Handball-EM

Ein Schlag ins Gesicht für Deutschland und die Füchse

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Alexandra Gross

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Der Berliner Paul Drux fällt mit Meniskusriss für die Handball-EM aus und wird den Füchsen drei Monate fehlen. Rückraumspieler wird am Donnerstag operiert.

Berlin.  Paul Drux wusste sofort, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Den verschwitzten Schopf schüttelnd, humpelte der Rückraumspieler in die Umkleidekabine der Handball-Arena in Varazdin, das rechte Knie mit einem Tapeverband dick bandagiert. Halbzeitpause im EM-Hauptrundenspiel gegen Dänemark. Wenige Minuten zuvor war der Berliner bei einer Abwehraktion mit dem Knie hängen geblieben. „Paul hat mir in der Pause gleich gesagt, dass etwas kaputt ist“, sagte Bob Hanning, Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), am Montag der Morgenpost. Eine MRT-Untersuchung im Krankenhaus in Zagreb bestätigte die bittere Diagnose: Innenmeniskusriss im rechten Knie, EM-Aus und mindestens drei Monate Pause für den 22-Jährigen Profi des Bundesligisten Füchse Berlin.

„Das war ein Schock für die Mannschaft und tut natürlich weh. Die Verletzung von Paul ist unglaublich bitter und tut mir vor allem für ihn sehr leid“, bedauerte Hanning den Ausfall, „natürlich wird er uns in der Nationalmannschaft und auch bei den Füchsen sehr fehlen.“ Hanning, zugleich auch Geschäftsführer der Füchse und über viele Jahre Ausbilder von Drux im Jugendbereich, verabschiedete den Rückraumspieler am Montagmorgen nach einem gemeinsamen Frühstück mit einer innigen Umarmung in Richtung Berlin, am Donnerstag wird Drux dann von Kniespezialist Heinz-Jürgen Eichhorn, einst selbst Handballprofi, in Straubing operiert.

Bundestrainer Prokop holt wohl Leipziger Janke zurück

Mit einem gequälten Lächeln landete Drux am späten Montagnachmittag am Flughafen Tegel. „Ich habe einen falschen Schritt gemacht. Es ist sehr ärgerlich für mich, schon wieder auszufallen“, sagte er, „ich kann mir noch gar nicht vorstellen, die weiteren Spiele vor dem Fernseher verfolgen zu müssen. Auch wenn ich nicht mehr vor Ort sein und mithelfen kann, wünsche ich der Mannschaft alles Gute und drücke fest die Daumen für das Spiel gegen Spanien.“

Dort kann es am Mittwoch (20.30 Uhr, ZDF) zu einem wahren Endspiel um den Einzug ins Halbfinale der kontinentalen Titelkämpfe in Kroatien kommen (siehe Kasten). Es ist die Neuauflage des EM-Endspiels von 2016, das die deutsche Auswahl damals in Polen überraschend klar gewonnen hatte (24:17). Für Drux kehrt wahrscheinlich der Leipziger Maximilian Janke in den 16er-Kader von Bundestrainer Christian Prokop zurück, der erst am vergangenen Sonnabend für Rune Dahmke aussortiert worden war.

DHB-Vize Hanning verspricht einen Sieg gegen Spanien

Während Paul Drux im Flieger nach Berlin saß, genossen die deutschen Spieler in Varazdin einen Tag mal ganz ohne Handball. Kein Spiel, kein Training – nach der schmerzlichen 25:26-Niederlage am Sonntag gegen Olympiasieger Dänemark, bei der die deutsche Auswahl für ihre bisher beste Turnierleistung nicht belohnt worden war, sollte jeder Akteur den Kopf freibekommen. „Wir müssen das jetzt verarbeiten, aufstehen und uns ab Dienstag richtig auf Spanien vorbereiten. Dort müssen wir alles geben“, sagte Bundestrainer Prokop. Hanning ist sich sicher: „Wenn wir die Chance auf den Halbfinal-Einzug haben, dann werden wir die Spanier auch schlagen. Das verspreche ich!“

Sein Optimismus für den weiteren Verlauf der Füchse-Saison ist freilich getrübt. „Das ist ein Schlag ins Gesicht, denn unser Spiel war auf Drux und Steffen Fäth ausgelegt“, sagte Manager Hanning, „jetzt müssen wir wieder improvisieren. Das macht die Sache nicht einfacher.“

Füchse in drei Wettbewerben noch im Rennen um den Titel

Die Füchse kämpfen in der laufenden Spielzeit noch in drei Wettbewerben um Meriten. In der Meisterschaft liegen die Berliner als Zweiter (30:8) hinter Meister Rhein-Neckar Löwen (32:6) aussichtsreich auf Rang zwei. Im DHB-Pokal stehen sie im Viertelfinale, treffen dort Anfang März auf den Liga-Rivalen SC Magdeburg. Und im EHF-Cup haben sie die Gruppenphase erreicht, bekommen es dort ab Anfang Februar mit St. Raphael (Frankreich), Helvetia Anaitasuna (Spanien) und Lugi HF (Schweden) zu tun. Den Sieg im kleinen Europacup hatten sich die Füchse zum Ziel gesetzt, ohne Drux wird das sehr schwer.

Und für Drux heißt es nach der OP nun wieder einmal, sich Schritt für Schritt heranzukämpfen. Trotz seiner erst 22 Jahre verfügt er in Sachen Rehabilitation über viel Erfahrung. Im Juli 2015 zog er sich eine schwere Schulterverletzung zu. Riss des Labrums. Sechs Monate Pause und EM-Aus. Im Juni 2017 musste der Nachwuchsstar schon einmal mit einem Meniskusriss am rechten Knie operiert werden. Drei Monate Pause. Jetzt also die nächste schwere Verletzung. „Das ist ein schwerer Schlag für uns, zumal wir ja in der EM-Pause auch unseren Spielmacher Petar Nenadic nach Veszprem verloren haben“, sagte Füchse-Trainer Velimir Petkovic, der den Ausfall seines Schützlings in Varazdin live von der Tribüne aus mit ansehen musste.