Neue Liebe

Britta Steffen hat Angst um ihr Privatleben

Es gibt keinen Sportstar in Deutschland, der die Öffentlichkeit derart scheut wie Britta Steffen. Und so ist es der Schwimmerin auch unangenehm, dass ihre Beziehung zu Weltmeister Paul Biedermann gerade für viele Schlagzeilen sorgt. Morgenpost Online gab sie einen ersten Einblick in ihre Gefühlswelt.

Morgenpost Online: Nicht nur in der Welt des Sports wird Ihr Privatleben diskutiert, die jüngsten Veränderungen scheinen sehr viele Menschen zu interessieren.

Britta Steffen: Veränderungen hat es in der Tat gegeben. Mein Studium zum Wirtschaftsingenieur neigt sich dem Ende, ich stehe kurz vor dem Abschluss. Ich habe mich von meinem langjährigen Freund getrennt und in Paul Biedermann eine neue Liebe gefunden. Zudem habe ich in Berlin ein Haus gebaut und bin dort eingezogen. Jetzt erlebe ich gerade eine Phase, wo sich alles ein bisschen finden muss.

Morgenpost Online: Unbeobachtet bleiben Sie dabei nicht, Ihr Haus wurde von Paparazzi belagert. Diese Aufmerksamkeit scheint Sie zu überraschen.

Britta Steffen: Daran habe ich gemerkt, dass ich für gewisse Leute einen Promi-Status habe, das war mir zuvor gar nicht so bewusst. Ich habe mich danach ohnmächtig gefühlt. Als ich an einem Tag früh morgens zum Training kam, saß da ein Fotograf, der mich einfach nur abschießen wollte, weil ich jetzt mit Paul Biedermann zusammen bin. Paul hat es in Halle bedeutend leichter als ich in Berlin, wo die Medienlandschaft vielfältiger ist.

Morgenpost Online: Wie sehen Sie die Beziehung?

Britta Steffen: Paul und ich kennen uns ja noch nicht so lange, wir mögen uns sehr und sind in der Phase, in der wir uns nun richtig gut kennenlernen. Aber von außen wird uns jetzt schon ein Rucksack aufgesetzt, weil wir ja so super zusammenpassen würden. Ich verstehe den Hype nicht, ja, er befremdet mich sogar. Wir sind Sportler, unser Liebesleben gehört nicht in den Sportteil.

Morgenpost Online: Aber Sie sind beide Doppel-Weltmeister und Weltrekordhalter, die erfolgreichsten deutschen Schwimmer. Das Interesse kann Sie doch nicht wirklich überraschen.

Britta Steffen: Diese Popularität ist mir gar nicht so bewusst. Wir gehen ja ganz normal miteinander um. Okay, wir haben sportlich das Gleiche erreicht und deshalb sind wir in der gleichen Situation. Ich muss Paul daher wenigstens nichts erklären.

Morgenpost Online: Da klingt durch, dass Sie um Ihre Privatsphäre fürchten.

Britta Steffen: Irgendwie ja. Aber ich habe jetzt auch gelernt, dass ich gar keine Chance habe. Deshalb muss ich für mich einen Weg finden, wie ich damit am besten leben kann. Das Gute ist, dass wir sehr viel Verständnis füreinander haben, weil wir die gleichen sportlichen Ziele haben. Das kann uns für unsere Zukunft nur stärken.

Morgenpost Online: Wie viele Ziele haben Sie eigentlich noch nach Olympiagold und den WM-Titeln? Vor vier Jahren war Ihr Stern bei der EM in Budapest aufgegangen, im August finden die kontinentalen Titelkämpfe wieder dort statt. Schließt sich da ein Kreis?

Britta Steffen: Irgendwie schon, aber die EM bedeutet nicht mein Karriereende. Natürlich will ich auch in Budapest wieder ganz vorn mit dabei sein. Die Frage ist, ob ich bis dahin in der Lage bin, 100 Prozent zu bringen, weil ich in den letzten drei Monaten wegen Krankheiten und Verletzungen nur eingeschränkt trainieren konnte.

Morgenpost Online: Man hört, Sie hätten aufgrund des Trainingsrückstandes Probleme mit dem Wettkampfgewicht?

Britta Steffen: Oh ja, ich habe derzeit drei, vier Kilo zu viel auf den Rippen. Sobald ich aber wieder voll trainiere, sind die überschüssigen Pfunde ganz schnell wieder weg. Und das muss auch sein, denn die neuen Textilanzüge erlauben kein Gramm zu viel.

Morgenpost Online: Ist das nicht anstrengend?

