0:2-Niederlage

Viktoria Berlin verpasst Pokalsensation gegen Frankfurt

Der Berliner Regionalligist, der seit 61 Jahren wieder im DFB-Pokal aktiv war, erwies sich früh als guter Gastgeber und trug einen großen Teil zur Führung des Bundesligisten Eintracht Frankfurt bei.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

So ganz mochte man zunächst nicht mit dem Stadionsprecher mitgehen. Von einem Spiel zweier ebenbürtiger Gegner sprach er am Sonnabend zur Halbzeit. Nun stand es nur 0:1, als ebenbürtig lässt sich ein Spiel trotz eines engen Resultates jedoch kaum ansehen, wenn es nur in eine Richtung geht.

Der FC Viktoria 1889 steigerte sich aber tatsächlich, kam besser in die Partie, nutzte die große Kulisse, die Bühne, die der DFB-Pokal bot. Unerschrocken traten die Viertliga-Fußballer dem Favoriten aus der Bundesliga gegenüber. Und sie ärgerten die Frankfurter Eintracht gehörig in dem Erstrundenduell, das letztlich mit 0:2 (0:1) endete.

Irgendwie hatte sich anfangs aber Verwirrung breit gemacht bei Viktoria. Erst streikte die Technik, als auf der Anzeigetafel die Aufstellung der Eintracht abgebildet werden sollte. Und zwar schon nach dem zweiten Spieler. Wie sich dann herausstellte, trugen die Frankfurter Stürmer alle ihre Trikotnummern anders, als auf dem Aufstellungsbogen angegeben.

Es verwunderte also nicht, als Murat Doymus nicht lange nach dem Anpfiff auch die Orientierung verlor. Einen harmlosen Rückpass schätzte der Berliner Abwehrspieler falsch ein, verließ sich auf Torhüter Marcus Rickert hinter ihm. Haris Seferovic sah, was sich da anbahnte, er umlief Doymus, kam an den Ball und ließ auch Rickert aussteigen. Nach neun Minuten, die Frankfurt zur Führung brauchte, wies im Jahn-Sportpark alles auf ein sehr eindeutiges Spiel.

Hessen wollten zeigen, dass sie drei Klassen höher spielen

Also gar nicht darauf, was sich die Berliner vorgenommen hatten. Eine Ehre sei die Partie, aber auch verbunden mit der großen Verantwortung, den Berliner Amateurfußball gut zu vertreten, hatte man beteuert. 61 Jahre nach dem letzten Auftritt im DFB-Pokal fühlte der Klub da quasi eine Verpflichtung. Diese erfüllte er letztlich auch, Viktoria benötigte nur etwas Zeit dazu.

Schließlich spielt der Gegner drei Klassen höher. Das wollten die Hessen auch gleich mal zeigen. Vom Anstoß weg drängten sie nach vorn, griffen den ballführenden Berliner sofort an, wenn denn mal einer von ihnen den Ball hatte. Frankfurt ließ sich auf nichts ein. Das war die Vorgabe von Thomas Schaaf gewesen. Er ist der neue Trainer der Eintracht, zum ersten Mal betreut er einen anderen Klub als Werder Bremen, wo er 14 Jahre tätig war. Schaaf hat viel umgebaut, sieben neue Spieler im Kader. Doch die Hoffnung der Berliner, dass die Eintracht daher noch ein großes Durcheinander darstellt, erfüllte sich nicht.

Schaaf ließ Viktoria wochenlang beobachten, er weiß, was im Pokal zu tun ist. Mit Werder gewann er ihn drei Mal, stand zudem noch zwei Mal im Finale. Intensität verlangte er von seinem neuen Team, Konzentration und Disziplin. Das brachte die Mannschaft auf den Platz. Deshalb konnten die Berliner nur vereinzelt mal bis zum Tor der Frankfurter durchdringen. Ein Kopfball von Thomas Kruschke war noch am verheißungsvollsten, stellte den Torhüter und neuen Eintracht-Kapitän Kevin Trapp aber nicht vor eine Herausforderung (17.).

Mit Alexander Meier kam mehr Schwung

Dafür sortierten sich die Berliner in der Abwehr besser. Die Mannschaft von Trainer Thomas Herbst stand tief, aufgrund des Frankfurter Drucks blieb auch nichts anderes übrig. Immerhin erledigte Viktoria ihre Arbeit in der Defensive so konsequent, dass der Eintracht, die einen stolzen Personaletat von 34 Millionen Euro aufbietet, nur selten zu einem zielorientierten Spiel im Strafraum kam.

Wenn das, was man sich vornimmt, bei aller Überlegenheit nicht aufgeht, kann sich schon mal ein komisches Gefühl breit machen. So erging es den Hessen. Mit großem Einsatz erkämpften sich die Berliner die Bälle vor dem eigenen Tor. Wie von Herbst gefordert, wurde dann mit großer Laufbereitschaft nach vorn gestürmt. Dabei gewannen die Angriffe an Gefahr, einen Schuss von Caner Özcin musste Trapp mühevoll entschärfen (56.). Dem Berliner Teil der 10.514 Zuschauer war der Konter einen Szenenapplaus wert. Die Frankfurter Fans beschäftigten sich weniger mit dem Spiel als mit sich selbst, wiesen dabei einen unsäglichen Hang zur Pyrotechnik auf , die sie reichlich abbrannten.

Das spielerische Feuerwerk der Eintracht blieb allerdings aus. „Wir hätten gern mal gesehen, wie die Eintracht ausgesehen hätte, wäre es in die Verlängerung gegangen“, sagte Viktorias Kapitän Ümit Ergirdi. Dazu reichte es nicht. Mit dem eingewechselten Alexander Meier kam etwas mehr Schwung in den Frankfurter Angriff. Und der Stürmer war es in der Nachspielzeit auch, der mit dem 2:0 alles klar machte. Am Gesamteindruck allerdings konnte dieser Schlusspunkt nichts ändern. Viktoria präsentierte sich würdevoll nach 61 Jahre Pokalpause.