Leichtathletik

Olympia schlägt Istaf - Senat kürzt Stadionfest das Geld

Noch vor zwei Wochen hat Wowereit das Internationale Stadionfest noch gelobt - als leuchtendes Beispiel für die Sportmetropole Berlin. Doch der Senat kürzt nun das Geld, das er für die Spiele braucht.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Vor zwei Wochen schien die Welt beim Internationalen Stadionfest Istaf noch heil und schön zu sein: Mehr als 40.000 Fans feierten im Olympiastadion den Berliner Publikumsliebling Robert Harting. Dazu einen Weltrekord der Hammerwerferin Anita Wlodarczyk aus Polen, den 16. insgesamt in der traditionsreichen Geschichte des internationalen Stadionfestes der Leichtathleten, das in diesem Jahr seine 73. Auflage erlebte. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit lobte und freute sich über eine wieder einmal gelungene Veranstaltung. Und, natürlich, die Botschaft durfte nicht fehlen angesichts der Olympia-Träume Berlins: Das Istaf ist ja eines der leuchtenden Beispiele dafür, dass die deutsche Hauptstadt eine Sportmetropole ist und Olympische Spiele kann.

Weniger Zuschuss abgesprochen

Doch hinter den Kulissen gibt es Streit. Und einen Briefwechsel, der an Deutlichkeit wenig zu wünschen übrig lässt. Darin beklagt sich die Agentur Top Sportevents GmbH, die das Istaf im Auftrag des veranstaltenden Berliner Leichtathletik-Verbandes (BLV) organisiert, über die extrem gesunkene finanzielle Unterstützung aus Berliner Landesmitteln. In einem Schreiben vom 26. August, das der Berliner Morgenpost vorliegt, geht es unter anderem darum, ob den Organisatoren nun 120.000 oder 150.000 Euro netto als Zuwendungen versprochen worden sind. Übernehmen will die zuständige Senatsverwaltung für Inneres und Sport nur den kleineren Betrag. Top Sportevents stellt dazu verärgert fest, dass damit die Unterstützung durch den Senat auf rund sieben Prozent des Gesamtetats gesunken sei. 2012 hatte er noch 450.000 Euro betragen – das waren mehr als 25 Prozent der Gesamtkosten des 71. Istaf in Höhe von 1,6 Millionen Euro.

Der zuständige Staatssekretär Andreas Statzkowski verweist darauf, dass diese Verringerung abgesprochen gewesen sei. „Schon mein Vorgänger Thomas Härtel hat dem Berliner Leichtathletik-Verband mitgeteilt, dass der Zuschuss zurückgefahren werden muss“, sagt der CDU-Politiker, seit Dezember 2011 im Amt. Er habe „große Zuversicht“, dass der BLV „auch zukünftig in der Lage ist, ein Istaf zu organisieren“. Der Fachverband ist der Veranstalter und als eingetragener Verein förderungswürdig. Das Istaf allein zu organisieren, dazu wäre er jedoch kaum imstande und hat deshalb die Agentur damit beauftragt. BLV-Präsident Gerhard Janetzky bestätigt, dass „wir als Verband keine Probleme mit dem Senat haben“. Allerdings, auch darauf verweist der langjährige Meeting-Direktor beim Istaf: „Das finanzielle Risiko trägt allein Top Sportevents.“

Deren Geschäftsführer Martin Seeber, zugleich in dieser Position bei der Muttergesellschaft Top Sportmarketing und beim Istaf tätig, sagt: „Wir würden uns mehr Unterstützung wünschen. Man könnte aus dem Event dann noch mehr machen.“ Wenn er zum Beispiel einen Lauf-Star wie den Briten Mo Farah, Doppel-Olympiasieger über die Langstrecken, verpflichten wolle, „der kommt nicht unter 50.000 Dollar“. Mit dieser Summe, sagt Martin Seeber, finanziere er derzeit zwei komplette Disziplinen beim Istaf. Über noch größere Namen wie etwa den Sprint-Star Usain Bolt müsse man gar nicht erst nachdenken.

Die Krux für Martin Seeber ist: Das Istaf schreibt aktuell keine roten Zahlen. Es gibt einen TV-Vertrag und einen zuverlässigen Sponsorenstamm. Wie bei anderen sportlichen Großveranstaltungen in Berlin (Marathon, Sechstagerennen) ist der Senat bestrebt, Geld zu sparen und den Organisatoren nur im Notfall auszuhelfen. Stattgefunden hat das Istaf trotz auch in der Vergangenheit immer wieder auftretender finanzieller Probleme jedes Mal. „Aber das ist nicht unser Anspruch“, sagt Seeber. „Mit mehr Geld könnten wir mehr gute Athleten verpflichten. Das wiederum zieht mehr Zuschauer. Wir wären wettbewerbsfähiger.“

Und eine bessere Werbung für die Sportstadt Berlin. Die sich andererseits solche Werbung gern etwas kosten lässt. Das Beachvolleyball-Grand-Slam-Turnier zum Beispiel wurde 2013 mit 370.000 Euro unterstützt, 2012 gar mit über 400.000 Euro. Die German Open im Tischtennis erhielten 200.000 Euro Zuwendung. Die Liste ließe sich beliebig verlängern.

Die Konkurrenz freut sich

Unterstützung bekommt der Istaf-Geschäftsführer von Gabriele Hiller, die Sprecherin der Linkspartei für Sport und Medien ist. Sie stellt den Streit in einen größeren Zusammenhang. „Einerseits betreibt der Senat seine großartige Olympia-Bewerbung“, sagt sie, „aber dafür vernachlässigt er die kleineren Dinge des Alltags.“ Angesichts der 50 Millionen Euro, die allein die Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 kosten würde, gehe es hier doch nur „um Peanuts. Seeber fordert das, was er bis 2012 bekommen hat. Das ist legitim“. Das Istaf betreibe schließlich jedes Jahr gute Werbung für Berlin. „Es muss gelingen, so etwas in der Stadt zu halten“, ergänzt Hiller. Da klingt auch ein bisschen die Sorge durch, dass die nächste Austragung am 6. September 2015 wackeln könnte. Berlins Olympia-Konkurrent Hamburg würde sich die Hände reiben.