Der Feuerwehrmann hat seinen Job erledigt, und zwar mit dem größtmöglichen Erfolg. Kurz vor Ende der vergangenen Wasserballsaison übernahm Peter Röhle als Interimstrainer die Wasserfreunde Spandau, weil die Mannschaft nicht mehr mit dem Ungarn Andras Gyöngyösi zurechtkam. Röhle führte das Team zu Pokalsieg und Meisterschaft und zog sich danach wieder aus der ersten Reihe am Schwimmbecken zurück. Der deutsche Rekordmeister hat jedoch schnell einen neuen Mann gefunden, der internationale Reputation mitbringt: Der Montenegriner Petar Kovacevic unterschrieb einen Einjahresvertrag in Berlin.

Zuletzt Galatasaray-Trainer

„Wir hoffen auf eine längere Zusammenarbeit“, sagt Präsident Hagen Stamm. Aber zunächst soll sich zeigen, ob Verein, Team, Spieler und der neue Trainer zusammenpassen – schon aus den jüngsten Erfahrungen bietet sich das an. Kovacevic ist in Kotor geboren, hat aber als Coach bereits viel im Ausland gearbeitet, vorzugsweise beim französischen Topklub CN Marseille (2006 bis 2012). Vier Jahre lang war er sogar Nationaltrainer der Franzosen und hat die französische Staatsbürgerschaft. Die vergangenen beiden Spielzeiten begegnete der 39-Jährige den Spandauern als Coach von Galatasaray Istanbul in der Champions League. Er ist Familienvater und zieht mit Frau und zwei Kindern nach Berlin.

„Wichtig ist uns außerdem, dass Petar aus derselben Wasserball-Schule kommt wie Bundestrainer Nebojsa Novoselac“, erklärt Stamm, „so dass beide harmonisch zusammenarbeiten können.“ Novoselac war auch sechs Jahre Trainer in Berlin. Beide, so der Wasserfreunde-Präsident, stehen für die junge Trainergarde aus dem ehemaligen Jugoslawien. Und von dort kommen nach wie vor viele der besten europäischen Profis. Stamm kennt Kovacevic zudem aus seiner Zeit als Bundestrainer – damals standen sich die Teams aus Deutschland und Frankreich ebenfalls häufig gegenüber. Man lernte sich kennen und die Arbeit des anderen schätzen.

Viele Stammspieler haben ihre Verträge in Spandau verlängert

Durch die Partien in der Champions League kann sich der neue Mann schon ein gutes Bild machen von der Schlagkraft seiner Mannschaft: In dieser Saison gewannen die Spandauer in Berlin und spielten in Istanbul unentschieden. Gleichzeitig muss er sich auf etliche personelle Veränderungen einstellen. Denn nicht nur auf der Trainerposition ist einiges in Bewegung geraten bei den Spandauern.

Die erfreulichste Nachricht aus Berliner Sicht ist die Rückkehr von Tobias Preuß. Der Nationalspieler verbrachte einige Jahre in den USA und absolvierte zuletzt eine Saison beim Meisterschaftsdritten Waspo Hannover. In Marko Stamm, Moritz Oeler, Maurice Jüngling und Erik Miers haben weitere Nationalspieler ihre Verträge in Spandau verlängert. Das taten auch die Ausländer Laszlo Baksa, Mateo Cuk, Marin Restovic und Petar Markovic.

Routinier Schlotterbeck zieht es in die französische Liga

Ihre Karrieren beendet haben dagegen die langjährigen Leistungsträger Marc Politze und Fabian Schrödter. Andreas Schlotterbeck, 32, einen weiteren Nationalspieler, zieht es laut Aussage Stamms nach Lille in Frankreich: „Es war immer sein Traum, einmal im Ausland zu spielen. Das muss man akzeptieren.“ Zugleich werden die noch recht jungen Centerverteidiger Timo van der Bosch und Thomas Kick nach nur einer Saison den Verein wieder verlassen – ersterer aus Heimweh und Kick, weil er sich von Gyöngyösi nicht korrekt behandelt fühlte. Er hatte sich schon früh zur Rückkehr nach Weiden entschlossen.

So gibt es jetzt eine kleine Lücke auf der Position des Centerverteidigers. Aber die Wasserfreunde haben ihre Personalplanungen noch nicht komplett abgeschlossen. „Wenn wir die Lücke schließen können, sind wir mindestens so stark wie letztes Jahr“, ist Stamm zuversichtlich. Dann geht es in Pokal, Meisterschaft und Champions League wieder ab wie die Feuerwehr. Nur diesmal vielleicht bis zum Ende der Saison.