Berliner Kreisliga

Die beste Thekentruppe aller Zeiten

In Berlins unterster Liga hat das Team aus dem „Pinguin Club“ all seine Ligaspiele zu Null gewonnen. Am Sonntag endet die Serie wohl.

 Beim Bier entstand die Idee für die „Polar Pinguine“

Beim Bier entstand die Idee für die „Polar Pinguine“

Foto: augenklick/firo Sportphoto / BM

Berlin.  Das Spiel ist längst gelaufen, Polar Pinguin führt hoch gegen Kickers Hirschgarten II. „Dann ist mir kurz das Herz in die Hose gerutscht“, sagt Pinguin-Trainer Simon Falke. Einmal nicht aufgepasst, ein Spieler des Gegners läuft allein aufs Tor zu – und vergibt die große Chance. So bleibt es am vergangenen Spieltag beim 14:0. Zu Null, das ist wichtig. Die Serie geht weiter.

Polar Pinguin ist neu in der Kreisliga C, das ist die unterste Liga, sonst Tummelplatz der Gurkentruppen. Doch Polar Pinguin watschelt nicht nur mit, sondern fliegt – pinguin-untypisch – durch Berlins Fußball-Untergeschoss.

Sieben Spiele, sieben Siege, 59:0 Tore. Die Zahl vor dem Doppelpunkt ist stark, die dahinter macht die Sache absolut außergewöhnlich. Das 11:1 zum Auftakt nach 0:1-Rückstand taucht in keiner Statistik auf, weil Gegner SK Türkyurt II kurz danach zurückgezogen hat.

Beim DFB-Portal fussball.de liegen die Schöneberger in der Rubrik „Gegentorquote“ bei den Männermannschaften mit „0,00“ auf Rang zwei in Deutschland. „Die Serie hat uns angefixt“, sagt Kapitän Roland Jahnke. Noch besser sind nur die Alsterbrüder aus Hamburg, die schon 14 Partien zu Null gespielt haben.

Im Berliner Pokal schon drei höherklassige Teams bezwungen

Sonntag wird es wohl Gegentore geben, aber die gefährden nicht die Liga-Statistik. Um 16 Uhr geht es im Berliner Pokal auf dem Sportplatz Tempelhofer Weg, in der Pinguin-Welt „Polarena“ genannt, gegen Landesligist Sparta Lichtenberg um den Einzug ins Achtelfinale.

Laut Internetseite (www.polarpinguin.de) natürlich mit „Bier und Wurst am Platz“. Drei höherklassige Kontrahenten haben die Pinguine bereits ausgeschaltet, trotzdem bleiben sie krasser Außenseiter. „Sparta ist ein toller Gegner. Die werden uns alles abverlangen“, sagt Jahnke. Unausgesprochen klingt das Wort „endlich“ durch.

Bislang war Polar Pinguin in der höchsten Klasse der Freizeitliga angetreten, beendete die Saison als Vierter. Dortige Spitzenteams gehören bei einem Wechsel in die Kreisliga C meist zu den besten Mannschaften.

Das Ziel hieß also Aufstieg. „Dass wir viel gewinnen, überrascht mich nicht. Aber ich hatte mit Ergebnissen wie 3:1 gerechnet“, sagt Trainer Falke. Das Torverhältnis aus den vergangenen drei Spielen: 40:0. Gegner sehen die Pinguine mindestens auf dem Niveau der Kreisliga A.

Ein Falke führt die Pinguine

Falke hat mit dem FC Internationale in der Berlin-Liga gespielt, nun trainiert der 26 Jahre alte Sportstudent in der elften Liga Spieler, die er teilweise schon lange kennt, mit denen er wieder viel Spaß am Fußball hat.

Allerdings hat er nach den vielen klaren Siegen eine nachlassende Konzentration festgestellt. Bevor sich eine „Wer soll uns denn schlagen“-Haltung einbürgert, kommt ein vier Ligen höher spielender Gegner gerade recht. „Im Normalfall verlieren wir“, sagt Kapitän Jahnke, „aber hoffentlich nicht zu hoch.“ Der Gymnasiallehrer ist auch im Vorstand, hat Pokalspiel-Plakate entworfen und sich um Aufnahme in den Berliner Fußball-Verband (BFV) gekümmert.

Die namensstiftende Kneipe ist bis heute feste Anlaufstelle

Der Gründungsmythos der Pinguine ist legendär: 1990 treffen sich junge Männer mit Affinität zum Punkrock und eine Gruppe von Juristen regelmäßig zum gemeinsamen Bolzen. Stammkneipe für das Anschluss-Pils ist der „Pinguin Club“ in der Wartburgstraße.

Pinguin Club, Polar Pinguin – der Weg zum Namen ist nicht weit. Bis heute ist der Laden, in dem schon David Bowie und die Toten Hosen gesichtet wurden, erste Anlaufstelle nach dem Training. Was vor 25 Jahren als Bierlaunen-Idee begann, findet nun mit drei Teams seine Fortsetzung unter dem Dach des BFV.

Der Pokalgegner nimmt den Thekenklub ernst

Die Pinguin-Gründer spielen bei den Senioren oder haben aufgehört, einige Söhne sind in der ersten Mannschaft am Ball. Seit 2011 kickte das selbstredend in schwarz-weißen Trikots auflaufende Team in der Freizeit-Verbandsliga. Das Ziel Meisterschaft wurde mehrmals verfehlt, die Motivation sank. „Wir mussten raus aus der Liga“, sagt Jahnke. Nun spricht der Kapitän von einer „Endlos-Perspektive“. Heißt: Viele mögliche Aufstiege, andere Ligen, neue Gegner.

Einen gewissen Bekanntheitsgrad hat sich der Verein schon erarbeitet. Dragan Kostic, Trainer von Pokalgegner Sparta, dachte, ein Spieler wolle ihn veralbern, als es hieß: „Wir spielen gegen Polar Pinguin.“ Jetzt sagt Kostic über den letzten verbliebenen Vertreter aus der untersten Liga: „Alles ohne Gegentor gewinnen, das musst du auch in der Kreisliga C erst einmal schaffen. Und der Name ist für mich schon jetzt Kult.“