Der Sport in Berlin muss bis weit in den Herbst hinein auf Zuschauermassen und Großveranstaltungen verzichten. Der Senat in der Hauptstadt beschloss am Dienstag zwar Lockerungen im Kampf gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus, öffentliche Sportveranstaltungen dürfen aber bis zum 24. Oktober dieses Jahres nur ohne Zuschauer stattfinden.
Das würde nicht nur auf die Spiele der beiden Berliner Fußball-Bundesligisten Hertha BSC und 1. FC Union zutreffen. Auch die Eisbären Berlin (Eishockey), Alba Berlin (Basketball) und die Füchse Berlin (Handball) sind davon betroffen. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller betonte bei einer Pressekonferenz: „Wir wollen diese Anzahl von Menschen nicht zulassen an einem Ort, dann trifft das natürlich auch die Ligaspiele.“
Der SPD-Politiker sagte aber auch, dass es dazu „eine bundesweite Verständigung“ geben müsse zwischen der Politik und der Liga, „wie man damit vernünftig umgeht. Ob man solche Geisterspiele zulässt oder nicht und in welchem Rahmen das dann stattfindet.“ Dies habe Berlin „nicht alleine oder isoliert“ geregelt.
Berlin-Marathon kann nicht stattfinden
Generell beschloss der Senat, dass öffentliche und nichtöffentliche sportliche Veranstaltungen nur stattfinden dürfen, wenn der Austragungsort räumlich begrenzt sei, es eine Zugangskontrolle gebe und keine Zuschauer zugelassen seien, wie Wirtschaftssenatorin Ramona Pop erläuterte. Die Grünen-Politikerin machte aber auch deutlich: „Das wird sicherlich zu konkretisieren sein im Lichte der Ministerpräsidenten und -Präsidentinnen-Beratungen.“
Definitiv nicht stattfinden kann der Berlin-Marathon. Das weltweit hoch angesehene Rennen mit fast 50.000 Teilnehmern war für den 27. September geplant. Während auf der Veranstalter-Homepage der Countdown zum Rennen 158 Tage vorher noch runter zählte, bestätigte Senatorin Pop das Aus.
Das Istaf der Leichtathleten zwei Wochen vorher ist mehr als fraglich, es dürfte dem Beschluss zufolge höchstens unter Ausschluss von Zuschauern im Olympiastadion stattfinden. Events wie der Berliner Halbmarathon oder das Formel-E-Rennen fielen wegen der Corona-Pandemie bereits aus oder wurden abgesagt.
Sport ohne menschlichen Kontakt ist erlaubt
Generell ist Sport in Berlin für die Menschen trotz weiter geltenden Abstandsregeln und Kontakteinschränkungen „wieder möglich jenseits von Mannschaftssport, wo man den direkten menschlichen Kontakt hat“, betonte Müller. Wer allein auf einem Sportplatz Speerwerfen wolle, könne das tun, Tennisspielen sei auch möglich, weil dabei die Distanz gewahrt werde.
Im Fußball, erst recht im Profi-Fußball herrscht aber weiterer Klärungsbedarf. Noch vor der Sitzung hatte der Senat bestätigt, dass er für mögliche Geisterspiele bei einer Bundesliga-Fortsetzung Hertha und Union Berlin unter bestimmten Voraussetzungen Ausnahmegenehmigungen erteilen werde.
„Wir können uns Geisterspiele grundsätzlich vorstellen, wenn alle Hygiene- und Abstandsregelungen (für Stab, Betreuer, Technik etc. im Stadion) eingehalten werden“, erklärte Martin Pallgen als der Sprecher der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. Die beiden Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU/Nordrhein-Westfalen) und Markus Söder (CSU/Bayern) hatten am Montag den 9. Mai als Datum für eine mögliche Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Bundesliga ins Gespräch gebracht.
Hertha und Union Berlin warten DFL-Versammlung ab
Das Bundesinnenministerium ist allerdings strikt dagegen, jetzt schon einen Termin für die Wiederaufnahme von Bundesliga-Spielen zu nennen. Das geht aus einem Schreiben des parlamentarischen Staatssekretärs Stephan Mayer (CSU) an die Vorsitzende der Sportministerkonferenz, die Bremer Senatorin Anja Stahmann (Grüne), hervor.
Hertha und auch Union wollten sich auf Anfrage zu einem möglichen Neustart an dem von Laschet und Söder ins Gespräch gebrachten Datum nicht äußern. „Wir möchten jedoch erst einmal die DFL Mitgliederversammlung am Donnerstag abwarten und uns erst dann äußern, wenn es auch wirklich Fakten gibt“, erklärte Hertha-Sprecher Marcus Jung. Beide Verein dürften nun auch gespannt den weiteren Verlauf in der Frage möglicher Geisterspiele in Berlin bis Ende Oktober verfolgen.
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dpa


