Vor zweieinhalb Jahren musste Aleksandar Pavlovic eine wichtige Entscheidung treffen. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern München, der unter dem damaligen Trainer Thomas Tuchel den Durchbruch bei den Profis geschafft hatte, wurde sowohl vom Deutschen Fußball-Bund, als auch vom serbischen Verband umworben. Pavlovic ist zwar in München geboren und aufgewachsen, doch sein Vater kommt aus Serbien. „Es war ein schönes Gefühl, dass sich der serbische Verband so um mich bemüht hat“, sagte Pavlovic, der sich aber für Deutschland entschied. „Einfach war die Entscheidung nicht, weil ich auch für Serbien etwas empfinde. Meine Oma und mein Opa wohnen in der Nähe von Belgrad auf einem Bauernhof. Ich versuche, sie einmal pro Jahr zu besuchen. Und das Essen ist das Beste“, sagte das damals noch 20 Jahre junge Toptalent.

Mittlerweile ist Pavlovic zwei Jahre älter, hat 15-mal für Deutschland gespielt und im Sommer sein erstes großes Turnier bestritten. Bei der Weltmeisterschaft war der 22-Jährige unter Julian Nagelsmann Stammspieler, wenngleich er nicht überzeugen konnte und vor allem durch eine schwache Zweikampfquote auffiel. Trotzdem gehört Pavlovic auch unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp zum Aufgebot und hat am Donnerstagabend die Chance, sich bei seinem Heimspiel in München gegen sein zweites Heimatland Serbien (20.45 Uhr/ZDF) in den Fokus zu spielen. Auf der Doppelsechs könnte Pavlovic in Abwesenheit seines Münchner Vereinskameraden Joshua Kimmich an der Seite seines anderen Bayern-Kollegen Tom Bischof (21) spielen.
Klopp sucht die Super-Sechs
Für Klopp wird die Besetzung der Doppelsechs auch eine Grundsatzüberlegung in den kommenden Tagen und Wochen sein. Vorgänger Julian Nagelsmann hatte das Herzstück der Nationalmannschaft in seiner Amtszeit immer wieder neu besetzt. Bei der Heim-EM 2024 harmonierte „Bodyguard“ Robert Andrich mit Rückkehrer Toni Kroos. Danach probierte es Nagelsmann wahlweise mit Pascal Groß, Angelo Stiller oder auch Kimmich. Bei der WM bildeten Felix Nmecha und Pavlovic das Mittelfeldzentrum. Stabil war die DFB-Elf in dieser Besetzung aber nie.
Wer Klopps Fußball kennt, der weiß, dass der 59-Jährige immer gerne einen robusten Sechser in seinem Team hatte, der für die defensive Stabilität gesorgt hat. In Dortmund war es vor allem Sven Bender, nun sein Co-Trainer in der Nationalmannschaft, der für die Arbeit an der Seite von Künstlern wie Ilkay Gündogan zuständig war. In Liverpool prägte der Brasilianer Fabinho als zweikampfstarker Sechser die Erfolgsära von Klopp.

Und nun? Ein Spielertyp mit diesem Format fehlte der Nationalmannschaft in den beiden Kadern für die vier Nations-League-Spiele. Anton Stach (27) von Leeds United kommt dem Profil am ehesten nah, durfte in den ersten zwei Spielen unter Klopp aber nur als Teilzeitkraft ran. Gleiches gilt für Freiburgs Yannick Engelhardt (25). Neuling Mika Baur, zentraler Mittelfeldspieler bei Celtic Glasgow, hat in Schottland nach eigener Aussage zwar gelernt, „eklig“ zu sein, er habe seine Stärken aber vor allem mit dem Ball, wie er am Dienstag in Herzogenaurach betonte.
Wird Janelt die Überrasachung?
Womöglich bekommt auch Vitaly Janelt eine Chance auf der Sechs. Den 28-Jährigen vom FC Brentford kennt Klopp aus der Premier League. Gegen Serbien oder in Griechenland am Sonntag könnte der gebürtige Hamburger in der Nationalelf debütieren. Wird Janelt sogar zur großen Überraschung?
Wenn Klopp in naher Zukunft aber nicht zu viele Experimente eingehen will, haben Kimmich und Pavlovic, die auch bei den Bayern unter Trainer Vincent Kompany gesetzt sind, die besten Chancen, künftig die Mittelfeldzentrale in der Nationalmannschaft zu bilden. Grundsätzlich ähneln sich die beiden aber in ihrer Spielweise. Sie sind beide keine Zweikampfmonster, verfügen aber jeweils über ein sauberes und sicheres Passspiel, ohne sonderlich kreativ zu werden. Vor allem Kimmich wurde für seine fehlenden Ideen trotz 150 Ballkontakten gegen Griechenland teilweise hart kritisiert. Aber auch Nmecha bekam zu spüren, dass Klopp mit dessen Zweikampfverhalten vor dem Gegentor alles andere als einverstanden war. „Felix darf den Zweikampf ruhig gewinnen“, sagte der Bundestrainer in seiner ersten TV-Analyse nach dem Spiel.

Donnerstag
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Gegen die bislang punktlosen Serben wird es aber auch im Mittelfeld vor allem wieder um fußballerische Lösungen gehen, um einen tiefen Block zu bespielen. Pavlovic wird dabei eine wichtige Rolle einnehmen. Wer wüsste im DFB-Team schließlich besser, mit welchen Mitteln Serbien gegen Deutschland überraschen will?
Mögliche Aufstellungen
Deutschland: Urbig – Treu, Anton, Jeltsch, Mittelstädt – Pavlovic, Bischof – Karl, Wirtz, El Mala – Woltemade.
Serbien: V. Milinkovic-Savic – Nedeljkovic, Babic, Pavlovic, Terzic – Gudelj, Lukic – Zivkovic, Stankovic, S. Milinkovic-Savic – Joveljic.




