Mirko Culic freut sich immer auf die Spiele Berlin. Mit den Netzhoppers KW-Bestensee trifft er am Sonnabend (18.30 Uhr) auf Volleyball-Meister BR Volleys, die Schmeling-Halle wird vermutlich gut gefüllt sein, und sportlich betrachtet, scheint der Außenseiter in diesem Derby nicht mal chancenlos zu sein.
Früher war der Serbe selbst Spieler und später Trainer des Vereins, mit dem er zweimal Deutscher Meister wurde. Er liebt die Stadt, schätzt die Arbeit der BR Volleys, weiß aber auch: Der Favorit hat noch nicht seine Bestform gefunden, wie sich erst am Donnerstag beim 2:3 in der Champions League in Budva wieder zeigte.
Die Netzhoppers haben in dieser Saison von fünf Spielen immerhin drei gewonnen und scheinen sich keine Abstiegssorgen machen zu müssen. Wenigstens das nicht. Culic sagt: „Wir sind am Leben, das ist das Positive.“
So spricht jemand, der das Schlimmste hinter sich hat, aber irgendwo fühlt, dass noch nicht alles ausgestanden ist. In der siebten Saison trainiert Culic die Brandenburger; nach der fünften sah es aus, als hätte sich Volleyball in Königs Wusterhausen erledigt. Schon immer hatte der Verein mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Aber diesmal bekam er von der Deutschen Volleyball-Liga (DVL) im Sommer 2013 keine Bundesligalizenz.
Hier ein Tänzchen, da eine Karikatur
„Die notwenigen Nachweise zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit wurden nicht erbracht“, begründete DVL-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung die Entscheidung. Von mehreren hunderttausend Euro Schulden beim Finanzamt, den Sozialkassen und der Berufsgenossenschaft war die Rede. Wenigstens für die Zweite Liga gab es eine Lizenz – so etwas wie eine letzte Chance. Heute sieht es so aus, als hätten die Netzhoppers sie genutzt.
Die Mannschaft blieb zusammen, verzichtete auf Gehalt, marschierte trotzdem ohne Niederlage durch die Saison und spielte sogar mit teilweise skurrilen Aktionen noch frisches Geld ein. Mit einem Testspiel in Luckau gegen ein tschechisches Team etwa. Mit dem Verkauf von eigenen Karikaturen. Mit schlichten Spendenaufrufen bei den Fans. Schließlich mit einem Tänzchen als Cheerleader nach einem Spiel.
So kamen mal 20, mal 30, mal 50 Euro in die Kasse; am Ende waren es 12.000 Euro. „Das war verrückt“, sagt Culic, „eine sehr turbulente Zeit.“ Und eine, die Hoffnung machte: Sponsoren erkannten, wie ernst es alle im Verein mit Leidenschaft und Identifikation nahmen und kehrten zurück, zahlten wieder ihren vollen Beitrag.
Erstligalizenz gab es nur unter strengen Auflagen
Der Vorstand stellte einen Etat von 380.000 Euro auf die Beine. Als Belohnung gab es für den sportlichen Aufsteiger tatsächlich die Erstligalizenz zurück – wenn auch unter strengen Auflagen und unter ständiger Kontrolle der DVL. Immerhin sagt Jung inzwischen zum Zustand des Vereins: „Alles im grünen Bereich.“
Am Ende der Saison sollen die Altschulden abbezahlt sein, wie Netzhoppers-Geschäftsführer Volkmar Mann erklärt. „Wir können keine großen Sprünge machen, aber wir können erst mal arbeiten“, sagt er. Zu tun gibt es genug. Über kurz oder lang genügt die 1000 Zuschauer fassende Landkost-Arena nicht mehr den Anforderungen der Liga, da muss sich etwas bewegen. Auf die Frage, ob er an die Bundesliga-Zukunft der Netzhoppers glaube, antwortet Mann allerdings fast entrüstet: „Natürlich. Dafür haben wir ja die ganze Zeit gekämpft.“
Mit fast ausschließlich jungen deutschen Spielern versucht Culic, einen Play-off-Platz zu ergattern. Momentan sind die Brandenburger Siebenter. Und wo sieht er seinen Verein nach den nächsten sieben Jahren? „Gute Frage“, antwortet er lachend, „ich hoffe, als stabilen Erstligisten.“ Schon damit die Spiele in Berlin weiter stattfinden.





