„Lemgo ist viel schöner als Berlin, schöner als Berlin, schöner als Berlin!“ Immer wieder hallte dieser Fangesang durch die Kölner Lanxess Arena. Ob das stimmt oder nicht, ist Ansichtssache – Gewissheit war am frühen Samstagabend allerdings: Berlin ist im Pokalfinale, und Lemgo nicht.

Die Handballer des TBV Lemgo und der Füchse Berlin hatten sich im ersten Halbfinale des diesjährigen Pokal-Final-Fours einen packenden Kampf geliefert. Die Hauptstädter waren zwischenzeitlich mit fünf Toren vorn (24:19, 35. Minute), Lemgo hatte sich wieder auf einen Treffer Abstand herangearbeitet (27:26, 45. Minute).

Füchse Berlin besiegen Lemgo im Final Four um den DHB-Pokal

Der Großteil des Publikums hatte sie bei der Aufholjagd unterstützt und den Schmähgesang zur städtischen Optik dafür auserkoren. Doch die Berliner ließen sich davon nicht aus der Ruhe bringen und gewannen schließlich doch noch mit 39:36 (20:16).

GER, Lanxess Arena Koeln, HBL, LIDL FINAL4, Men, 1. Halbfinale: TVB Lemgo Lippe vs. Fuechse Berlin
Herausragende Leistung: Torwart Dejan Milosavljev überzeugte vor allem im ersten Durchgang.© picture alliance / nordphoto GmbH | Meuter

„Wir sind einfach glücklich, dass wir mit Lemgo fertig sind für diese Saison“, schnaufte der Berliner Trainer Nicolej Krickau nach Schlusspfiff. Schon in zwei unglaublich knappen Duellen in der Bundesliga (34:33 vor sechs Tagen und 33:34 in der Hinrunde) hatten die Ostwestfalen Krickau regelrecht in den Wahnsinn getrieben.

Torwart Dejan Milosavljev brilliert in der ersten Hälfte

„Was für eine Mannschaft Lemgo hat“, staunte der Däne am nun erneut. „So viel Respekt von unserer Seite.“ Geschäftsführer Bob Hanning pflichtete seinem Trainer bei: „Wenn du Lemgo den Finger reichst, was wir getan haben, musst du dich hinterher glücklich schätzen.“ Denn, auch das gehörte zur Wahrheit dieses Spiels: Die Füchse hätten es nicht bis zur spannenden Schlussphase kommen lassen müssen.

Zunächst garantierte Füchse-Torhüter Dejan Milosavljev den Berlinern im ersten Durchgang das kleine Polster. Elf seiner insgesamt 18 Paraden zeigte er vor der Pause, wodurch das Momentum deutlich auf Seiten der Füchse schien. „Ich bin sehr glücklich heute, ich habe gute Dinge gemacht“, sagte Milosavljev. „Wenn auch nicht über die ganzen sechzig Minuten.“

Füchse haben Probleme mit dem Sieben-gegen-Sechs von Lemgo

Denn das Spiel ging wieder auf, als er Mitte der zweiten Hälfte plötzlich kaum noch einen Finger an den Ball bekam. Das lag dabei nicht unbedingt am serbischen Torhüter selbst – sondern viel eher daran, dass Lemgo nun immer wieder im Sieben-gegen-Sechs die Berliner Abwehr auseinanderspielte und völlig frei aufs Tor werfen konnte.

„Wir hatten keine Lösungen gegen das Sieben-gegen-Sechs“, diagnostizierte Füchse-Kapitän Max Darj. „Wir haben uns natürlich eine Taktik dagegen überlegt. Aber sie haben sich trotzdem gute Chancen herausgespielt.“

Lemgo kam nie mehr auf Unentschieden heran

Im direkten Bundesliga-Duell sechs Tage zuvor hatten beide Teams nicht alle taktischen Variationen gezeigt, Lemgo etwa noch nicht ebenjenen siebten Feldspieler. Und so wussten die Füchse vor dem Halbfinale von Köln, dass sie sich darauf einzustellen hatten. Dennoch wackelten sie enorm.

Nur: Sie fielen eben nicht. Der ganz in grün gekleidete Füchse-Fanblock hielt gegen die Überzahl aus einigen lang- und vielen kurzfristigen Lemgo-Fans tapfer dagegen. Den Ausgleich der Ostwestfalen konnten die trotz der spannenden Schlussphase auch nie bejubeln. „Das hätte den Stress nochmal deutlich erhöht, weil es dann ein komplett offenes Spiel gewesen wäre“, sagte Hanning hinterher.

Pokalfinale am Sonntag

Sein Trainer Krickau hatte sich auch taktisch variabel gezeigt und munter durchgewechselt. Vor der Pause brachte Tobias Gröndahl einen wichtigen Impuls, als die Füchse selbst kurzzeitig auf den siebten Feldspieler setzten. In der engen Schlussphase fügte Matthes Langhoff dem Angriff eine neue Note hinzu und erzielte zwei ganz wichtige Treffer.

„In den 60 Minuten gegen Lemgo gibt es so viele Zweikämpfe, da musst du die ganze Breite deines Kaders nutzen“, sagte Krickau. Das hatte er getan, die Last war auf mehrere Schultern verteilt und der gesamte Kader begab sich zügig nach dem gewonnenen Halbfinale zwecks Regeneration zurück ins Hotel.

Am Sonntag haben die Berliner im Finale nun die Chance auf den ersten Pokalsieg seit 2014 (15.45 Uhr, ARD und Dyn). Dort bekommen sie es überraschend nicht mit dem SC Magdeburg zu tun: Der amtierende Champions-League-Sieger verlor am Abend sensationell das zweite Halbfinale gegen den Bergischen HC mit 30:31 (27:27, 22:22) nach Siebenmeterwerfen.

Das dürfte ohne Zweifel Warnung genug für die Füchse sein. Doch im Endspiel sind sie nun Topfavorit – und der Pokal ist tatsächlich ganz nahe.