Vier Spiele, vier Niederlagen, die jüngste am Wochenende mit 25:28 in Dortmund. Nach der starken Premierensaison in der Handball-Bundesliga der Frauen mit Platz acht sind die Spreefüxxe in ihrem zweiten Jahr im Oberhaus unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden und auf den letzten Tabellenplatz abgestürzt. Hinzu kam das Aus in der zweiten Runde des DHB-Pokals gegen Titelverteidiger Buxtehude. Trotzdem ist die sportliche Situation nur das kleinste von mehreren Problemen, mit denen sich der Klub derzeit herumschlägt.
Managerin Britta Lorenz hatte den schwachen Saisonstart fast schon kommen sehen, weil die Spreefüxxe ein schweres Auftaktprogramm haben und etliche Stammspielerinnen zurzeit angeschlagen sind. Christine Beier hat Bronchitis, auch Spielmacherin Alexandra Sviridenko (Brustkorb) und Frida Teg-stedt (Knie) können nur mit Schmerzen trainieren, Bianca Trumpf wird frühestens in ein paar Wochen zurückerwartet. „Ich kann den Mädels gar keinen Vorwurf machen. Wir haben mit dem letzten Aufgebot gespielt und dennoch eine prima Leistung abgeliefert“, sagte Spreefüxxe-Coach Lars Melzer nach der 28:33-Pokalniederlage gegen Buxtehude. Auch gegen Dortmund hielten die Berlinerinnen lange gut mit, ehe sich der Kräfteverschleiß bemerkbar machte.
Flüchtlinge wohnen jetzt im Trainingszentrum
Britta Lorenz würde deshalb gern noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. „Es ist kein Geheimnis, dass ich gern noch eine Rückraumspielerin verpflichten würde“, sagt sie, damit sich Alexandra Sviridenko auch mal eine Pause gönnen kann. Allein: Es fehlt das Geld dazu. Der Etat der Berlinerinnen beträgt in dieser Saison nach Angaben des Vereins rund 250.000 Euro – einige Bundesliga-Konkurrenten wie Bietigheim haben zehn Mal so viel Geld zur Verfügung. „Wir sind deshalb in dieser Saison in fast jedem Spiel der Außenseiter“, sagt Lars Melzer.
An der knappen Kassenlage wird sich so schnell wohl nichts ändern. Mittelfristig gibt es deshalb die Idee, dass sich die Spreefüxxe ihre Talente in Berlin selbst entwickeln, anstatt auf teure Einkäufe von außerhalb angewiesen zu sein. Eine Strategie, die bei den Füchse-Männern bereits gut funktioniert hat – man denke nur an Paul Drux, Colja Löffler oder Fabian Wiede, die aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung ins Bundesligateam geschafft haben. Aktuell liegt das Projekt allerdings auf Eis. „Momentan kann ich das nicht mit gutem Gewissen vorantreiben“, sagt Britta Lorenz. Denn seit im Horst-Korber-Sportzentrum Flüchtlinge untergebracht sind, fehlen vor allem beim Nachwuchs Trainingszeiten. „Bevor wir uns dieser Sache widmen, sollten wir sicher sein, dass es überhaupt Hallenkapazitäten gibt“, sagt Lorenz. Sie hält das Vorhaben aber nach wie vor für alternativlos. „Das ist das große Thema im Berliner Frauenhandball“, sagt sie. Sobald sich die Hallenfrage wieder etwas entspannt hat, will sie eine Partnerschule suchen und auch den Berliner Verband ins Boot holen.
Auch die erste Mannschaft der Füchse-Frauen trainierte bislang im Horst-Korber-Sportzentrum. Über den Einzug der Flüchtlinge war der Verein vorab nicht informiert worden, so dass quasi über Nacht die Hälfte der Trainingszeiten wegfiel. Mittlerweile konnten zwar Ausweichquartiere organisiert werden, doch nun müssen die Spreefüxxe spätabends trainieren, so dass die Regeneration bis zum Frühtraining am nächsten Morgen häufig zu kurz kommt. Noch einen Ausfall kann sich der Klub allerdings nicht mehr erlauben, das weiß auch Britta Lorenz. Die Managerin will jedoch von Panik noch nichts wissen: „Wir bleiben jetzt ganz ruhig. Die Mannschaft hat unser Vertrauen“, sagt sie. Der erste Saisonsieg sei nur noch eine Frage der Zeit.