Britta Steffen: Ich gehe jeden Morgen auf die Waage, ich muss das kontrollieren. Ich bin ein objektiver Typ, bei mir geht's im Leben stets nach Zeiten, Werten, Zahlen, da ist wichtig, dass ich genau weiß, wie viel ich wiege. Aber ich bin da auch gelassener geworden, vor vier Jahren hätte ich mich noch verrückt gemacht. Das liegt auch an den Erfolgen. Ich muss mir nichts mehr beweisen.

Morgenpost Online: Woher nehmen Sie die Motivation?

Britta Steffen: Ich mache das jetzt, weil es mein Leben ist, weil es gut mit dem Studium harmoniert und weil ich es gerne mache. Der Spaß am Sportleben ist groß, es ist das schönste Leben, was man führen kann. Der Ausgleich zwischen Körper und Geist ist perfekt, und – mal ganz reduziert ausgedrückt – es ist ein tolles Gefühl, nach einem anstrengenden Tag so richtig Hunger zu haben und gut schlafen zu können. Meine Zeit im Spitzensport ist ja eh begrenzt, nach Olympia 2012 beende ich voraussichtlich meine Karriere. Bis dahin will ich das Leben im Leistungssport noch in vollen Zügen genießen. Es ist schon kurios, dass ich mich selbst noch fühle, als wäre ich Anfang 20. Die letzten Jahre sind so schnell vergangen, dass ich gar nicht mitbekommen habe, dass ich schon 26 Jahre alt bin.

Morgenpost Online: Ihre größte Rivalin der vergangenen Jahre, Lisbeth Trickett, hat ihre Karriere beendet. Dabei ist die Australierin sogar noch ein Jahr jünger als Sie. Bedauern Sie das?

Britta Steffen: Lisbeth diesen Schnitt getan hat, der bei mir erst in zwei Jahren kommt. Ich will jedenfalls auch nicht abtreten, wenn ich meinen Zenit schon überschritten habe. Ich lebe nur einmal, in 50 Jahren interessiert es keinen mehr, ob ich noch drei oder vier Jahre weitergeschwommen bin. Ich will ein glückliches Leben führen.

Morgenpost Online: Zum Glück gehört für Sie offenbar auch, ein eigenes Heim zu haben. Wie kam es zur Idee, jetzt zu bauen?

Britta Steffen: Ich habe früher mit meinen beiden Brüdern ein zehn Quadratmeter kleines Zimmer geteilt, in dem es immer unordentlich war. Später dann, im Sportinternat in Potsdam, war das Zimmer zwar größer, aber ich musste es ebenfalls teilen. Im Berliner Sportforum habe ich dann endlich ein Einzelzimmer gehabt. Jetzt habe ich das erste Mal in meinem Leben ein eigenes Zuhause, das nur mir allein gehört. Das ist so ein erhabenes Gefühl, ich hätte nie gedacht, dass ich mich dort so wohl fühle. Das ist ein Traum, den ich jetzt lebe. Das Haus wurde auf meine Wünsche zugeschnitten – und bald pflanze ich im Garten einen Apfelbaum.

Morgenpost Online: Ihr Internatszimmer im Sportforum haben Sie dennoch behalten, dort übernachten Sie nach harten Trainingstagen. Sind diese zwölf Quadratmeter einer Doppel-Olympiasiegerin überhaupt würdig?

Steffen: Auf jeden Fall. Ich bin dort ja nur zwei, drei Mal die Woche. Andere Athleten verbringen die ganze Woche dort, und von daher ist es völlig gerecht, dass sie dann auch ein größeres Zimmer bewohnen. Das empfinde ich als selbstverständlich. Wenn man so viel erleben durfte wie ich, dann fällt es einem leicht, sich zu bescheiden.

Morgenpost Online: Engagieren Sie sich deshalb auch so sehr im sozialen Bereich, sind Patin für ökologischen Landbau, als Schirmherrin bei der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung?

Britta Steffen: All das hat sich mit den Jahren entwickelt. Kinder liegen mir besonders am Herzen, es gibt doch nichts Schöneres, als wenn dich ein Kind mit großen Augen vor Freude anstrahlt. Wenn man etwas Gutes tun kann, sollte man dies auch immer machen. Gern auch unentgeltlich, denn diese emotionale Rendite gibt einem eine besondere Zufriedenheit. Und danach strebt doch jeder im Leben! Wenn man eine Mörderkohle verdient, aber unzufrieden ist, was bringt das schon?

Morgenpost Online: Und wie sieht es mit eigenen Kindern aus?

Britta Steffen: Auf jeden Fall, nach der Sportkarriere ist dafür genug Zeit.

Das Gespräch führte Alexandra Gross