Leichtathletik

Istaf kämpft gegen verstaubtes Image der Leichtathletik

Mehr Show, mehr Action für die Zuschauer: Das Berliner Istaf will neue Wege beschreiten, um die Sportart wieder attraktiver zu machen. Athleten wie Olympiasieger Robert Harting finden das gut.

Foto: Jean-Christophe Bott / dpa

Ein paar ganz wilde Sachen haben es dann doch nicht in das neue Konzept von „Istaf 3.0“ geschafft. Die Weitspringer werden am Sonntag im Olympiastadion (Beginn des Hauptprogramms 15.10 Uhr) also nicht durch einen Feuerreif in die Grube springen, und diese wird auch nicht mit blauem Sand gefüllt sein. Aber „rund 80 Prozent, eher sogar 90 Prozent der Ideen“, sagt Meeting-Direktor Martin Seeber, „haben wir umgesetzt“. Nach dem Erfolg des Hallen-Istaf Anfang März in der O2 World will sich auch das 73. Internationale Stadionfest der Leichtathleten moderner präsentieren, sich absetzen vom staubigen Image, das der Sportart häufig vorgeworfen wird: mit mehr Showeinlagen und viel Musik.

Hauptprogramm dauert nur noch 2:40 Stunden

Das Istaf soll außerdem komprimierter sein, „knackiger“, wie es Seeber nennt. Das Hauptprogramm umfasst 16 Disziplinen und soll nach 2:40 Stunden vorbei sein. Es hat schon einmal fast vier Stunden gedauert, aber das führte nicht selten dazu, dass ein Teil des Publikums weit vor dem Ende der Veranstaltung das Stadion verließ.

Diskuswerfer Robert Harting, in Personalunion einer von neun Olympiasiegern, 15 Welt- und 15 Europameistern am Start, findet die Veränderungen gut: „Ich begrüße das aus dem Innersten meines Körpers“, sagt der Berliner, „der Ablauf ist oft so langweilig, die Organisatoren müssen anders rangehen.“ Er wird wie alle Teilnehmer der technischen Disziplinen erstmals durch einen Tunnel ins Innenfeld einlaufen, begleitet von viel Feuer, Nebel und lauter Musik.

Mit Klatschpappen und drei Moderatoren zum Anheizen

Auch durch andere Aktionen sollen die Zuschauer mehr mitgenommen werden. Mit Klatschpappen sollen sie in den längeren Laufdisziplinen die Starter auf der letzten Runde anfeuern, Stichwort „Istaf-Runde“. Drei Moderatoren werden permanent Stimmung erzeugen, „ohne dass daraus Halligalli wird“ (Seeber). Die Leichtathletik übt noch solche neuen Formate.

Bis Freitag waren erst 43.500 Tickets verkauft; die angepeilte Zahl von über 50.000 wie in den vergangenen Jahren zu erreichen, wird kaum möglich sein. Die Istaf-Macher schieben das auf die traditionell schwächeren Zahlen in Jahren von Fußball-Weltmeisterschaften, in denen während der WM kaum Karten abgesetzt werden. Und darauf, dass die Leichtathletik-EM in Zürich wenig Rückenwind gegeben habe. „Nach London war das anders“, verweist Seeber auf die Olympischen Spiele 2012. Aber er erkennt das Signal, „dass die Konzepte weiterentwickelt werden müssen“.

Alle deutschen Europameister sind am Sonntag dabei

Ohne dass darunter die Starterfelder leiden. Mit Harting, Christina Schwanitz, David Storl (beide Kugel) und Antje Möldner-Schmidt (3000 Meter Hindernis) sind alle deutschen Europameister von Zürich dabei, bis auf die Speerwerferin Linda Stahl und Sprinter Julian Reus auch alle weiteren Medaillengewinner. Zu den internationalen Stars zählen Hürden-Olympiasieger Aries Merritt (USA) und Diskuswerfer Virgilijus Alekna, 42, aus Litauen, der sogar zweimal Olympia-Gold holte und in Berlin den letzten Wettkampf seiner Karriere bestreitet. Ein weiteres Highlight soll der Weitsprung werden, in dem Paralympicssieger Markus Rehm sich mit den Nichtbehinderten misst.