Wasserball

Für Wasserfreunde Spandau ist Meistertitel ein Nebenprodukt

Im Vorjahr verloren die Wasserfreunde Spandau beide nationalen Titel an den ASC Duisburg. Jetzt sind sie wieder Tabellenführer und wollen vor allem eines erreichen: das Final Six der Champions League.

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Sie sind in der Wasserball-Bundesliga wieder Tabellenführer. Sie haben sogar noch Chancen, sich für das Final Six, das Turnier der sechs besten europäischen Vereinsmannschaften im Mai in Barcelona zu qualifizieren. Aber zufrieden klingen die Wasserfreunde Spandau deshalb nicht. Ganz und gar nicht.

So reagiert Moritz Oeler, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, eher überrascht auf die Frage nach Gründen für den bisher so erfreulichen Saisonverlauf. „So positiv?“, antwortet er, „wir haben doch verloren.“ Die 6:9-Niederlage beim ASC Duisburg liegt zwar schon drei Wochen zurück, aber sie schmerzt noch immer. Es war die erste nach zuvor zehn Siegen gegen die nationale Konkurrenz. „Damit hatten wir nicht gerechnet, da gab es auch ein bisschen Zwist im Team“, ergänzt Marko Stamm, ebenfalls Nationalspieler, „weil wir nicht umgesetzt haben, was wir uns vorgenommen hatten.“ Dazu muss man wissen, dass der ASC nicht irgendein x-beliebiger Gegner ist, sondern Deutscher Meister und Pokalsieger. Also der Klub, der im vergangenen Sommer die jahrelange Dominanz der Berliner beendete.

Doch es scheint, als werde das Ende jener Titelserie ebenso als Betriebsunfall angesehen wie die Pleite in Duisburg. Von einem „Patzer“ spricht Oeler, „da haben wir Mist gebaut“. Das große Ziel sei in diesem Jahr das Final Six, beharrt Stamm, „die Deutsche Meisterschaft nehmen wir so mit“. Der SV Cannstatt (22:4) und SSV Esslingen (17:5) waren am vergangenen Wochenende nur Sparringspartner. Ein solches Selbstverständnis entwickelt wahrscheinlich, wer seit 1979 die Meisterschaft 32-mal gewonnen hat. Also immer, bis auf drei Ausnahmen.

Zugänge brachten frischen Wind ins Team

Doch der Optimismus hat auch andere Gründe. „Es ist frischer Wind da“, sagt Oeler. Zum einen durch Trainer Andras Gyöngyösi, der das System der Wasserfreunde vom schnellen Konterspiel auf mehr geduldiges, mannschaftliches Agieren umstellte. „Das kommt uns entgegen“, sagt Stamm. Belebung brachten auch die Neuen. Spandau 04 hat mit der Verjüngung durch Timo van der Bosch, 20, und Thomas Kick, 24, der Rückkehr Oelers sowie der Verpflichtung des ungarischen Nationaltorhüters Laszlo Baksa sein Team ordentlich verstärkt. Oder zumindest die Abgänge von Torwart-Legende Alexander Tchigir und Nationalspieler Erik Bukowski wettgemacht.

Im Training mischen sich Ungarisch, Serbokroatisch, Englisch und Deutsch zu einem lustigen Kauderwelsch, aber wenn es um Punkte geht, sprechen alle eine Sprache. Die Mannschaft ist fitter, Ergebnis der harten ungarischen Wasserball-Schule. „Andras schleift uns schon ganz schön“, sagt Marko Stamm über seinen neuen Trainer, der mehr Wert auf das Schwimmen, etwas weniger auf die Taktik legt. „Er sagt: Bist du zu hundert Prozent fit, klappt auch die Umsetzung der Taktik besser.“ Vor allem im letzten Viertel, wenn es um Sieg oder Niederlage geht. Der bisherige Erfolg, besonders im internationalen Gewässer, scheint Gyöngyösi Recht zu geben.

In Hannover steht die Tabellenführung auf dem Spiel

Partizan Belgrad und CSM Oradea/ Rumänien besiegt, einen Punkt bei Galatasaray Istanbul geholt – „wir sind in Europa keine Lachnummer mehr“, sagt Stamm. Jeder erkenne wieder an: Spandau muss man erst mal schlagen. Der Erfolg gegen Partizan gelang wenige Tage nach der Pleite in Duisburg. „Vielleicht haben wir so einen Wachrüttler gebraucht“, sinniert Stamm. Damit soll es aber genug sein. Eine Niederlage im letzten Vorrundenspiel in Hannover können sich die Wasserfreunde nicht leisten, sonst ist Tabellenplatz eins in der Bundesliga vor dem Play-off verloren. An Duisburg. Und dann wären sie in Spandau sicher noch viel unzufriedener.