Maccabiade

Spiele für die deutsch-jüdische Versöhnung in Berlin

So bereitet die Hauptstadt die European Maccabi Games 2015 mit 2000 jüdischen Sportlern aus 30 Ländern vor. Die Wettkämpfe mit mehr als 20 Sportarten finden an einem geschichtsträchtigen Ort statt.

Foto: Jan Schapria

Es ist so eng, als wäre das hier ein kleines, innovatives Start-Up. Nur dass an den Schreibtischen und Laptops in den zwei Räumen nichts kleines, nichts technisches entsteht, sondern ein Sportevent von globaler Bedeutung. In der Nähe des Gleisdreieckparks hat das Vorbereitungsteam der European Maccabi Games 2015 sein Hauptquartier.

Am 27. Juli starten die Wettkämpfe in über 20 Sportarten, mehr als 2000 jüdischen Sportlern aus 30 Ländern kommen dann nach Berlin. Es ist aber nicht nur ein sportliches, sondern auch ein politisches Ereignis.

70 Jahre nach dem Ende des Holocausts kommen die traditionsreichen Wettkämpfe erstmals in die Hauptstadt. Und ein Großteil der Wettbewerbe findet rund ums Olympiastadion statt, also dem Areal, das die Nazis für die Spiele 1936 herrichteten und zur Propaganda nutzten.

Für Oren Osterer, den Chef des Organisationskomitees, ist die Maccabiade an diesem Ort ein „Zeichen für die gelebte deutsch-jüdische Versöhnung.“ Wir legen die schreckliche Geschichte des Holocausts nicht ad acta, sagt der 34-Jährige, aber heute sei Berlin weitestgehend ein sicherer Ort für Juden.

Aufmerksamkeit aus aller Welt

Der symbolischen Bedeutung ist sich Osterer also bewusst, und er rechnet mit Aufmerksamkeit aus aller Welt. Bis es aber soweit ist, bleibt einiges zu tun. Derzeit arbeiten neun Personen an der Organisation, vor Beginn der Maccabi Games werden sich dann 15 Menschen in den zwei kleinen Räumen tummeln.

Den Ablauf von 110 Turnieren gilt es zu managen, darunter Fußball, Dressurreiten, Hockey oder Triathlon, aber auch Abseitiges wie Bridge, Bowling und Fustal. Eine Mammutaufgabe, bei der Osterer auch auf die Unterstützung des Landessportbundes zählen kann, der bei der Planung hilft oder Schiedsrichter zur Verfügung stellt. Ideelle und finanzielle Hilfe kommt auch vom Deutschen Olympischen Sportbund und dem Deutschen Fußballbund.

Schwierig war es hingegen, Großsponsoren aus der Wirtschaft aufzutreiben. Von den 30 deutschen Dax-Unternehmen kamen Absagen, manchmal hieß es, das Budget sei schon verplant oder generell würden Veranstaltungen wie die Maccabi Games nicht gefördert. „Enttäuschend“ findet das Osterer, obwohl auch Berlins Topvereine stets Probleme bei der Sponsorenakquise haben.

Er nimmt an, dass die Unternehmen um ihr Image und die Verkaufszahlen auf dem internationalen Markt fürchten. Eine jüdische Veranstaltung zu unterstützen, könnte in mit Israel verfeindeten Staaten für das Geschäft abträglich sein. Berliner Unternehmen sind bereitwilliger zu helfen, etwa die Wall AG oder das Estrel Hotel.

Das Hotel Estrel als Athletendorf

„Das Estrel wird das Maccabi Dorf“, sagt Osterer, im riesigen Hotel an der Sonnenallee werden die Sportler untergebracht, die Anreise bezahlen sie meist selbst. Dazu wird es für die religiösen Teilnehmer, die die jüdischen Speisegesetze befolgen, auch koscheres Catering geben.

Zu Osterers Ideen gehört auch, einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde zu bewerkstelligen: Der größte Kiddusch aller Zeiten. Sollten beim freitäglichen Segensspruch zum Beginn des Schabbat mehr als 2226 Personen anwesend sein, wäre der in Jerusalem aufgestellte Rekord getoppt.

Es wäre einer der Höhepunkte der Maccabiade, aber auch sonst hat das Programm einiges zu bieten: Freundschaftsspiele von Maccabi-Teams gegen eine DFB-All-Stars-Mannschaft im Fußball etwa, oder im Basketball gegen Alba. Ein Höhepunkt soll bereits die Eröffnungsfeier in der Waldbühne mit erhofften 15.000 Gästen werden. Wer sich nicht für das Grußwort von Bundespräsidenten interessiert, den lockt vielleicht das Konzert von Adel Tawil und Matisyahu.

Keine Sorge um die Sicherheit

Gerade weil es im vorigen Sommer zu antisemitischen Vorfällen bei Demonstrationen gegen Israels Offensive im Gaza-Streifen kam, und auch wegen der jüngsten Anschläge auf jüdische Personen in Paris und Kopenhagen, sagt Osterer, sei ein solches Konzert wichtig.

Es sei ein Zeichen für das friedliche Zusammenleben zwischen Muslimen und Juden, wenn ein deutsch-muslimischer Künstler mit ägyptischen Wurzeln wie Tawil gemeinsam mit Matisyahu, dem derzeit wohl bekanntesten jüdischen Pop-Musiker, gemeinsam auf der Bühne stehen. Dabei macht sich Osterer keine Sorgen um die Sicherheit. Die Kooperation mit den Sicherheitskräften sei eng, man arbeite in mit „ausgewiesenen Experten“ zusammen.

Aber wozu eigentlich eine Sportveranstaltung, die jüdisch ist? Diese Frage würde ihm oft gestellt, sagt Osterer und verweist auf die lange Geschichte der Maccabi-Sportvereine, von denen der erste bereits 1885 in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul, gegründet wurde.

In vielen europäischen Ländern waren diese Vereine eine Reaktion auf den grassierenden Antisemitismus, der zum Ausschluss von Juden aus Turnvereinen führte. Gerade gegen das bösartige Stereotyp von einer angeblichen „physischen Minderwertigkeit von Juden“, sagt Osterer, seien diese Sportvereine und Ereignisse wie die Maccabi Games ein wichtiges Signal gewesen.

Dabei sind Zuschauer, ob jüdisch oder nicht, mehr als willkommen. Bis auf die Eröffnungs- und die Abschlussveranstaltung, für die man noch über die Website der European Maccabi Games ab 15 Euro Tickets kaufen kann, sind alle Sportwettkämpfe eintrittsfrei. Alle Infos zur Maccabiade gibt es unter www.emg2015.de