Triathlon

Triathlon-Talent Ungewickell will jetzt durchstarten

Triathletin Laura Ungewickell wurde in den Nachwuchskader des Bundesverbands berufen und will nun international erfolgreich sein.

Championsserie Triathletin Lara Ungewickelt, fotografiert auf dem Sportplatz Lipschitzallee in der Gropiusstadt

Championsserie Triathletin Lara Ungewickelt, fotografiert auf dem Sportplatz Lipschitzallee in der Gropiusstadt

Foto: Krauthöfer

Berlin. Familienurlaub – oder doch Trainingslager? Wenn Lara Ungewickell mit ihren Eltern verreist, verschwimmen die Grenzen zwischen Freizeit und Leistungssport. "Ich brauche einfach die Bewegung", sagt die Triathletin, die deshalb auch in den Ferien fast täglich schwimmt, läuft oder Fahrrad fährt. Die Leidenschaft für den sportlichen Dreiklang liegt bei der 16-Jährigen in der Familie: Vater Horst war in seiner Altersklasse Duathlon-Weltmeister, Mutter Antje zuletzt EM-Fünfte im Sprint bei den Senioren. Sie selbst ist gerade erst in den Nachwuchskader des nationalen Verbandes berufen worden; zusammen mit Janne Büttel (Weltraumjogger) war Ungewickell die erste Berlinerin überhaupt, der diese Ehre zuteilwurde. Sie hat nun die Möglichkeit, auch an internationalen Wettkämpfen teilzunehmen.

Wer die junge Sportlerin aus Lichtenrade bei ihren täglichen Trainingseinheiten beobachtet, dem wird sie vielleicht gar nicht groß auffallen. Im Vergleich zu ihren Teamkollegen sticht Lara Ungewickell nicht besonders hervor. Sie sagt selbst über sich: "Ich bin keine Trainingsweltmeisterin." Dafür ist sie eine echte Wettkämpferin. "Lara ist wie kaum jemand anderes in der Lage, sich auf wechselnde Situationen innerhalb eines Wettkampfs einzustellen", sagt Trainer Joachim Herrgesell. "Sie kann sich in ein Rennen so richtig reinbeißen."

Junioren-WM als Ziel

Mit dieser Einstellung ist die Berlinerin schon 2016 Zweite beim Deutschland-Cup in Bocholt geworden, dessen Teilnehmerfeld dem einer deutschen Meisterschaft entspricht. 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und fünf Kilometer Laufen sind in ihrer Altersklasse zu absolvieren – etwas mehr als eine Stunde sind die Athleten dabei insgesamt unterwegs. Bei den echten Meisterschaften hatte Ungewickell jedoch meistens Pech: 2016 hatte sie einen technischen Defekt, beide Radschuhe lösten sich; trotzdem wurde sie am Ende noch Zehnte. Im vergangenen Jahr war sie dann kurz vor den Titelkämpfen krank geworden, kämpfte sich aber dennoch auf Platz 14. Im Duathlon dagegen, einer Variante des Triathlons ohne Schwimmen, war sie sogar schon zweimal deutsche Vizemeisterin. Am heutigen Sonntag greift sie nun bei den nationalen Meisterschaften in Alsdorf bei Aachen nach dem Titel.

Und danach? "Ich glaube, dass ich es schaffen kann, auch für Deutschland zu starten. Die Junioren-WM ist ein realistisches Ziel", sagt sie. Dass Lara Ungewickell mit den Besten mithalten kann, ist bemerkenswert – schließlich sind die Bedingungen in Berlin ungleich schwieriger als in anderen Bundesländern. "Wir haben in Berlin keine einzige Sportschule, die Triathlon anbietet", sagt sie, daher sei die Zahl der Spitzenathleten in ihrer Heimatstadt deutlich niedriger.

Trotzdem mischt die Schülerin auch mit ihrem Vereinsteam in der obersten Liga mit. Der TuS Neukölln tritt in dieser Saison erneut in der Bundesliga an. Im vergangenen Jahr hatte erst eine starke zweite Saisonhälfte, an der Lara Ungewickell mit ihrer Leistung großen Anteil hatte, den Klassenerhalt gebracht. Dieses Mal wollen die Berlinerinnen weiter vorn landen.

Die Bundesliga bekommt zwar in der medialen Berichterstattung nicht dieselbe Aufmerksamkeit wie ein Ironman, doch für die Athleten hat sie einen hohen Stellenwert. Spitzenleute wie Europameisterin Laura Lindemann oder Vizeweltmeisterin Anne Haug starten deshalb regelmäßig bei den Events. Beide sind auch Vorbilder von Lara Ungewickell. Ihr Trainer Joachim Herrgesell traut ihr zu, dass sie bald ähnlich erfolgreich sein könnte. Er sagt: "Ich sehe bei ihr keine Limits. Für sie ist alles möglich."

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.