Bei einem Bombenanschlag auf den weltbekannten Boston-Marathon sind am Montagabend deutscher Zeit mindestens drei Menschen getötet worden. Rund 150 Menschen wurden durch zwei fast zeitgleiche Explosionen während des Großereignisses in der US-Ostküstenmetropole verletzt, einige von ihnen schwer, wie die Behörden mitteilten.

Aus Regierungskreisen hieß es, die Tat werde als Terroranschlag eingestuft. Der Hintergrund blieb aber zunächst unklar. Präsident Barack Obama erklärte noch am Abend in einer kurzen Live-Ansprache im Fernsehen, man wisse noch nichts über Täter oder Motiv, werde die Verantwortlichen aber zur Rechenschaft ziehen.

Es ist der schwerste Bombenanschlag in den USA seitdem die Sicherheitsvorkehrungen nach den Attentaten vom 11. September 2001 erhöht wurden.

Die US-Börsen weiteten als Reaktion ihre Verluste aus und schlossen deutlich im Minus. Auch die Märkte in Fernost verbuchten zu Handelsbeginn Verluste.

Rund 23.000 Läufer waren auf der Strecke

An dem ältesten Marathon-Lauf der Welt nahmen rund 23.000 Sportler teil, eine halbe Million Zuschauer säumte die Straßen. Die Explosionen ereigneten sich am Nachmittag (Ortszeit) rund

100 Meter und nur wenige Sekunden voneinander entfernt, als Hobby-Läufer gerade die Ziellinie überquerten. Die Spitzenläufer waren schon längst im Ziel.

„Es klang wie ein Überschallknall“, sagte eine Teilnehmerin des traditionsreichen Marathons, der erstmals 1897 ausgetragen wurde. „Ich zittere immer noch.“

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Schwerste Verletzungen vor allem an den Beinen

Auf TV-Bildern waren Blutflecken am Boden zu sehen. Mehrere Läufer wurden offenbar durch die Wucht der Explosion zu Boden gerissen. „Ich sah Menschen, die aussahen, als hätte es ihre Beine weggerissen. Überall an ihren Beinen war viel Blut. Sie wurden in Rollstühlen weggebracht“, sagte ein anderer Läufer.

Der Gouverneur von Massachusetts, Deval Patrick, sprach von vielen Schwerverletzten. Unter den Toten soll auch ein achtjähriger Junge sein.

Die Bundespolizei FBI übernahm die Leitung der Ermittlungen. Einem Bericht des Wall Street Journal„ zufolge fanden die Ermittler im Großraum Boston fünf Objekte, bei denen es sich um nicht explodierte Sprengsätze handeln könnte. Ein FBI-Sprecher wollte sich nicht dazu äußern. Festnahmen gab es zunächst keine.

Ein Mitarbeiter des Präsidialamts sagte, es sei noch nicht klar, ob die Verantwortlichen aus dem In- oder Ausland kämen. „Jeder Vorfall mit mehreren Bomben – und das scheint hier der Fall zu sein - ist klar ein Akt des Terrors.“ Die Bomben explodierten am Patriot's Day, wenn die USA am dritten Montag im April ihrem Unabhängigkeitskrieg gedenken.

Läufer und Zuschauer spenden in den Kliniken Blut

Das Massachusetts General Hospital erklärte, es würden in der Notaufnahme 19 Opfer der Explosionen behandelt. Sechs davon befanden sich einer Sprecherin zufolge in kritischem Zustand.

Teilnehmer des Marathons und andere Bürger eilten in die Kliniken, um Blut zu spenden. Mehreren Verletzten mussten Ärzten zufolge Gliedmaßen amputiert werden. In einer Kinderklinik wurde ein zweijähriges Kind wegen einer Kopfverletzung behandelt.

Obama wurde nach Angaben des Präsidialamts von FBI-Chef Robert Mueller und Heimatschutzministerin Janet Napolitano über die Ereignisse informiert. Die Regierung werde jede Hilfe zur Verfügung stellen, die bei den Ermittlungen benötigt werde. Obama sagte, er habe die Bundesbehörden angewiesen, die Sicherheitsmaßnahmen in den USA, wo es nötig sei, zu erhöhen. Auch die Behörden in den Städten New York und Washington kündigten solche Schritte an.

Polizei war keinen Bombendrohung im Vorfeld bekannt

Die Bostoner Polizei erklärte, ihr seien vor den Explosionen keine konkreten Drohungen bekannt gewesen. Die Beamten wurden angewiesen, alle zurückgelassenen Gegenstände in den Straßen als verdächtig einzustufen. Die US-Luftfahrtbehörde FAA sperrte den Luftraum über dem Marathon-Ziel vorübergehend.

Der Bostoner Flughafen war von den Beschränkungen aber nicht betroffen. Von dort starteten am 11. September 2001 die beiden Maschinen, die Islamisten in das New Yorker World Trade Center steuerten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich in einer ersten Reaktion erschüttert. Es handele sich um einen schrecklichen und sinnlosen Akt der Gewalt.

Merkel entsetzt über Anschläge

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat tief betroffen auf die Bombenanschläge von Boston reagiert. „Mit Entsetzen habe ich die Nachrichten von den Anschlägen in Boston verfolgt“, erklärte die Kanzlerin am Dienstag. Sie übermittelte den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl und den Verletzten Genesungswünsche. „Nichts rechtfertigt einen so heimtückischen Angriff auf Menschen, die sich zu einer friedlichen Sportveranstaltung zusammengefunden hatten“, unterstrich Merkel. „Ich hoffe, dass der oder die Schuldigen dafür zur Rechenschaft gezogen werden können.“

Auch rund 250 Deutsche hatten am Marathon teilgenommen. Bei der Anmeldung für den Marathon am Montag in Boston haben 247 Läufer angegeben, die deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen. Das zeigt die offizielle Internetseite der Organisatoren.

Die deutsche Läuferin Sabrina Mockenhaupt, die am Lauf teilgenommen hatte und den zehnten Platz bei den Frauen belegte, twitterte: „Ich bin ok. (...) Wir wissen auch nicht mehr als die Infos, die im TV laufen. Wir sitzen geschockt im Hotel.“

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Bei dem Marathon waren nach Angaben der Organisatoren 23.326 Läufer am Start. Davon seien 17.584 vor den Explosionen im Ziel gewesen. Der Wettkampf wurde abgebrochen. Das Boston Symphony Orchester sagte ein für den Abend geplantes Konzert ebenso ab wie die Eishockeymannschaft der Boston Bruins ihr Heimspiel.

Die Polizei von Boston bei Twitter

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Google stellt „Person Finder“ online

Google stellte eine Suche für vermisste Personen online. Beim „Person Finder“ kann jedermann Informationen zu Teilnehmern oder Besuchern des Laufs eingeben wie den Gesundheitszustand oder den Aufenthaltsort. Mit einer einfachen Suchmaske lassen sich diese Daten dann von besorgten Freunden oder Familienmitgliedern abrufen.

Der „Person Finder“ beruht somit auf der Mithilfe möglichst vieler Internetnutzer. Zwei Stunden nach den Explosionen am Montag gab es bereits rund 1800 Einträge. Der „Person Finder“ wurde für Naturkatastrophen entwickelt und kam unter anderem beim Erdbeben und Tsunami in Japan im März 2011 zum Einsatz.

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rtr/sei