Europa League

Es läuft nicht rund bei RB Leipzig

Die ungeklärte Zukunft von Trainer Hasenhüttl belastet RB Leipzig vor dem Europa-League-Achtelfinale gegen St. Petersburg.

Ralph Hasenhüttl soll seinen Vertrag in Leipzig verlängern. Doch noch lässt sich der Trainer bitten. Das sorgt für Unmut bei RB

Ralph Hasenhüttl soll seinen Vertrag in Leipzig verlängern. Doch noch lässt sich der Trainer bitten. Das sorgt für Unmut bei RB

Foto: Jan Woitas / dpa

Leipzig.  Der Auftritt hatte Champions-League-Format. Mittwoch schob sich ein russischer Flieger an den Schneemassen vorbei auf den Flughafen Leipzig/Halle. In Eisblau. Vorn auf dem Flugzeugleib stand „Rossia“, hinten „Zenit“. Drin saß der Tross von Zenit St. Petersburg, der an diesem Donnerstag im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League auf RB Leipzig trifft (21.05 Uhr/Sport1). Standesgemäß, wie sich das für den Gazprom-gestützten Klub gehört, flog der russische Erstligist mit der eigenen Maschine ein.

Der Europapokal verpflichtet. St. Petersburg ist Dauergast in den zwei Uefa-Wettbewerben. Also ist das auch in Leipzig eine große Sache, zumal Zenit nur Vierter der russischen Liga ist. Die Champion-League-Qualifikation über die Liga liegt in weiter Ferne. Ein Sieg in der Europa League, so wie 2008, – und Zenit wäre nächste Saison wieder in der Königsklasse vertreten. Leipzig muss dafür aus dem Weg. Und das Los erweist sich womöglich als Glücksfall für die Russen, denn die Deutschen machen gerade keinen guten Eindruck.

Spieler wie Timo Werner sind nur mit Champions League zu halten

RB befindet sich in der ersten Krise seit dem Aufstieg 2016. Nach zuletzt schwankenden Leistungen mit drei Pleiten und einem Remis am Stück sowie Tabellenplatz sechs rumort es an allen Ecken. Vor allem beim Personal. Nicht nur Schlüsselspieler wie Timo Werner, Emil Forsberg oder Marcel Sabitzer machen keinen Hehl mehr daraus, dass sie die Gültigkeit ihrer Arbeitspapiere an das Erreichen der Champions League koppeln. Auch der Trainer zögert plötzlich mit Bekenntnissen zu seinem Arbeitgeber. Ralph Hasenhüttl hat nur noch ein Jahr Vertrag. Im Sommer 2017 schien eine Verlängerung lediglich Formsache zu sein, mittlerweile sind die Gespräche ausgesetzt.

Hasenhüttl hatte jüngst zwar betont, RB bleibe erster Ansprechpartner. Nur sind das Floskeln, die eher auf einen Abschied hindeuten, den Sportdirektor Ralf Rangnick offenkundig nicht mehr ausschließt. Vor drei Wochen hatte Rangnick noch erklärt, er gehe nicht mit einem Trainer in die neue Saison, der nur ein Jahr Vertrag habe. Am Sonnabend revidierte er das und meinte, man könne auch ohne einen neuen Kontrakt noch eine Saison lang gut zusammenarbeiten. Hilfreiche Signale an den Kader sind das natürlich nicht.

Gegen Zenit droht eine Minuskulisse

„Man fragt sich schon, ob er verlängert oder wechselt“, sagte Mittelfeldspieler Kevin Kampl der „Sport Bild“, der gegen Zenit verletzt ausfällt. „Das Thema kann man nicht ganz ausblenden.“ Die Auflösungstendenzen sind jedenfalls kaum mehr zu übersehen, was auch für das Band zwischen Klub und Fans gilt. Die Arena am Elsterflutbecken wird mit kaum halbvoll sein. 18.000 Karten sind im Vorverkauf weggegangen, auf 20.000 hofft der Verein, der die Europa League zwar als „ernstzunehmenden Wettbewerb“ ansieht, wie Klubchef Oliver Mintzlaff am Sonnabend erklärte. Im selben Atemzug erneuerte der Vereinsvorsitzende aber das eigentliche Saisonziel: „Wir wollen wieder in die Champions League.“

Die jedoch ist mit Platz sechs nicht mehr so sicher, wie das noch vor Wochen schien. Dass beides sich deshalb im Weg steht, verneinte Hasenhüttl. „Es ist ein Privileg, dass wir zu dieser Jahreszeit noch international spielen“, sagte der Coach. Und was das halbleere Stadion anbetrifft - ach was, Krise, fehlendes Interesse! „Ich kann das verstehen“, sagte der 50-Jährige. „Das ist das vierte Heimspiel nacheinander, im nächsten kommen die Bayern, es findet spät statt und läuft im Free-TV.“ Ein Wort zur trotzdem fehlenden Unterstützung für sein Team hatte er nicht. Wozu auch?

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.