Triathlon

Ironman Patrick Lange feiert einen Sieg für die Liebe

Triathlet Patrick Lange erobert mit seiner Rekordzeit beim Ironman auf Hawaii die Sport-Welt – und das Herz seiner Freundin Julia.

Erschöpft, aber überglücklich macht Triathlet Patrik Lange seiner Freundin Julia einen Heiratsantrag

Erschöpft, aber überglücklich macht Triathlet Patrik Lange seiner Freundin Julia einen Heiratsantrag

Foto: Marco Garcia / dpa

Kailua/Berlin.  Wohin er mit seinen Emotionen wollte, wusste er bereits wenige Momente nach dem Zieldurchlauf. Nur sein Körper schien ihm nicht mehr gehorchen zu wollen. Doch im Moment des größten Triumphes machte sich Patrick Lange seine Beine noch ein letztes Mal an diesem Sonnabend zu Untertanen. Wackeligen Schrittes, dafür angetrieben von der Liebe seines Lebens, näherte er sich also seiner Julia. Sie kam ihm sogar ein Stück des kurzen Weges entgegen, ehe sie in Tränen aufgelöst, den Kopf ungläubig schüttelnd, ja beinahe erschrocken mit der Hand vor dem Mund die Erkenntnis übermannte: Der schnellste Triathlet der Welt machte ihr, vor ihr kniend und mit gefalteten Händen fast schon flehend, einen Heiratsantrag.

Der Rest waren Glücksgefühle unter der Sonne von Hawaii, die einen nur dann durchströmen, wenn man sein Glück gefunden hat, das sportliche wie das private. Es schien, als habe der 32 Jahre alte Ausnahme-Triathlet sich extra beeilt, um seiner Freundin die Botschaft endlich kundtun zu können. „Ich bin losgelaufen und habe mir gedacht: Das mach ich heute. Das hat mich wirklich angetrieben“, sagte Lange.

Und das nicht bei irgendeiner Veranstaltung, sondern beim Ironman, dem schwersten Triathlon der Welt. 7:52:39 Stunden – als erster überhaupt blieb Lange unter der Acht-Stunden-Marke. Nach 3,86 Kilometern Schwimmen, 180,2 Kilometern Radfahren und einem Marathon. Wer kann da schon nein sagen?

„Ich wurde von allen Seiten gejagt“

Natürlich sprach aus dieser größten kleinen Geste auch eine Portion Dankbarkeit. Dafür, dass sie ihm in den Monaten vor dem Ironman vor allem eine emotionale Hilfe gewesen ist. „Mit meinem Sieg im Vorjahr hat sich alles verändert, ich wurde von allen Seiten gejagt“, erklärte der Darmstädter.

Sein Triumph beim ersten Start auf Hawaii im vergangenen Jahr, bei dem er schon einmal einen Streckenrekord hingelegt hatte (8:01:40 Stunden), wurde zur Last. Erst recht, nachdem er danach die Duelle gegen den zweimaligen Ironman-Sieger Jan Frodeno verloren hatte.

Frodeno fehlte auf Hawaii wegen einer Stressfraktur in der Hüfte. Doch von einem logischen Sieger Patrick Lange und dem neunten deutschen Sieg, zugleich dem fünften in Folge, wollte Patrick Lange nichts wissen. „Ich bin ins Rennen gegangen und habe mir gesagt: Ich will Zehnter werden. Das klingt verrückt, aber ich funktioniere gut, wenn ich wenig Druck von außen habe.“

Beim Radfahren Hilfe von einem Teamkollegen

Mental derart eingestellt, machte er sich auf die „Mission 101“, um jene 101 Sekunden schneller zu sein als 2017. Das Schwimmen war noch mäßig, danach entwickelte sich das Rennen zu seinen Gunsten. Dass der Rückstand Langes auf die Top-Radfahrer an der Spitze nicht zu groß geworden war, hatte er einem Landsmann zu verdanken. Und das wusste Lange.

„Andreas Dreitz ist die geilste Sau der Welt, ohne ihn wäre das nicht möglich gewesen. Er hat mich nach vorne gefahren, und egal, was alle sagen: Es war nicht abgesprochen, wir haben uns einfach gefunden“, lobte Lange seinen 29 Jahre alten Teamkollegen aus Lichtenfels, der 13. wurde. Der Plan der Konkurrenz, den Titelverteidiger bei fast windlosen Bedingungen (Lange: „Die Inselgöttin hat uns einen extrem guten Tag geschenkt“) derart unter Druck zu setzen, dass er viel Energie fürs Laufen verbrauchen müsste, war wieder nicht aufgegangen.

Das Maß der Dinge war Lange, der mit Kappe falsch herum auf dem Kopf und ständig neuen Wasserschwämmen in eigens eingearbeiteten Taschen in seinem Rennanzug unwiderstehlich dem Ziel entgegenstürmte. Die letzten Meter ging er ruhigen Schrittes, mit Deutschland-Fahne in der Hand, den Blick noch kurz nach oben zur Uhr gerichtet, gefolgt von einem Lachen, dann war es geschafft: Rekordzeit, mit klarem Vorsprung vor dem Belgier Bart Aernouts (7:56:41 Stunden) und dem Briten David McNamee (8:01:09).

„Sie ist die Liebe meines Lebens“

„Alle haben an mich geglaubt und zu mir gehalten“, sagte der Champion mit tränenerstickter Stimme im ZDF: „Meine Familie, meine Freunde...und natürlich meine Verlobte.“ Nach dieser Tortur, die um 6.45 Uhr Ortszeit im Hafen von Kailua-Kona begonnen hatte, um ihre Hand anzuhalten, „hat sich richtig angefühlt, denn sie ist die Liebe meines Lebens. Ich wusste es von der ersten Sekunde an“, sagte Lange. Seine völlig verdutzte Freundin Julia Hofmann hatte von diesem Vorhaben „nichts gewusst, das sieht man auch an meiner Reaktion, glaube ich“.

Einmal voller Glücksgefühle, ließ Patrick Lange der Romantik gleich freien Lauf. „Wir haben uns kennengelernt und die Nacht durchgeredet. Am nächsten Morgen habe ich meinen Vater angerufen und ihm gesagt, ich habe gerade meine zukünftige Ehefrau kennengelernt.“ Und Julia musste gestehen: „Ich habe den gleichen Anruf am nächsten Tag bei meiner Mutter getätigt. Das Ja war im Prinzip schon unausgesprochen da.“

Es nun auf Hawaii zu sagen, krönte einen ohnehin schon sensationellen Tag. „Dass es an diesem Tag nach dieser Leistung ausgesprochen wird – ich weiß nicht, wie das noch getoppt werden kann“, rätselte Julia Hofmann. Ihr Zukünftiger hatte die passende Antwort: „Gar nicht.“