Ein bisschen fühlt es sich an wie früher, wie in Kindertagen. Nils Frommhold steigt zu den Eltern ins Auto, sie fahren ihn zum Sport. So fängt es ja immer an. Doch natürlich geht Frommhold mit 31 Jahren inzwischen seine eigenen Wege. Wenn der Triathlet jetzt seinen Sport betreibt, sind die Eltern meist weit weg. Daheim in Berlin. Doch die Umstände führen ihn gerade ein wenig zurück zu den Wurzeln, in diese Kindheits-Situation im Auto der Eltern. Schön eigentlich, aber sportlich eben fernab seiner Ziele.
Die liegen jedes Jahr in Hawaii, in Kona, bei der Ironman-Weltmeisterschaft. Doch nun muss Frommhold mit Helene Vorlieb nehmen. Nicht im Autoradio. Beim Helenesee-Triathlon in der Nähe von Frankfurt/Oder geht er am Sonntag an den Start. Über die kurze olympische Distanz. „Das Rennen kommt jetzt ganz gelegen“, sagt Frommhold. Er möchte sehen, wie der Körper reagiert, ob alles hält, keine großen Schmerzen auftreten.
Schmerzen stoppten Frommhold
Wegen der Schmerzen musste er bei seinem letzten Wettkampf aussteigen, Anfang Oktober 2017 war das, in Hawaii. Nach einem Drittel des abschließenden Marathons lag er zwischen Platz vier und fünf: „Ich hatte eine richtig gute Form.“ Frommhold war auf dem besten Weg, seinen 6. Platz vom Kona-Debüt 2014 zu verbessern. Doch die Achillessehnen machten die Tortur nicht mehr mit. Seit August hatte er Probleme an beiden Fersen, die Sehnen hatten sich entzündet und stark abgenutzt. Später schlug sich das auf die Knochen nieder – und wollte vor allem am linken Fuß nicht heilen.
Das brachte das ganze Jahr durcheinander. „Ich konnte einfach nicht in die Saison starten“, sagt der Berliner, der in Freiburg lebt. Genaue Erklärungen, warum sich alles so lange hinzog, gibt es immer noch nicht. Die Suche nach den Gründen, warum verschiedenste Therapien nicht anschlugen, läuft. Jüngst ließ er sogar testen, ob hormonelle Dinge eine Rolle spielen könnten. „Warum es irgendwann besser wurde, weiß ich nicht“, sagt er. Nach dem Aus in Hawaii musste er bis in den Mai auf das Laufen verzichten. Schon früh war daher klar, dass der aufgestellte Plan mit der erstmaligen Teilnahme an der Ironman-EM in Frankfurt/Main nicht realisierbar ist. Und damit auch die Qualifikation für Hawaii nicht. Die Zeit reicht einfach nicht, um einen Qualifikations-Wettkampf und anschließend auch die WM in Kona noch in Topform bestreiten zu können.
Frommhold hat einen Plan B
Es hilft jetzt also nur, weit vorauszublicken. Zunächst einmal natürlich nur bis zum Helenesee, klar. „Danach mache ich mir Gedanken, wie ich die Saison weiter bestreite“, erzählt Frommhold. Im Kopf existiert schon der grobe Plan B, für den jetzt nur noch der Körper den Belastungstest überstehen muss. Die Form langsam aufbauen mit 70.3-Distanzen, der halben Ironman-Strecke, dann ab September einen Ironman in Angriff nehmen. Denn der Qualifikationszeitraum für die WM 2019 beginnt genau dann. Und die dann neu greifende Qualifikationsregel könnte sogar hilfreich sein für Frommhold. Bislang musste man Punkte sammeln und sich so für die Teilnahme in einer Endabrechnung qualifizieren. Jetzt werden bei den einzelnen Rennen bereits konkrete Startplätze für die WM vergeben. Da die Besten im September/Oktober mit Hawaii beschäftigt und die Startfelder anderswo schwächer sind, sollten diese Plätzte leichter zu ergattern sein.
Frommhold verliert trotz aller Widrigkeiten sein großes Ziel nicht aus den Augen. „Das letzte Jahr hat mir gezeigt, dass ich in Hawaii mitmischen kann, ich kann mir da noch Träume erfüllen, das werde ich auch machen. Davon bin ich nach wie vor überzeugt“, sagt er. Nur den Weg dorthin muss er optimal gestalten, im Einklang mit seinem Körper. Damit die Fahrt zum Wettkampf im Auto der Eltern eine Ausnahme bleibt.


