Leichtathletik

Trotz Müdigkeit ist Robert Harting nicht zu schlagen

Olympiasieger Robert Harting hat nach zwei Niederlagen Zweifel an seiner Stärke im WM-Jahr beseitigt. Erst gewann er in Paris, dann setzte er seine Siegesserie bei den deutschen Titelkämpfen fort.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Selbst für einen 2,01 Meter großen Hünen wie Robert Harting war das ein strapaziöses Wochenende. Am Sonnabend siegte der Diskus-Olympiasieger aus Berlin beim Diamond-League-Meeting in Paris. Danach setzte er sich ins Auto, um im 750 Kilometer entfernten Ulm seinen siebten deutschen Meistertitel und vor allem seine Ehre gegen Martin Wierig zu verteidigen.

Der Magdeburger hatte den Diskusstar als erster deutscher Widersacher nach sieben Jahren am 26. Juni in Ostrava geschlagen. In Ulm rückte Harting die Rangfolge wieder zurecht, gewann mit 67,95 Metern vor Wierig, der 66,10 Meter warf.

Dabei war der 28 Jahre alte Berliner erst Sonntagnacht um drei Uhr in der Frühe eingetroffen. „Paris gewonnen mit 67,04 Meter! Jetzt noch vier von sechs Stunden Autofahrt hinter einen bringen, Martin Wierig in der Nacht wecken, dann schlafen! Haha!“, twitterte Harting während der Fahrt gut gelaunt. Schluss mit lustig war dann im Donaustadion.

Mit 66,34 Metern machte sich Harting warm, ließ 67,44 sowie 67,73 Meter folgen und tänzelte nach dem dritten Versuch schon siegesgewiss am Diskus-Ring. Im letzten Durchgang setzt er noch einen drauf: 67,95 Meter. „Es sieht vielleicht etwas lustig aus, so müde zu sein und gewonnen zu haben“, meinte Harting. „Ich bin froh, dass es so gelaufen ist und ich die Müdigkeit so gut weggesteckt habe.“

Brüder gemeinsam zur WM?

Stolz war er auch, dass Christoph Harting mit 62,61 Metern Dritter geworden war. „Er konnte seine Technik gut umsetzen, hätte aber einen Meter mehr werfen können“, meinte Robert Harting. Obwohl sein jüngerer Bruder nur einmal die B-Norm für die Weltmeisterschaften vom 10. bis 18. August 2013 in Moskau erfüllt hat, hofft er auf die WM-Nominierung und einen gemeinsamen Auftritt.

„Wir sind ein Team und wollen noch ein richtiges werden“, sagte Christoph Harting. „Für die Perspektive wäre das sicher nicht schlecht“, sagte Robert Harting, „im Training ist Christoph in vielen Übungen besser als ich.“

Titel auch für Carsten Schlangen

In den fünf Wochen bis zur WM steht nun für Robert Harting viel Krafttraining auf dem Programm, um genug Energie für eine möglichst erfolgreiche Titelverteidigung zu haben. „Ich gebe ungern etwas her, was ich gewonnen habe. Und ich werde alles tun, um den Titel zu behalten“, sagte er zu seinem Gold-Projekt.

Der Olympia-Sechste und Harting-Bezwinger Martin Wierig fügte sich gelassen wieder ins zweite Diskus-Glied ein. „Ich bin einmal kurz aus Roberts Schatten getreten und hoffe, dass es in Zukunft öfter passiert“, meinte der 26-Jährige. „Ich habe in diesem Jahr auf jeden Fall einen Schritt nach vorn gemacht.“

Neben Robert Harting durfte sich noch ein weiterer Berliner über den Titel freuen. Nach einem langsamen Rennen setzte sich Carsten Schlangen (LG Nord) nach einem langen Endspurt über 1500 m durch.

Weitere Berliner Athleten kamen in Ulm aufs Treppchen: Melanie Bauschke (LG Nike) als Zweite im Weitsprung, Fabian Clarkson (SCB Berlin) ebenfalls als Zweiter über 3000 m Hindernis. Dritte wurden: Sprinter Maximilian Kessler (SCC) über 200 m sowie die SCC-Frauenstaffel über 4x100 m.