Sportpolitik

Harting verweigert Unterschrift unter Schiedsgerichtsklausel

Robert Harting hat aus dem Fall der um ihr Recht kämpfenden Eisschnellläuferin Claudia Pechstein gelernt: Er rät deutschen Athleten davon ab, die Schiedsgerichtsklausel der Athletenvereinbarung zu unterschreiben.

Foto: FRANCK FIFE / AFP

Diskus-Olympiasieger Robert Harting hat erneut gegen die Sportgerichtsbarkeit gewettert. Der Welt- und Europameister riet allen Athleten, die Schiedsgerichtsklausel im Rahmen der Athletenvereinbarung vor Olympischen Spielen sowie Welt- und Europameisterschaften nicht zu unterschreiben.

„Ich bin einer der wenigen Athleten, der die Schiedsvereinbarung schon seit fünf Jahren nicht unterschrieben hat. Das hat nichts damit zu tun, dass ich den Anti-Dopingkampf nicht unterstütze oder die Athletenvereinbarung nicht unterstütze. Ich bin ein Berufssportler, und ich verliere dadurch meine mir zustehende Gerichtsbarkeit. Es geht hier um die persönliche Freiheit“, sagte Harting in Berlin.

Harting erklärte, dass man die Schiedsklausel nicht zwingend unterschreiben müsste. „Um bei Olympia dabei sein zu können, muss man die Athletenvereinbarung unterschreiben mit dem Anti-Doping-Code und mit dem Wada-Code. Aber die Schiedsklausel muss man meiner Kenntnis nach nicht unterzeichnen, und ich bin letztlich ja auch immer wieder gestartet“, sagte Harting, der in dem Zusammenhang von Knebelverträgen sprach.

Durch den Fall Claudia Pechstein dazugelernt

Zuletzt hatte Eisschnellläuferin Claudia Pechstein die Debatte um die Athletenvereinbarung in Schwung gebracht. Die fünfmalige Olympiasiegerin riet per Petition davon ab, als Athlet die Sportgerichtsbarkeit als einzig wahre Gerichtsinstanz zu akzeptieren. „Ich habe durch den Fall Claudia Pechstein dazugelernt“, sagte Harting. „Sie kämpft um Schadensersatz und kommt einfach nicht weiter. Seitdem unterschreibe ich auch keine Schiedsvereinabarung. Aber ich unterstütze Wada- und Nada-Code sowie die Athletenvereinbarung an sich“, sagte der 2,02-Meter-Hüne.

Noch bis Donnerstag diskutieren 150 Experten auf dem Symposium „Ich kann Gold“, wie Mediziner, Geräteentwickler oder Trainingswissenschaftler, ob eine Goldmedaille bei internationalen Wettkämpfen planbar ist – und wie die Bedingungen dafür sein müssen. Gold sei das Ergebnis eines ganzen Systems, sagte ein Teilnehmer am Mittwoch. So forderten die Experten mehr besser qualifizierte Trainer, eine engere Verknüpfung von Wissenschaft und Sport oder eine bessere Förderung von Leistungssport in den Vereinen.

CDU und SPD diskutieren über Anti-Doping-Gesetz

Derweil wurde in den Koalitionsverhandlungen von CDU und SPD in Berlin über die Möglichkeit eines Anti-Doping-Gesetzes gesprochen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) bat nach jahrelangem Widerstand nun erstmals offiziell um eine entsprechende Prüfung.