Investor aus Asien

Warum sie bei Viktoria 89 von der Bundesliga träumen

Einstieg eines Investors aus Hongkong schürt Träume beim Lichterfelder Regionalligisten. Konkrete Details lassen aber auf sich warten.

Viktorias Spieler sollen künftig öfter jubeln dürfen

Viktorias Spieler sollen künftig öfter jubeln dürfen

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Nicht, dass sich in der Rubrik „Neuigkeiten“ nichts tun würde. Auf der Internetseite des FC Viktoria 1889 finden sich zum Beispiel Hinweise auf die veränderten Öffnungszeiten der Geschäftsstelle während der Herbstferien, die Weihnachtsfeier des Klubs oder den nächsten Skatabend, bei dem Preise im Wert von bis zu 50 Euro ausgelobt sind. Meldungen aus der gefühlten Fußball-Provinz, dabei hantiert der Regionalligist neuerdings mit ganz anderen Summen.

Ende Mai gab der Traditionsklub den Einstieg eines Investors bekannt, des in Hongkong ansässigen Sportvermarkters Advantage Sports United (ASU). Eine „langfristige“ Kooperation, die den Südberlinern einen „zweistelligen Millionenbetrag“ bescheren soll. Der Boulevard hyperventilierte die Summe von 90 Millionen Euro in den Orbit, was die Klub-Verantwortlichen dementierten. Die Details blieben bislang jedoch im Dunkeln. Um wie viel Geld geht es tatsächlich? Was genau bedeutet „langfristig“? Und was verspricht sich ASU überhaupt von seinem Investment im kleinen Berliner Fußball? Fragen, die die ganze Branche beschäftigen, spätestens seit von „Vorbildern“ wie Hoffenheim geraunt wurde.

Ortsbesuch im Hotel Steglitz International, wo am Mittwochabend der Wirtschafts-Stammtisch Berlin-Südwest tagte. Thema: Der bislang eher undurchsichtige Doppelpass zwischen Viktoria und ASU. Und tatsächlich: „Ziel ist es, einen Berliner Verein in die Bundesliga zu führen“, sagt Peer Jaekel (36), der für den Sportvermarkter 7Sports arbeitet, eine ProSiebenSat1-Media-Tochter, die als Bindeglied zwischen Klub und Investor fungiert. Warum für den Durchmarsch in die Eliteliga ausgerechnet Viktoria auserkoren wurde, ist vielen Beobachtern aber ein Rätsel. Fanpotenzial und Strahlkraft sind bei den „Himmelblauen“ deutlich kleiner als etwa bei Tennis Borussia oder dem BFC Dynamo, und sportlich hatte sich der Klub erst im Winter von größeren Ambitionen verabschiedet. Viktoria sei nicht der einzige Verein, der kontaktiert wurde, gibt Jaekel zu, aber zwei Dinge hätten den chinesischen Hotel-Milliardär und ASU-Chef Alex Zheng offenbar überzeugt: Das Label des „größten Fußballklubs Deutschlands“, das sich der FC Viktoria mit seinen gut 70 Mannschaften gern anheftet; und die Lage im Süden Berlins, weit genug entfernt von Hertha und Union.

Den Fragen, wann wie viel investiert wird, weicht Jaekel mal mehr, mal weniger galant aus. Ein Manöver, das der frühere Scout von Werder Bremen und 1860 München eher als „seriös“ denn als „nebulös“ empfindet. Der Eindruck, dass es Viktoria und ASU ernst meinen, verfestigt sich aber auch ohne konkrete Angaben, wohl auch, weil Jaekel bei 1860 mit dem jordanischen Investor Hasan Ismaik hautnah erlebt hat, welche Kardinalfehler man begehen kann. Einfluss in Bereichen zu nehmen, in denen es dem Geldgeber an Fachkompetenz fehlt, oder sich von der Ungeduld treiben zu lassen. Dann doch lieber wachsen wie einst Hoffenheim: organisch, nach und nach, nicht nur mit der ersten Mannschaft, sondern in der gesamten Infrastruktur und mit eingekauftem Know-how. „Langfristig“, sagt Jaekel, „wollen wir auf nationalem Niveau ein Top-Nachwuchsleistungszentrum haben.“

Derzeit steht Viktoria in der Regionalliga Nordost auf Tabellenplatz sechs. Ab nächster Saison soll das Ziel Aufstieg in Liga drei heißen. Das Stadion am Ostpreußendamm sei angeblich mit „zwei, drei Handgriffen“ drittligatauglich gemacht. Hört sich an, als gäbe es auf Viktorias Internetseite demnächst ein paar spektakulärere News.