Beim Boston-Marathon waren am Montagnachmittag nahe dem Zieleinlauf zwei Sprengsätze in kurzem zeitlichem Abstand detoniert. Drei Menschen starben, die Zahl der Verletzten wird mit rund 140 angegeben. Mindestens 17 von ihnen sollen sich nach US-Medienberichten in kritischem Zustand befinden.
Entgegen erster Angaben wurden insgesamt nur diese zwei Bomben gelegt. Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, teilte am Dienstag mit, es seien doch keine nicht-explodierten Sprengkörper gefunden worden.
Berliner Morgenpost: Herr Milde, wie haben Sie von dem Anschlag in Boston erfahren?
Mark Milde: Ich war unterwegs und habe das Rennen deshalb per Blog verfolgt. Um kurz nach 21 Uhr rief dann der RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg; die Red.) an, und ich bekam eine SMS von unserem Geschäftsführer Jürgen Lock, der ja vor Ort ist und schrieb, dass bei ihm alles okay sei.
Wie haben Sie sich dann weiter informiert?
Ich habe zunächst mal versucht herauszubekommen, wie es den Menschen in Boston geht, die ich kenne. Danach habe ich mir die Videos auf verschiedenen US-Websites angeguckt. Ich war total erschüttert und völlig sprachlos. Um halb eins bin ich dann ins Bett gegangen – und habe nicht gut geschlafen.
Haben Sie Kontakt zu Ihren Veranstalter-Kollegen in Boston?
Ich habe Ihnen natürlich eine Mail geschrieben und Ihnen unser tiefes Mitgefühl ausgedrückt, dafür haben sie sich kurz bedankt. Sie tappen ja auch noch völlig im Dunkeln. Und ich weiß zurzeit nur, dass unter den Opfern wohl mehr Zuschauer als Läufer sind.
Wie kann man sportliche Großveranstaltungen denn wirksam schützen?
Das ist meines Erachtens nicht nur ein Thema des Sports, das gilt hier in Berlin genauso für den Karneval der Kulturen, den Christopher Street Day oder den Flohmarkt auf der Straße des 17. Juni. Größere Menschenansammlungen im öffentlichen Raum kann man nicht so absichern wie eine Hallenveranstaltung. Dieses Damoklesschwert schwebt über jeder Freiluftveranstaltung.
Fühlen Sie sich deshalb auch ein bisschen hilflos?
Man muss ganz ehrlich sagen: Wenn es jemand darauf anlegt, ist so eine Veranstaltung nicht hundertprozentig abzusichern. Natürlich kann man die Polizeipräsenz erhöhen – aber welcher Attentäter lässt sich davon abschrecken?
Welche Konsequenzen hat der Anschlag in Boston denn auf den Marathon am 29. September in Berlin?
Dazu kann ich jetzt noch nicht viel sagen, wir müssen erst mal die genauen Hintergründe kennen und dürfen keine vorschnellen Urteile fällen. Ich habe heute Morgen schon mit der Polizei telefoniert, die das genauso sieht. Natürlich werden wir die Lage aufmerksam verfolgen und eng mit den Behörden zusammenarbeiten und in Abstimmung mit ihnen Notfallpläne entwickeln. In diesem Jahr wird das Thema Sicherheit bestimmt noch präsenter sein als es das vorher sowieso schon war. Denn die Sicherheit für Teilnehmer, Helfer, Mitarbeiter oder Zuschauer steht bei allen unseren Veranstaltungen an höchster Stelle.
Erwarten Sie Absagen von Teilnehmern?
Das müssen wir jetzt erst mal abwarten. Beim Marathon in New York ging die Teilnehmerzahl 2001 kurz nach den Anschlägen auf das World Trade Center zurück – ein Jahr später waren alle wieder da. Dann rücken andere Dinge wieder in den Vordergrund und ziehen die Aufmerksamkeit auf sich.


