Trabrennen

Spazierfahrt zum Sieg für Robin Bakker und Tiger Woods As

Selten war eine Entscheidung beim Traber-Derby so eindeutig wie am Sonntag: Robin Bakker und der Hengst Tiger Woods As fuhren ein einsames Rennen und sicherten sich knapp 130.000 Euro als Belohnung.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa/Mario Gambarini

Wenn es denn eine Überraschung gab beim 118. Deutschen Traber Derby, dann die, wie perfekt die kräftig blaue Krawatte des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit zur Trikotfarbe des siegreichen Fahrers Robin Bakker passte. Wenn es denn eine Unsicherheit gab, dann allenfalls die, ob die drohenden dunklen Wolken über dem Mariendorfer Geläuf für eine Abkühlung der rund 10.000 Zuschauer führen würden oder nicht – es blieb trocken.

Neun Pferde kämpfen um Platz zwei

Zum Rennen über die 1900-Meter-Derbydistanz stellten sich zehn Pferde. Neun kämpften um Rang zwei. Tiger Woods As demonstrierte unangefochten seine momentane Ausnahmestellung im Jahrgang der Dreijährigen und sicherte sich fast 130.000 Euro Siegprämie. Ohne Fehler gesteuert, ohne eine sichtbare kritische Situation meistern zu müssen, bestimmte der braune Hengst das Geschehen. Zog das Tempo im Feld an, legte Tiger Woods As bei Bedarf noch ein Schippchen mehr drauf. Für Duke of Greenwood (Peter Strooper) und Stanislawski (Dominik Locqueneux) blieben immerhin die Plätze zwei und drei. Wer zehn Euro auf einen Sieg von Tiger Woods As gesetzt hatte, bekam 14 zurück.

„Wir sind hier ganz ohne Druck gefahren. Ich habe zu Rennbeginn kurz geschaut, was die Gegner machen. Und dann haben wir uns unsere Position gesucht. Den Rest hat das Pferd ganz allein geregelt. Für mich war es ein bisschen wie eine Spazierfahrt“, sagte Bakker. Tags zuvor hatte der Niederländer mit Mustang’s Sally im Stuten-Derby noch eine Enttäuschung verkraften müssen. Die Top-Favoritin war galoppiert und deswegen disqualifiziert worden. Dieses Missgeschick passierte im Hauptrennen Weltrekordler Heinz Wewering mit Shoemaker.

Wewering hatte sich mehr versprochen

„Im Derby war mir nach hundert Metern klar, dass gegen Tiger Woods As nichts zu holen ist. Der ist eine Klasse für sich. Trotzdem hätte ich auf ein wenig mehr Fortune gehofft, denn unter den anderen Pferden war das Kräfteverhältnis schon recht ausgeglichen“, sagte Wewering. Der 63-jährige Routinier hatte sich im Rahmen vor dem Derby mit Abano Boy aber den Sieg im Marathon-Pokal (3200 Meter) gesichert.

Für Mariendorf-Geschäftsführer Andreas Haase verlief die Derbywoche zufriedenstellend: „Natürlich haben wir durch die Hitze ein paar Zuschauer verloren. Das wird sich auch etwas auf den Wettumsatz (im Vorjahr waren es 2,44 Millionen Euro, d.R.) auswirken. Trotzdem sind wir auf einem guten Weg.“ Bereits in dieser Woche wird er nicht nur mit Bahn-Eigentümer Ulrich Mommert Bilanz ziehen, sondern auch mit seinen Geschäftsführer-Kollegen in Karlshorst und in Hoppegarten sprechen.

Die Stadt soll sich stärker in Mariendorf engagieren

„Wir wissen, dass wir gemeinsam mehr erreichen können, aber auch müssen. Wir werden sehen, wie gut eine Kooperation machbar ist. Und wir werden uns auch zusammensetzen, um einen gemeinsamen Vermarkter zu finden“, steckte Haase die Ziele ab. Zusätzlich wollen die Mariendorfer ausloten, ob sich die Stadt Berlin stärker auf der Bahn engagieren kann.