Die Veranstalter des Berlin-Marathons wollen nach dem Anschlag auf den Marathon in Boston ihr Konzept überprüfen.
„Wir müssen erörtern und die Information bekommen, was jetzt wirklich in Boston passiert ist“, sagte Renndirektor Mark Milde am Dienstag im ZDF-„Morgenmagazin“.
Der Anschlag in Boston sei nun im Hinterkopf der Organisatoren. „Da werden wir unsere Konsequenzen daraus ziehen in Abstimmung mit den Behörden, mit denen wir auch sonst gut zusammen arbeiten“, sagte Milde.
Berlin gehört mit Boston, London, Chicago, New York und Tokio zu den World Marathon Majors (WMM), den wichtigsten Marathonläufen der Welt. Ende September soll in Berlin die 40. Auflage stattfinden.
Die Berliner Polizei steht nach Angaben eines Sprechers vom Dienstag für weitere Informationen zu den Anschlägen in Kontakt mit dem Bundeskriminalamt.
Der Polizeisprecher in Berlin bezeichnete das bisherige Konzept als „bewährt“. „Wir warten auf weitere Informationen zu den Anschlägen, um sie zu bewerten und wenn nötig, Konsequenzen zu ziehen“, sagte Polizeipressesprecher Stefan Redlich. In der Hauptstadt liegen die Sicherheitsvorkehrungen demnach generell auf einem hohen Niveau. Für Gespräche mit dem Berlin-Marathon-Veranstalter sei man allerdings offen.
Mehr als 600 Rettungskräfte
Beim Berlin-Marathon seien mehr als 600 Rettungskräfte im Einsatz, es gebe im Zielbereich große Medizinzelte. Wenn es zum Schlimmsten komme, sei man vorbereitet. „Allerdings kann man natürlich nicht eine komplette Strecke von 42 Kilometern absichern“, sagte Milde.
Zwar gebe es Kontaktpersonen bei Feuerwehr und Polizei. „Da muss man dann sicherlich in einer gewissen Art und Weise improvisieren, weil man natürlich nicht genau weiß, wo etwas passiert.“
Der Berlin-Marathon wird in diesem Jahr am 29. September 2013 gestartet.
Wowereit verurteilt „Akt des Terrors“
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit (SPD), hat die tödlichen Anschläge beim Boston-Marathon verurteilt. „Der feige Anschlag auf eine völlig arglose Ansammlung von Menschen bei einer Sportveranstaltung ist ein schrecklicher Akt des Terrors“, sagte Wowereit am Dienstag in Berlin.
Er hoffe, dass die Verantwortlichen für dieses Verbrechen schnell ermittelt werden können. „Was auch immer von ihnen möglicherweise als Motiv vorgeschoben werden mag: Es handelt sich um eine menschenverachtende Tat von Kriminellen“, sagte Wowereit.
Velothon-Veranstalter warten auf Empfehlungen
Die Veranstalter des Berliner Velothon warten als Reaktion auf die Anschläge in Boston auf Empfehlungen des Berliner Innensenators für die Sicherheitsvorkehrungen der Veranstaltung am 6. Juni 2013 . „Die Innenbehörde ist zuständig. Ihre Empfehlung werden wir in enger Abstimmung mit der Polizei dann umsetzen“, sagte Veranstaltungssprecher Reinald Achilles am Dienstag auf Anfrage.
Der „Garmin-Velothon“ ist in erster Linie eine Breitensportveranstaltung für Radsportler. Eingebettet ist das ProRace der Radprofis. Im Vorjahr gingen 12.000 Freizeitsportler auf Strecken verschiedener Länge an den Start. Am Straßenrand verfolgten nach Polizeiangaben 220.000 Zuschauer die Rennen.
Drei Menschen sterben bei Explosionen in Boston
Beim Boston-Marathon waren am Montag zwei Sprengsätze explodiert. Mindestens drei Menschen wurden getötet und rund 150 verletzt, viele an den Beinen. Der Hintergrund der Tat ist noch unklar.
Traditionell sind unter den Teilnehmern des Boston-Marathons auch viele Deutsche. Die Bundesregierung hat jedoch keine Hinweise darauf, dass bei dem Bombenanschlag auch Deutsche zu Schaden gekommen sind. Dies teilte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Dienstag mit.
Das Auswärtige Amt verwies zugleich auf eine Empfehlung der Behörden in Boston, öffentliche Plätze zu meiden und zu Hause zu bleiben, auf öffentliche Verlautbarungen zu achten und sich informiert zu halten. Die deutsche Botschaft in Washington und das Generalkonsulat in Boston stünden mit den US-Stellen in Kontakt.
Nach den Anschlägen sieht das Bundesinnenministerium keine erhöhte Terrorgefahr in Deutschland. Die Sicherheitslage sei unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag in Berlin. Die Bedrohung sei unverändert groß, und Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors.
Verschärfte Maßnahmen bei Hamburg-Marathon
Beim Hamburg-Marathon am Sonntag wird es nun verschärfte Sicherheitsvorkehrungen geben. „Die Laufstrecke wird ständig überprüft“, sagte Frank Thaleiser, Sprecher des zweitgrößten deutschen Laufes mit rund 12.000 Läufern und 750.000 Zuschauern, in einem Gespräch mit Spiegel Online.
„Der Hamburg-Marathon wird stattfinden, trotz der schrecklichen Geschehnisse in Boston. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Am Dienstagmorgen haben Polizei, Innenbehörde und Verfassungschutz getagt, ihrer Ansicht nach besteht kein erhöhtes Sicherheitsrisiko für unseren Lauf“, sagte Thaleiser.
Nach Auskunft der Organisatoren in der Hansestadt wird derzeit geprüft, ob die Veranstaltung durch zusätzliche Maßnahmen gesichert werden kann. „Die Laufstrecke wird die Woche über ganz genau überwacht. Aber wir können am Wochenende nicht die ganze Stadt mit Bombenspürhunden durchkämmen oder während des Wettkampfs an jeder Stelle der 42 Kilometer einen Polizei- oder Sicherheitsbeamten postieren“, sagte Thaleiser: „Vielleicht würde es das subjektive Sicherheitsgefühl erhöhen, wenn wir im Zieleinlauf 100 Polizisten aufstellen würden. Doch wirklich geholfen ist damit niemandem.“
dpa/oje/sei


