Die älteste und somit traditionsreichste Sportveranstaltung der Stadt, das Berliner Sechstagerennen, kämpft mit Problemen. Und weil diese nicht von selbst geringer werden, wählte Sechstage-Geschäftsführer Reiner Schnorfeil deutliche Worte, um den Ist-Zustand zu beschreiben. Acht Tage vor Beginn der 104. Auflage ab dem 22. Januar im Velodrom, zu der Berlins neuer Regierender Bürgermeister Michael Müller den Startschuss geben wird, richtete der 57-Jährige einen Hilferuf an den Senat und den Hallenvermieter. „Wir haben zunehmend Einbußen im Bereich der Tickets und des Hallenumsatzes und auf der anderen Seite massive feste Kosten. Deswegen sage ich lieber rechtzeitig, dass dieses Rennen unterstützt werden muss. Sonst fahren wir gegen die Wand.“

Es geht Schnorfeil nicht um eine Geldspritze für 2015, im Gegenteil, die Arbeiten für 2016 (20. Geburtstag im Velodrom) haben bereits begonnen. Es geht um eine zügige Neubewertung der einen oder anderen – bislang festen – Kostengröße. Dabei stehen definitiv nicht die Beträge im Bereich zwischen 200.000 und 250.000 Euro für die Aktiven (32 Profis, 32 Elitefahrer und 270 Nachwuchsleute) im Vordergrund. „Alle Beteiligten müssen miteinander reden. Und zwar konkret. Ausschließlich nette Gespräche bringen uns nicht zum Ziel“, so Schnorfeil. Der Vertrag mit Hallenbetreiber Velomax läuft bis 2017, eine Option bis 2022 kann gezogen werden.

Levy ist die Nummer eins

Sportlich trägt das Fahrerduo Leif Lampater/Marcel Kalz (Waiblingen/Berlin) die Favoritenbürde. Kalz kommt als frisch gekürter Sieger der Bremer Sixdays in seine Heimatstadt. Weltmeister David Muntaner (Spanien) mit Kenny de Ketele (Belgien) und die Österreicher Andreas Müller/Andreas Graf sind die Top-Konkurrenten. Vor allem der in Berlin geborene Müller möchte seinem ersten Sechstagesieg 2014 einen weiteren folgen lassen. Bei den Sprintern dürfte nach der Absage von Robert Förstemann (Bandscheibenvorfall) der mehrfache Weltmeister Maximilian Levy die Nummer eins sein, bei den Stehern gilt es, Europameister Mario Birrer aus der Schweiz zu schlagen.

Ex-Profi Jens Voigt, in Zukunft Berater seines Trek-Teams, erläuterte am Mittwoch, warum er bei den Sixdays nicht an den Start gehen kann. „Erstens bin ich gar nicht in Berlin, ab morgen bin ich bei meinem Team in Mallorca. Außerdem hätte ich nach meinem Stunden-Weltrekord am 18. September nicht mehr weiter trainieren und fahren können. Ich war platt und ausgebrannt. Ich konnte nicht mehr. Aber ohne Training würde ich vermutlich Letzter werden mit 20 Runden Rückstand“, sagte der Publikumsliebling.

brz