Schon vier Minuten vor Schluss hatte sich Bob Hanning entspannt auf seinem Stuhl zurückgelehnt. Der Geschäftsführer der Füchse Berlin verfolgt die Spiele seiner Handballer üblicherweise mit deutlich mehr Puls. Aber an diesem Sonntag würde nichts mehr schiefgehen, das war auch ihm klar.

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Seine Füchse Berlin hatten das DHB-Pokal-Endspiel gegen den Bergischen HC vor 19.750 Zuschauern in der Kölner Lanxess Arena dominiert. Das 42:33 (22:17) bedeutete den zweiten Pokaltriumph in der Vereinsgeschichte. „Wir haben jetzt aktuell alle drei Titel in Deutschland, die Meisterschaft, den Supercup, den Pokal“, sagte Hanning nach Schlusspfiff, „das muss natürlich gefeiert werden.“

Den Füchsen war es gelungen, dem unglaublichen Pokalrausch des Bergischen HC ein Ende zu setzen. Am Vortag im Halbfinale hatten die Nordrhein-Westfalen den SC Magdeburg mit 31:30 nach Siebenmeterwerfen besiegt und damit für eine der größten Sensationen der jüngeren deutschen Handballgeschichte gesorgt.

Füchse Berlin tappen gegen den BHC nicht in die gleiche Falle wie Magdeburg

Vor allem eine heroische Abwehrschlacht war der Grundstein für diesen spektakulären Erfolg. Dass die Füchse im Endspiel nun schon zur Pause so viele Tore gegen den Bergischen HC erzielt hatten, wie Magdeburg am Samstag in 60 Minuten (nämlich 22), zeigte allerdings klar, dass die Berliner nie Gefahr liefen, auch in diese Falle zu tappen.

„Wir müssen versuchen, das Spiel möglichst schnell unter Kontrolle zu kriegen“, hatte Hanning noch vor dem Finale gesagt, „sonst kann hier alles passieren.“ Und Kontrolle gewannen die Berliner zu Beginn, weil vor allem ihr Tempospiel gut ins Rollen kam. So entgingen die Füchse dem Risiko, sich in der BHC-Abwehr zu verbeißen.

Das Team von Trainer Nicolej Krickau war flink auf den Beinen, Rechtsaußen Hakun West av Teigum zeigte mit fünf Treffern aus fünf Versuchen eine perfekte erste Hälfte. Wirklich abschütteln konnte der Favorit den Underdog allerdings erst unmittelbar vor der Pause.

Füchse setzen sich Ende der ersten Hälfte entscheidend ab

Krickau nahm beim Stand von 17:16 eine Auszeit (27. Minute), die der Startschuss eines 5:1-Laufs bis zur Halbzeitpause werden sollte. Drei dieser fünf Treffer kamen von Welthandballer Mathias Gidsel, der das Spiel in dieser Phase an sich riss. Am Samstag im Berliner Halbfinale gegen Lemgo (39:36) hatte sich schon ein ähnliches Bild gezeigt: Auch dort war es nicht über die komplette Dauer ein Spiel für Gidsel. In den entscheidenden Momenten ließ er aber an beiden Tagen das Momentum aufseiten der Berliner kippen.

GER, Fuechse Berlin vs. Bergischer HC, Handball, DHB-Pokal, LIDL Final4, Finale, Spielzeit 2025/2026, 19.04.2026,
Lasse Andersson, Lukas Herburger, Mathias Gidsel (v.l.n.r.) und die Füchse Berlin konnten durch einen Finalsieg gegen den Bergischen HC den Triumph im DHB-Pokal feiern.© imago | Schmidt

Sein dänischer Rückraumpartner Lasse Andersson hingegen war sowohl Samstag als auch Sonntag eine dauerhafte Gefahr. Er wird die Füchse bekanntermaßen nach dieser Spielzeit in Richtung seiner dänischen Heimat verlassen. Nun trug er selbst maßgeblich dazu bei, dass seine Verabschiedung im Sommer durch die Erinnerung an dieses triumphale Pokal-Wochenende von Köln versüßt werden wird.

Lasse Andersson wertvollster Spieler des Final Fours

Schon im Halbfinale war er mit elf Treffern Top-Torschütze der Berliner. Auch im Endspiel kam er exzellent in die Partie und erzielte drei der ersten vier Berliner Tore (4:2, 5.). Schlussendlich war er auch gegen den Bergischen HC mit zehn Treffern bester Werfer der Füchse. Folgerichtig wurde der Rückraumshooter auch als wertvollster Spieler des gesamten Final Fours ausgezeichnet.

Doch den Pokalsieg der Füchse auf einzelne Namen zu verknappen, wäre zu kurz gedacht. Nahezu jeder Berliner Spieler schrieb an diesem Wochenende seine kleine Heldengeschichte. Nils Lichtlein, der der rasante Taktgeber des Berliner Angriffs war. Torwart Dejan Milosavljev, der nach furioser Leistung im Halbfinale auch im Endspiel überzeugte. Kapitän Max Darj, der im Duell mit seinem Ex-Verein BHC (2017-2022) wichtige Ballgewinne in der Abwehr erkämpfte.

Für Bob Hanning und Fabian Wiede schließt sich der Kreis

Sie alle ließen dem tapferen Außenseiter aus dem Bergischen Land im zweiten Durchgang nicht mehr den Hauch einer Chance. Der 42:33-Endstand war schlussendlich standesgemäß. Die Füchse waren die mit Abstand beste Mannschaft des Final Fours – und bejubelten schließlich nach zwölfjähriger Durststrecke wieder den Triumph im Pokal.

Das macht mich unglaublich glücklich!

Bob Hanning, Geschäftsführer der Füchse Berlin

„Wir haben es 2014 mit Paul Drux und Fabian Wiede geschafft“, sagte ein erleichterter Bob Hanning nach dem Schlusspfiff, „und jetzt haben wir es wieder mit vielen Spielern aus der eigenen Jugend gelöst. Das macht mich unglaublich glücklich.“

Und so schloss sich an diesem Sonntagabend der Kreis für die Füchse Berlin. Denn auch Fabian Wiede, der als einziger Spieler aus der 2014er-Siegermannschaft noch dabei ist, hatte trotz seines aktuellen Kreuzbandrisses selbstverständlich eine Pokalsiegermedaille bekommen.