Hooligan-Gewalt

Berliner Fußballfans kritisieren Polizeieinsätze bei Spielen

„Martialisches Auftreten“ und „Sammelwut“: Vertreter von Fußballfans halten das Verhalten der Polizei bei Fußballspielen für übertrieben. Kritisiert wird vor allem die „Datei Sportgewalt Berlin“.

Vertreter von Berliner Fußballfans haben der Polizei Drangsalierung und übertriebene Präsenz vorgeworfen. Der Fan-Anwalt René Lau kritisierte am Montag im Innenausschuss die seit zahlreichen Jahren existierende „Datei Sportgewalt Berlin“ der Polizei. Dort würden auch Zeugen und unbeteiligte Menschen erfasst, ohne davon zu wissen. Die Polizei lege dabei eine „Sammelwut“ an den Tag.

Ein Vertreter eines Unterstützungsvereins von Hertha BSC Berlin monierte, die Polizei sorge bei Spielen durch ihr martialisches Auftreten für das „erschreckendste Bild“.

Rechtsanwalt Lau kritisierte besonders, dass die Polizei ihre Sportgewalt-Datei nicht der aktuellen Entwicklung anpasse.

Fußballfans, die durch Gerichte von Vorwürfen freigesprochen würden, blieben trotzdem in der Auflistung erfasst. Daher steige die Zahl der angeblich gewalttätigen Fußball-Hooligans in Berlin immer weiter.

Polizei registriert 1612 Hooligans in Berlin

Die Polizei hatte zuletzt 1612 Anhänger der Hooligan-Szene in ihrer Datei registriert. Ende Juli 2014 lag die Zahl der Hooligans in Berlin noch bei 1554, drei Jahre zuvor waren es 1267. Das ging am Wochenende aus einer Antwort von Innenstaatssekretär Bernd Krömer auf eine Anfrage des Piraten-Abgeordneten Christopher Lauer hervor.

Besonders im Umfeld von Hertha BSC sammelten sich immer mehr gewalttätige Fans. Registrierte die Polizei zum Ende der Saison 2008/09 noch 160 gewaltbereite Fans, waren es zuletzt 465. Hertha liegt mit insgesamt 535 gewalttätigen Fans inzwischen vor den beiden Fußballclubs 1. FC Union (473) und BFC Dynamo (506). Berlin gilt als eine der Hochburgen von Fußball-Hooligans.