Sören Mackeben gehört zu den Gewinnern einer kleinen Wasserball-Revolution. Seinen Posten als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft verdankt er einem Aufstand der Auswahlspieler, die sich Anfang des Jahres geweigert hatten, mit Bundestrainer Nebojsa Novoselac weiter zusammenzuarbeiten. Stattdessen schlugen sie Mackeben für den Posten vor, den viele von ihnen aus seinen aktiven Zeiten kannten. Der gebürtige Hannoveraner bestritt 299 Länderspiele, von 2007 bis 2008 war er sogar Kapitän des Nationalteams gewesen. Als Trainer hatte er bis dato zwar nur im Jugendbereich gearbeitet, doch das störte von den Spielern offenbar niemanden. „Erfahrung ist eben nicht das Einzige, was einen guten Coach ausmacht“, sagt Mackeben.
Gute Vorbereitung auf EM-Gegner Italien und Rumänien
Fast jeden Abend sitzt er nun nach dem Training vor dem Computer und studiert die Spielsysteme Italiens und Rumäniens – Deutschlands Gegner in der EM-Vorrunde im Januar. Trotz der zuletzt dürftigen Auftritte der Nationalmannschaft glaubt Sören Mackeben genau wie der neue Bundestrainer Patrick Weissinger weiter fest an eine deutsche Olympiaqualifikation, „sonst hätte ich mir diese zusätzliche Aufgabe wohl kaum ans Bein gebunden“. Denn eigentlich trainiert er seit dieser Saison die Wasserballer des SC Wedding. Dort zeigt Mackeben die Qualitäten, die ihn im Frühjahr fast zum Nationaltrainer gemacht hätten: taktische Intelligenz, Kritikfähigkeit und Kollegialität.
„Ich rede sehr viel mit meinen Spielern und fordere Feedback ein“, sagt er. Mackeben nennt es die „kumulierte Erfahrung“, die eine Mannschaft inklusive Betreuer noch stärker macht. „Es zeichnet ihn aus, dass er extrem schnell aus seinen Fehlern lernt, manchmal noch während eines Spiels“, meint Kapitän Sascha Knoop. Mackeben sei als Trainer nicht unnahbar, was in Wedding wohl ohnehin nicht funktionieren würde. Der Kiezklub wird familiär geführt, „da muss man sich einordnen“, sagt Knoop.
Nach fünf Spieltagen ungeschlagen Tabellenführer
Aktuell spielt der Verein in der B-Gruppe der Bundesliga, peilt aber den Aufstieg in die A-Gruppe an, in der die besseren Vereine um Rekordmeister Wasserfreunde Spandau versammelt sind. Nach den ersten fünf Spieltagen sind die Weddinger als ungeschlagener Tabellenerster auf dem besten Weg dorthin. Auch der OSC Potsdam konnte die Mannschaft am vergangenen Wochenende nicht stoppen.
„Freizeitprofis“, nennt Mackeben seine Spieler, von denen keiner vom Wasserball leben kann. „Wir haben keine Ausnahmekönner, so ehrlich müssen wir sein. Die spielen alle bei Spandau“, sagt er. Auch er selbst war für den Rekordmeister aktiv, wurde je fünf Mal Deutscher Meister und Pokalsieger. Von 2005 bis 2007 verbrachte er zudem zwei Saisons beim Spitzenklub ZF Eger in Ungarn, wo Wasserball Volkssport ist.
Trainingsmethoden, die hier sonst niemand kennt
Vieles von dem, was er dort gelernt hat, hilft ihm heute in seiner neuen Rolle am Beckenrand als Nachfolger des langjährigen Weddinger Trainers Stefan Tschiersky. „Sören hat einen sehr praktischen Ansatz. Er beherrscht Trainingsmethoden, die in Deutschland sonst niemand kennt“, erzählt Sascha Knoop. Allerdings musste er Mackeben auch schon bremsen, als dieser einmal noch kurz vor Spielbeginn die Taktik ändern wollte. „Das geht vielleicht mit Vollprofis, die zehn Mal in der Woche trainieren, aber nicht bei uns“, hat Sören Mackeben eingesehen.




