Diskus-Star

Robert Harting startet eigene Lotterie für Spitzensport

Der Berliner Diskus-Star Robert Harting hat ein neues Fördersystem für den Leistungssport vorgestellt. Für einen Einsatz von 2,50 Euro soll man im Internet bis zu 250.000 Euro gewinnen können.

Foto: Michael Kappeler / dpa

Dieser starke Berliner macht nicht nur starke Sprüche, er handelt auch: Mit einer Sportlotterie will Diskus-Olympiasieger Robert Harting die Spitzenathleten in Deutschland besser fördern. In der „Bild am Sonntag“ hat er nun sein mehrfach angekündigtes Fördersystem vorgestellt, das im Frühjahr 2014 starten soll.

„Die Zahl unserer Sportler hat sich seit der Wiedervereinigung verdoppelt, die Anzahl der Medaillen aber halbiert. Wir sind in der Sportförderung auf dem Weg zum Entwicklungsland. Darum handeln wir“, erklärte der dreimalige Weltmeister: „Wir wollen langfristig erreichen, dass die Topsportler statt 300 Euro auf 1000 Euro Förderung monatlich kommen.“

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe beziehungsweise deren Wirtschaftstochter Deutsche Sporthilfe GmbH ist Teilhaber der Deutschen Sportlotterie. Aus dem Hause des bisherigen Hauptförderers des Sports in Frankfurt/Main hieß es, dies sei „eine kreative und aussichtsreiche Idee“. Am Sonntag wurde im Internet die Seite www.deutsche-sportlotterie.de freigeschaltet. Gesellschafter sind neben der Sporthilfe die Lotterie-Treuhandgesellschaft mbH Hessen, die Torsten Toeller Holding GmbH (Tiernahrung) und der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener (Nahrungsmittel).

Lob von Dirk Nowitzki

„Ich finde es großartig, dass es jetzt eine private Initiative gibt, die zusammen mit der Sporthilfe die Randsportarten in Deutschland nach vorne bringt“, sagte Dirk Nowitzki. Der Basketball-Superstar, zusammen mit Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel der Einnahmekrösus unter den aktiven deutschen Sportlern, ist allerdings nicht auf irgendwelche Fördersysteme angewiesen.

In Großbritannien gibt es bereits eine nationale Sportlotterie, die mit für die vielen Erfolge der Athleten bei den Olympischen Spielen in London 2012 gesorgt hatte. Für einen Einsatz von 2,50 Euro kann nach Hartings Plänen im Internet ein Tippschein ausgefüllt und bis zu 250.000 Euro gewonnen werden. Von jedem Euro sollen mindestens 30 Cent an die Athletenförderung und 40 Cent in den Topf gehen, aus dem die Gewinne ausgeschüttet werden. Der Rest gehe, so Harting, für Steuern und Verwaltungskosten drauf.

Statt auf Zahlen wird auf die Reihenfolge von olympischen Farben gewettet, auf Sportarten und Medaillen. Das Modell soll eine Ergänzung zur Sporthilfe sein. „Die Sportförderung in Deutschland ist beschämend niedrig“, sagte Harting. „Jammern bringt aber nichts. Wir lösen unsere Probleme jetzt selbst.“

Der 28-Jährige hatte nach den Sommerspielen von London massiv das nationale Fördersystem kritisiert und auch Thomas Bach angegriffen, den damaligen Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und neuen Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Immer wieder hatte der „Sportler des Jahres 2012“ mit teilweise provokanten Äußerungen auf die Missstände aufmerksam gemacht.

Auch Nada wird unterstützt

Sein Konzept soll eine Alternative zum gängigen System werden „und auch zusätzlich wirken“. Dies hatte Harting bereits am Rande der Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Moskau angekündigt.

Gespräche mit Premium-Unternehmen der deutschen Wirtschaft stünden vor dem Abschluss, hieß es auf der Homepage der Sportlotterie. Man werde den olympischen und paralympischen Sport finanziell unterstützen. „Gefördert werden Athletinnen und Athleten, die sich auf Spitzenleistungen bei den Spielen vorbereiten, bei internationalen Wettkämpfen für die Bundesrepublik Deutschland auftreten und national als Motivatoren für Breitensportler wirken“, so die Erklärung.

Gefördert werde auch die Arbeit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada), die derzeit wieder mal in großen finanziellen Nöten steckt.