Schwimmen

Britta Steffen bei Comeback in den besten Jahren

Doppel-Olympiasiegerin Britta Steffen greift an diesem Wochenende im Kraulsprint in die deutschen Meisterschaften in Berlin ein. "Sie wird gut sein", verspricht ihr Freund Paul Biedermann.

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Britta Steffen muss sich dieser Tage ein bisschen vorkommen wie die Grande Dame des Deutschen Schwimmsports. Dabei ist sie gerade einmal 27 Jahre alt. Bei den Deutschen Meisterschaften im Europa-Sportpark in Berlin gehört sie damit aber zu den Ältesten. Nicht nur, weil viele junge Sportler beim Einschwimmen und am Beckenrand um sie herumwuseln, da der Verband die Talente der Jahrgänge 1998 und 1999 mit den Großen des Sports – bei den Frauen eben vor allem Doppelolympiasiegerin Britta Steffen – zusammenbringen wollte. Selbst im 100-Meter-Freistil-Finale an diesem Sonnabend (14.30 Uhr/ZDF) und im 50-Meter-Endlauf am Sonntag hat sie es mit Gegnerinnen zu tun, die auch mal zehn Jahre jünger sind. Und dennoch spricht vieles dafür, dass Steffen bei ihrem Comeback zwei Jahre nach ihrem letzten großen Wettkampf auf der Langbahn in den besten Jahren ist.

„Britta wird wirklich überraschen. Sie wird richtig gut sein“, sagt Doppelweltmeister Paul Biedermann (24), der mit Steffen auch privat das Traumpaar des deutschen Schwimmsports bildet. Die Vorläufe über 50 und 100 Meter jedenfalls absolvierte sie souverän und scheinbar leicht, sodass auch Bundestrainer Dirk Lange die Auftritte für „beeindruckend“ hielt. Nur Donnerstag war der Star für kurze Zeit die gute Laune vergangenen. Da saß die Freistilspezialistin nach ihrem 200-Meter-Vorlauf ausgepumpt und frustriert auf einer Bank – das Rennen hatte sie sich etwas anders vorgestellt. „Ich bin super enttäuscht“, sagte sie, „diese Geschichte kann ich mir erst mal abschminken.“ Dabei sollte der Ausflug auf die 200-Meter-Distanz eigentlich nicht mehr sein als ein Überprüfen der Form. Den Endlauf, den sie als Zweitschnellste locker erreichte, wollte sie eh nicht schwimmen.

„Sie hätte das sicherlich noch ein bisschen besser gekonnt, aber na ja…“, wiegelte ihr Trainer Norbert Warnatzsch gelassen ab. „Sicherlich war es irgendwo im Hinterkopf, dass wir von vorneherein wussten, dass sie im Endlauf nicht schwimmt.“ Die Konzentration gilt eindeutig den 100 und dann den 50 Metern. Dass Steffen im ersten Moment dennoch ihre Enttäuschung nicht versteckte und offensichtlich mehr gewollt hatte, zeigt vor allem eines: Die 27-jährige Berlinerin hat immer noch genügend Biss, will immer das Bestmögliche herausholen.

Der Sportfan könnte denken, Britta Steffen sei müde von den vielen Jahren des Höchstleistungssports und von den Verletzungen, die sie nach den beiden WM-Titeln vor zwei Jahren in Rom zu einer 15-monatigen Pause zwangen. Er könnte annehmen, sie sei satt von den Titeln und Weltrekorden und privat so glücklich, dass der Sport nur noch Nebensache sei. Steffen schöpft jedoch aus all diesen Dingen ihre Kraft, hat Erfahrung wie kaum eine andere und in den vergangenen Jahren immens an Selbstbewusstsein gewonnen. „Wenn ich in der Vergangenheit zu meinen Schwächen stand, möchte ich jetzt zeigen, dass ich eine Menge Stärken habe“, meinte sie in Berlin. „Vielleicht ist das jetzt das neue Ziel: Dass Britta Steffen auch stark sein kann und nicht immer nur weint.“ Ihr einziges Ziel ist das aber längst nicht. Steffens Fokus liegt auf den Olympischen Spielen im nächsten Sommer in London. „Insgeheim“, so verrät sie, „träume ich davon, an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro teilzunehmen“. Dann wäre sie 32 Jahre alt.

Ihre Erfahrung hat auch die Zusammenarbeit mit Norbert Warnatzsch verändert. Nicht gewandelt hat sich das kameradschaftliche Verhältnis der beiden, das auch in Berlin nach Steffens erstem Vorlauf-Start zu beobachten war, als sie ihn – nass wie sie war – glücklich und fest drückte. Nicht verändert hat sich auch, dass Steffen „hoch motiviert“ sei, wie der Trainer versichert. „Sie kann aber jetzt noch besser mitreden und sich einbringen. Das Austauschen ist auf einem sehr hohen Niveau.“ Hinzu kommt, dass sich Steffen über die Jahre ein so gutes Ausdauerniveau antrainiert hat, dass sie ihr Potenzial schnell wieder aktivieren kann, wenn sie mal aussetzen muss. Auch die Verletzungen und Krankheiten des vergangenen Jahres sind da kein Hindernis. Die Ärzte hätten ihr gerade bestätigt, dass sie jetzt ihre besten Jahre habe.

Norbert Warnatzsch sieht das nicht anders. „Sie ist eine gereifte, intelligente junge Frau mit Riesen-Erfahrung im Training und Wettkampf. Britta ist tatsächlich im besten Alter“, sagt er und ist fest davon überzeugt, dass „wir ähnlich gute Ergebnisse von ihr erwarten können wie bisher“. Dass Steffen sich bereits in Berlin selbst besiegt und ihre eigenen Weltrekorde über 50 und 100 Meter Freistil unterbietet, ist eher unwahrscheinlich – „und das erwartet auch keiner“, sagt Bundestrainer Lange. Der Höhepunkt in diesem Jahr sind schließlich die Weltmeisterschaften, bei denen sie ihre Top-Leistungen zeigen will. Die Finals heute und morgen können ein Signal an die Konkurrenz aus dem Ausland sein, ein Zeichen dafür, dass mit Steffen in China zu rechnen ist.