Sicherheit im Stadion

Polizei hofft auf deutschen Klub im Champions-League-Finale

Das Finale der Königsklasse wird am 6. Juni im Berliner Olympiastadion ausgetragen. Zwei ausländische Vereine in der Endspiel-Paarung sehen die Behörden als „worst case“.

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Die Berliner Polizei hofft aus Sicherheitsgründen auf eine deutsche Mannschaft im Champions-League-Endspiel am 6. Juni in Berlin. Zwei ausländische Vereine in der Endspiel-Paarung sei aus Sicht der Sicherheitsexperten der „worst case“ (schlimmster Fall), sagte Hans-Ulrich Hauck, Leiter der zuständigen Polizeidirektion 2 in Spandau und Charlottenburg, am Montag.

Dann würden in kurzer Zeit 170 bis 200 Charterflugzeuge mit insgesamt 18.000 Fans beider Vereine auf dem Flughafen Schönefeld landen. Mit 400 Bussen müssten sie getrennt nach Vereinen ins Olympiastadion gebracht werden. Laut Hauck gehen insgesamt 36.000 Eintrittskarten an die beiden Vereine und deren Fans.

Die Polizei werde wohl nicht so viele Leute im Einsatz haben wie 2012 beim Endspiel in München, sagte Hauck im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses, wo es um Sicherheit im Sport ging. Damals waren es ihm zufolge knapp 2100. In diesem Jahr gebe es in Deutschland zeitgleich zu viele andere wichtige Veranstaltungen mit Polizeibegleitung, etwa den G7-Gipfel in Bayern.

Berliner Fußballfans kritisieren Polizeipräsenz

Vertreter von Fußballfans warfen der Polizei Drangsalierung und übertriebene Präsenz vor. Der Fan-Anwalt René Lau kritisierte die seit vielen Jahren existierende Sportgewalt-Datei der Polizei. Dort würden auch Zeugen und unbeteiligte Menschen erfasst, ohne davon zu wissen. Lau sprach von „Sammelwut“ und kritisierte besonders, dass die Polizei die Datei nicht der aktuellen Entwicklung anpasse. Fußballfans, die durch Gerichte von Vorwürfen freigesprochen würden, blieben trotzdem erfasst. Daher steige die Zahl der angeblich gewalttätigen Fußball-Hooligans in Berlin immer weiter.

Zuletzt hatte die Polizei 1612 Anhänger der Hooligan-Szene in ihrer Datei registriert. Ende Juli 2014 lag deren Zahl in Berlin noch bei 1554, drei Jahre zuvor waren es 1267. Besonders im Umfeld von Hertha BSC sammelten sich immer mehr gewalttätige Fans. Das ging am Wochenende aus einer Antwort von Innenstaatssekretär Bernd Krömer (CDU) auf eine Anfrage der Piraten hervor.

Polizeieinsätze kosteten 4,7 Millionen Euro

Krömer widersprach dem Fan-Anwalt. Die Aufnahme in die Datei habe für die einzelnen Fans keine Konsequenz. Zudem hätten nur 20 Polizisten darauf Zugriff. Die Daten würden auch nicht einfach fortgeschrieben. „Davon kann gar keine Rede sein.“ Es gebe Fristen zum Löschen von Daten und „ganz enge Voraussetzungen unter denen man in die Datei kommt“. Krömer verwies auf die weiter präsente Gewalt unter Fußballfans und die Kosten von 4,7 Millionen Euro, die für Polizeieinsätze in der Saison 2013/2014 nur für die oberen Spielklassen entstanden seien.

Die Piraten warfen der Polizei vor, sogar während der aktuellen Anhörung im Ausschuss habe ein Zivilpolizist vom Landeskriminalamt im Zuschauerraum Fußballfans unter den Besuchern fotografiert. Polizeipräsident Klaus Kandt wies die Beschuldigung zurück. Es gebe keinen dienstlichen Anlass, Fotos zu machen, betonte er. Der Zivilpolizist sagte: „Ich habe keine Fotos gemacht. Ich weiß auch nicht, warum ich Personen fotografieren sollte, die ich jedes zweite Wochenende wiedersehe.“