Leichtathletik

Deutsches Team um Berlinerin Julia Fischer führt

Die Diskuswerferin vom SCC kommt bei der Mannschafts-EM der Leichtathleten in Gateshead auf den zweiten Platz. Am Sonntag geht ihr Freund, Olympiasieger Robert Harting, in den Wurfring.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Am Ende war Julia Fischer nur froh, dass es vorüber war. „Die Wetterverhältnisse waren wirklich sehr schwierig“, meinte die Diskuswerferin vom SC Charlottenburg am Sonnabend. Böiger Wind machte allen Sportlern schwer zu schaffen. Die 23-Jährige war bei der Team-Europameisterschaft Zweite geworden und hatte damit als deutsche Vertreterin elf von zwölf möglichen Punkten für die Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) geholt.

Nach dem ersten Tag der EM im englischen Gateshaed liegt das deutsche Team überraschend auf dem ersten Platz (195 Punkte), auf dem zweiten Rang folgt Russland (194) vor Großbritannien (181). Deutsche Siege gab es durch David Storl (Kugelstoßen), Silvio Schirrmeister (400 Meter Hürden), Silke Spiegelburg (Stabhochsprung) und Christina Obergföll (Speerwurf).

Schwierige Wetterbedingungen

Am Sonntag geht es weiter, dann wird bei den Männern auch Fischers Freund, Olympiasieger und Welt- und Europameister Robert Harting, in den Diskus-Ring steigen. Er war am Sonnabend Zuschauer, als seine Freundin dran war. Per Twitter erinnerte er seine Gefolgschaft daran, am Sonntagnachmittag (15.30 Uhr, Eurosport) vor dem Fernseher dabei zu sein. Zudem schickte er ein Bild vom Frauen-Wettbewerb mit. Fischer kann jetzt „ganz entspannt“ von der Tribüne aus ihrem Freund beim Werfen zuschauen.

Den Wettbewerb der Frauen gewann die Französin Melina Robert-Michon, die alles in allem mit der Windlotterie am besten zurechtkam. Im zweiten Durchgang hatte die Berlinerin für kurze Zeit mit 62,84 Metern die Führung übernommen, aber die zehn Jahre ältere Französin konterte Minuten später mit der Siegweite von 63,75 Metern. „Natürlich wäre es schön gewesen zu gewinnen“, meinte Fischer. Aber angesichts der Bedingungen seien sowohl Rang zwei als auch die Weite „okay“. Sie habe „ganz schön Druck“ verspürt, erzählte Fischer. Und lächelnd fügte die Blondine hinzu: „Wenn ich drei Fehlversuche gehabt hätte, hätte mich das Team wahrscheinlich verhauen.“ Drei ungültige Würfe hätten bedeutet: Deutschland – null Punkte. So wurden es doch elf.

Berliner Schlangen läuft auf den vierten Platz

Es war am ersten Tag der EM ein weiterer Berliner am Start: Carsten Schlangen von der LG Nord sammelte als Vierter über 1500 Meter neun Zähler fürs Team. Er war zwar in der Spitzengruppe mit dabei, am Ende waren jedoch drei Läufer schneller als er. Der eigentlich nominierte Sprinter Lukas Jacubczyk (SCC) musste seine Teilnahme wegen einer Oberschenkelverletzung absagen.

Für Robert Harting kommt es am Sonntag zur Revanche gegen den Polen Piotr Malachowski, den Weltranglisten-Ersten. Dieser hatte am 8. Juni die Siegesserie des zweimaligen Weltmeisters aus Berlin (35 Siege hintereinander) beendet. Im niederländischen Hengelo hatte Malachowski mit famosen 71,84 Metern ein hochklassiges Duell mit Harting (69,91) gewonnen. Der Berliner war zuvor fast drei Jahre lang unbesiegt gewesen.

Harting trifft wieder auf Dauerrivalen Malachowski

„Ich habe keine Angst vor Piotr“, sagte Harting. Er habe die Niederlage „zum Anlass genommen, was an der Technik zu tun. Es hatten sich einige Schusselfehler eingeschlichen, die versuche ich der Reihe nach zu beseitigen“.

Der 28-Jährige wollte das erneute Aufeinandertreffen mit dem Dauerrivalen Malachowski „nicht zur Revanche“ hochstilisiert sehen: „Wichtig ist es nur, wie es in zwei Monaten bei der WM in Moskau läuft.“

Hochspringerin Friedrich verletzt

Hochspringerin Ariane Friedrich hat sich derweil beim Meeting im badischen Bühl laut einer ersten Einschätzung wohl nicht allzu schwer verletzt. „Es sieht im ersten Moment nicht so schlecht aus. Das Knie ist nicht dick, aber schmerzt“, sagte Trainer Günter Eisinger nach einer Untersuchung am Sonnabend in Erfurt. Eine Kernspintomographie am Montag soll eine genaue Diagnose ermöglichen.

Beim Sieg von Blanka Vlasic am Freitag hatte die 29-Jährige den Wettkampf nach einem missratenen Sprung über die WM-Norm von 1,95 Metern wegen Schmerzen im linken Knie beenden müssen. Mit übersprungenen 1,90 Metern wurde sie Dritte.