Als die Musik verstummte und seine Kür beendet war, vergrub Ilia Malinin für einige Sekunden sein Gesicht in seinen mit schwarzem Stoff bedeckten Händen. Als er sie wieder senkte, zeigte sein Gesicht, dass er genau verstand, was gerade passiert war. Der Schock. Die Enttäuschung. Die Traurigkeit. Er konnte es nicht verbergen. Das Feuerwerk der Vierfachsprünge war ausgeblieben, er hatte die Goldmedaille verspielt. Und die Silbermedaille. Und die Bronzemedaille.

Olympia 2026: Ilia Malinin spricht über Kontrollverlust

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Eiskunstlauf ist ein Nährboden für Herzschmerz. Die Dramatik dieses Sports gehört zu seinem Reiz. Und mit der Größe der Olympischen Spiele wächst auch der Druck. Eine solche Belastung kann regelrecht eskalieren – besonders bei aufstrebenden Superstars. „Ehrlich gesagt habe ich noch immer nicht verarbeiten können, was gerade passiert ist“, sagte er später. „Aber natürlich ist es nicht wie jeder andere Wettkampf. Es sind die Olympischen Spiele. Und ich glaube, die Menschen verstehen den Druck und die Nervosität erst, wenn sie diese selbst erleben. Es hat mich einfach überwältigt. Ich hatte das Gefühl, keinerlei Kontrolle zu haben.“

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Kontrollverlust: Ilia Malinin stürzte bei seiner Kür mehrmals, am Ende blieb dem Goldfavoriten nur Platz acht bei den Olympischen Winterspielen in Mailand.© AFP | WANG ZHAO

Olympische Spiele stellen für unzählige Sportlerinnen und Sportler die größte Herausforderung und zugleich die größte Chance dar. Sie bringen jahrelang Talent, Leidenschaft und Arbeit ein, um dann auch mit ein bisschen Glück ihr bestmögliches Resultat, womöglich gar eine Medaille zu erzielen. Das Scheitern ist Teil ihres Weges, es ist nicht schlimm. Auch wenn es sich unerträglich anfühlt, Zweifel auslöst. Ein Abwägen zwischen: Habe ich alles dafür getan oder was führte zu der Enttäuschung? Für eine ausgewogene Aufarbeitung des Erlebten brauchen manche Athleten Jahre – und wenn die Selbsttherapie nicht genügt, suchen viele professionelle Unterstützung. Es hilft selten, den Schmerz zu verdrängen. Ihn zuzulassen, kann zu einer Jetzt-erst-recht-Haltung und neuen Zielen führen, wenn der Kopf und der restliche Körper dafür wieder bereit sind.

Olympia 2026: Ilia Malinin zeigt großes Verantwortungsbewusstsein

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Scheitern und Bewältigung sind individuell. Ilia Malinin lief vor seiner Verlegenheit nicht davon, versteckte sich nicht hinter seinem Schmerz. Vielleicht auch mit dem Wissen der vergangenen Jahre, dass er ja eigentlich besser ist als die Konkurrenz. Gefasst erklärte der 21-Jährige den schlimmsten Moment seines Eiskunstlauf-Lebens. Eine Art von Verantwortungsbewusstsein, die hoffen lässt, dass er zurückkommen kann. Und sollte er damit auch nur einem Athleten für den Umgang mit dem Scheitern geholfen haben, hätte auch Malinins aus seiner Sicht unwürdiger achter Platz einen großen Wert.