Leichtathletik

Wie Lucas Jakubczyk beim Hallen-Istaf gewinnen will

Der Berliner Lucas Jakubczyk gehört seit Jahren zur Spitze der deutschen Sprinter. Nur einen Meistertitel gewann er noch nie. Das soll eine Sprintkraftmaschine ändern, mit der er neuerdings arbeitet.

Foto: imago / Camera 4

An das Istaf Indoor hat Lucas Jakubczyk nur gute Erinnerungen. Als Zweiter über 60 Meter hatte der Sprinter vom SCC Berlin im vergangenen Jahr in der O2 World eine persönliche Bestleistung aufgestellt, 6,56 Sekunden. Die Frage, ob er in diesem Jahr erneut dabei sein würde, stellte sich nicht. „Wo man sich wohlfühlt und gute Leistung erbracht hat, dahin kehrt man gerne zurück“, sagt er. Das Hallensportfest an diesem Sonnabend (18 Uhr) ist für Jakubczyk ein ganz besonderer Wettkampf, nicht nur wegen des Heimvorteils. „Die Stimmung ist fantastisch, da gibt es wenig Vergleichbares auf der Welt. Wenn überhaupt.“

EM-Ticket schon gebucht

Viel Zeit, die Atmosphäre in der Arena am Ostbahnhof zu genießen, hat Lucas Jakubczyk jedoch nicht. Nach nicht einmal sieben Sekunden ist der 29-Jährige schon wieder im Ziel. 6,64 Sekunden ist er in diesem Winter gelaufen und hat damit die Qualifikationsnorm für die Hallen-Europameisterschaften Anfang März in Prag (Tschechien) bereits erfüllt. Das Minimalziel ist geschafft – mehr aber auch nicht. „Es war in der laufenden Hallensaison bislang noch kein Rennen dabei, mit dem ich hundertprozentig zufrieden war“, sagt der Berliner. Beunruhigt ist er deshalb nicht: Sein Saisonaufbau ist ganz auf das Istaf Indoor, die Deutschen Hallenmeisterschaften am kommenden Wochenende in Karlsruhe und auf die Hallen-EM ausgerichtet. Die bisherigen Wettkämpfe waren bloß Vorgeplänkel.

Probleme bereiten ihm derzeit noch der Start und die Beschleunigungsphase. „Der Übergang ins freie Laufen klappt noch nicht so gut wie letztes Jahr“, berichtet Jakubczyk. Im vergangenen Jahr hatte der ehemalige Weitspringer, der erst seit 2011 ganz auf den Sprint setzt, dort noch große Fortschritte gemacht, auch weil er im Training konsequent an seinen Schwächen arbeitete. In diesem Jahr aber haben sein Trainer Rainer Pottel und er andere Schwerpunkte gesetzt. Der Fokus liegt diesmal auf der Sprintausdauer. Lucas Jakubczyk will künftig nämlich verstärkt die 200 Meter laufen, nachdem er sich in der Vergangenheit fast ausschließlich auf die kurze Sprintdistanz konzentriert hat. „Ich möchte mein Repertoire erweitern“, sagt er.

Zukünftig startet er auch über die 200 Meter

Die Zweitstrecke soll ihm zum einen zu einer noch besseren 100-Meter-Zeit verhelfen, weil sie das Stehvermögen fördert; zum anderen bietet sie eine weitere Startgelegenheit bei internationalen Meisterschaften. Über die halbe Stadionrunde stehen die Chancen dabei womöglich sogar besser als über 100 Meter: Der letzte deutsche Sprinter, der es bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften ins Finale schaffte, war 2004 und 2005 Tobias Unger – jeweils über 200 Meter.

Im vergangenen Jahr, dem erfolgreichsten seiner Karriere, hat es Lucas Jakubczyk zumindest schon einmal in den EM-Endlauf geschafft. Bei den Europameisterschaften in Zürich (Schweiz) belegte er als bester Deutscher Platz fünf, hinzu kam Silber mit der Staffel. Seine 100-Meter-Bestleistung konnte er im Mai 2014 auf 10,07 Sekunden verbessern, womit er nur eine Hundertstelsekunde über dem deutschen Rekord blieb. Den knackte dafür wenige Monate später der Wattenscheider Julian Reus (10,05), der am Sonnabend ebenfalls beim Istaf Indoor an den Start geht. Reus zählt neben Vereinskollege Christian Blum und Ex-Weltmeister Kim Collins (St. Kitts & Nevis) zu den Favoriten.

Nur eine Trainingsmethode unter vielen?

Jakubczyk weiß, dass seine Leistungen aus dem Vorjahr kaum zu toppen sind, doch er will es versuchen. Erste Bewährungsprobe sind die Deutschen Hallenmeisterschaften nächste Woche. Ein nationaler Meistertitel blieb ihm bislang verwehrt, zuletzt wurde er dreimal in Folge Zweiter. „Bloß nicht wieder Platz zwei“, lautet denn auch sein Ziel für Karlsruhe.

Im Kampf um Gold setzt der SCC-Sprinter auf ein ganz besonderes Trainingsgerät: eine Sprintkraftmaschine, von der es in Deutschland nur zwei Exemplare gibt – eine in Dortmund und eine im Sportforum Hohenschönhausen. Gleichzeitig wird bei diesem Gerät an einem Bein der Hüftbeuger und am anderen der Hüftstrecker trainiert. Dieses Zusammenspiel ist auch im Sprint gefragt. Einige andere Stützpunkte in Deutschland interessieren sich deshalb brennend für die Maschine und wollen sie nachbauen. Ein Wunderapparat sei sie allerdings nicht, wiegelt Lucas Jakubczyk ab. „Sie ist nur eine Trainingsmethode unter vielen“, sagt er. Aber eben eine, die ihn zum schnellsten Mann in Deutschland machen könnte.