41. Berlin Marathon. Dicht auf den Fersen war ihr Feyse Tadese (2:20:27), ebenfalls eine Läuferin aus Äthiopien, die ihrer Landsfrau den Sieg herzlich gönnte. Jedoch nicht ohne anzumerken, dass sie im kommenden Jahr gewinnen wolle. Nach dem Zieleinlauf fielen sich die beiden Frauen in die Arme. Und das nicht nur aus Erschöpfung.

Tirfi Tsegaye eröffnete ihren Lauf defensiv, lief jedoch eine starke zweite Hälfte. Nach einem taktisch klugen Rennen und einem Fight auf den letzten Kilometern kam sie mit einer für sie absoluten Topzeit ins Ziel. Dass sie schnell ist und Biss hat, hatte die 29-Jährige schon vor zwei Jahren in Berlin gezeigt, als sie beim Marathon den zweiten Platz belegte. Von da an hegte sie den Wunsch, einmal in Berlin auf der ersten Treppe des Siegerpodests zu stehen.

Herausgefordert von Shalane Flanagan

In der ersten Laufhälfte wurde sie von der US-Amerikanerin Shalane Flanagan herausgefordert, die ihren Lauf sehr aggressiv begann. Tirfi Tsegaye behielt die Ruhe und ließ sich nicht von ihrem Zeitplan abbringen. Shalane Flanagan, die als dritte ins Ziel ging, hat mit 2:21:14 Stunden ihren in Boston aufgestellten Rekord unterboten. Sie zeigte sich mit ihrem Abschneiden in Berlin zwar nicht glücklich, aber doch zufrieden. Für sie hatte es sich gelohnt, kurz nach ihrer Ankunft in der Marathon-Metropole die Strecke Kilometer für Kilometer abzulaufen. „So konnte ich schon früh die Energie Berlins tanken“, sagte sie.

Die Läuferin der Herzen war die 24-jährige Anna Hahner aus Fulda, die von ihrer Zwillingsschwester Lisa auf dem Rad begleitet wurde. Sie baut sich zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz auf, denn bisher konnte sie ihre Leistung von Rennen zu Rennen steigern. Nach 2:26:44 Stunden lief sie mit persönlicher Bestzeit, glücklich, als Siebte und als schnellste Deutsche ins Ziel. Kusshandwerfend.

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