Edwin Moses fühlt sich in Berlin zu Hause. „Ich liebe diese Stadt“, sagt der zweimalige Olympiasieger über 400 Meter Hürden. Bei dem US-Amerikaner, inzwischen 60 Jahre alt, sind diese Worte wirklich mehr als ein Lippenbekenntnis.

1977 kam Moses das erste Mal her, noch in Mauerzeiten also, und startete danach regelmäßig beim Internationalen Stadionfest der Leichtathleten (Istaf) im Olympiastadion. Für einige Jahre hatte der Weltstar hier seinen Lebensmittelpunkt, war mit einer Berlinerin verheiratet. Auch nach der Trennung ist er immer wieder zurückgekehrt, sogar nach dem Ende seiner sportlichen Karriere, und hat hier Freunde besucht.

Umso mehr freut er sich, nun in seiner neuen Funktion nach vielen Jahren wieder einmal einen großen Auftritt in Berlin zu haben. Moses ist mittlerweile Vorsitzender der Laureus World Sports Academy, und an diesem Montagabend (19.30 Uhr, Sky) wird er im Palais am Funkturm die sogenannten Sport-Oscars verleihen.

Kleine, zweieinhalb Kilogramm schwere Statuetten, die in sieben Kategorien zu gewinnen und sehr begehrt sind. Die bedeutendsten Auszeichnungen im internationalen Sport werden seit 2000 jährlich vergeben; diesmal zum ersten Mal in Deutschland.

Maria Höfl-Riesch und Raúl sind neue Mitglieder der Akademie

Deshalb sind momentan so viele Sport-Heroen vergangener Zeiten in der Stadt wie sonst nur sehr selten. Mehr als 50 Mitglieder zählt die Laureus Academy nämlich inzwischen, am Sonntag sind mit Fußballstar Raúl und Ski-Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch zwei weitere aufgenommen worden.

© Getty Images for Laureus | Ian Walton

Die Urkunden für die Neuen überreichte Moses in der „Base Berlin“ in Wedding, wo vier Projekte der Stiftung „Sport for Good“ vorgestellt wurden. Diese Stiftung widmet sich der wichtigsten Aufgabe von Laureus, der Förderung von Kindern und Jugendlichen, die unter schwierigen sozialen Bedingungen aufwachsen. 150 dieser Projekte gibt es weltweit.

Natürlich sind Stars wie Amerikas Surf-Legende Robby Naish, die ewig junge Turn-Olympiasiegerin Nadja Comaneci, Leichtathletik-Präsident Sebastian Coe, Fußball-Weltmeister Carles Puyol oder Australiens Laufstar Cathy Freeman nicht allein deshalb nach Berlin gekommen.

Jeweils sechs Kandidaten in sieben Kategorien

Sie wollen auch bei der Gala dabei sein und haben zudem eine wichtige Aufgabe, bevor es zur Vergabe der Awards kommen kann. Rund 2000 Journalisten aus aller Welt haben eine Vorauswahl getroffen.

Diese Stars sind nominiert

Frauen

Genzebe Dibaba (Äthiopien/Leichtathletik), Anna Fenninger (Österreich/Ski alpin), Shelly-Ann Fraser-Pryce (Jamaika, Leichtathletik), Katie Ledecky (USA/Schwimmen), Carli Loyd (USA/Fußball), Serena Williams (USA/Tennis).

Männer

Usain Bolt (Jamaika/Leichtathletik), Stephen Curry (USA/Basketball), Novak Djokovic (Serbien/Tennis), Lewis Hamilton (Großbritannien/Motorsport), Lionel Messi (Argentinien/Fußball), Jordan Spieth (USA/Golf).

Team

All Blacks (Neuseeland/Rugby), FC Barcelona (Spanien/Fußball), Golden State Warriors (USA/Basketball), Britisches Davis-Cup-Team (Tennis), Mercedes AMG Petronas (Deutschland/Motorsport), US-Fußballnationalmannschaft der Frauen.

Behindertensportler

Marie Bouchet (Frankreich/Ski alpin), Cuiqing Liu (China/Leichtathletik), Daniel Dias (Brasilien/Schwimmen), Omara Durand (Kuba/Leichtathletik), Pieter du Preez (Südafrika/Leichtathletik und Radsport), Yuk Wing Leung (Hongkong/Boccia).

Actionsportler

Rachel Atherton (Großbritannien/Mountain Bike), Bob Burnquist (Brasilien/Skateboard), Adriano de Souza (Brasilien/Wellenreiten), Mick Fanning (Australien/Wellenreiten), Jan Frodeno (Deutschland/Ironman-Triathlon), Chloe Kim (USA/Snowboard).

Comeback

Dan Carter (Neuseeland/Rugby), Jessica Ennis-Hill (Großbritannien/Leichtathletik), Mick Fanning (Australien/Wellenreiten), Michael Phelps (USA/Schwimmen), David Rudisha (Kenia/Leichtathletik), Lindsey Vonn (USA/Ski alpin).

Aufsteiger

Chilenische Fußball-Nationalmannschaft der Männer, Jason Day (Australien/Golf), Tyson Fury (Großbritannien/Boxen), Adam Peaty (Großbritannien/Schwimmen), Jordan Spieth (USA/Golf), Max Verstappen (Niederlande/Motorsport)

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In sieben verschiedenen Kategorien wurden die jeweils sechs Kandidaten mit den meisten Stimmen nominiert. Doch die letzte Auswahl treffen jetzt in einer geheimen Abstimmung die Akademiemitglieder, unter denen mit Katarina Witt, Höfl-Riesch, Boris Becker und Franz Beckenbauer auch vier Deutsche sind.

Die Chancen, dass auch Deutsche einen Preis gewinnen, sind überschaubar. Hawaii-Triathlonsieger Jan Frodeno könnte dies in der Kategorie Actionsportler gelingen, dem Formel-1-Team von Mercedes bei den Teams.

Dort haben im Vorjahr die deutschen Fußball-Weltmeister vorn gelegen. Insgesamt gab es bisher zehn deutsche Laureus-Sieger. Laureus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Lorbeer. Rekord-Gewinner ist Roger Federer mit vier Erfolgen von 2005 bis 2008.

Usain Bolt will Vorbereitung auf Olympia nicht unterbrechen

Favoriten vorherzusagen, fällt schwer. Die Tennisprofis Novak Djokovic und Serena Williams haben gute Aussichten, aber auch Basketball-Star Stephen Curry mit seinen Golden State Warriors oder Schwimmerin Katie Ledecky sind aussichtsreich. Gespannt darf man sein, wer am Montag über den Roten Teppich schreiten wird.

© Getty Images for Laureus | Boris Streubel

Beim Laureus handelt es sich nicht um einen Präsenzpreis, das heißt, die Geehrten müssen nicht anwesend sein. Manche können es auch gar nicht, Stephen Curry etwa steht im Play-off der NBA. Usain Bolt wird ebenfalls nicht nach Deutschland reisen, denn der Jamaikaner befindet sich mitten in der Vorbereitung auf die Olympischen Spiele. Bei Williams und Djokovic, das war zu hören, sollen die Chancen dagegen weit besser stehen.

„Die meisten werden hier sein“, versucht Edwin Moses Mut zu machen, „alle können es nicht. Es ist immer ein Kompromiss.“ Dennoch ist er davon überzeugt, dass die Gala ein gelungenes Ereignis wird, „so groß wie hier in Deutschland die Sportbegeisterung ist“. Diese Aussage lässt allerdings beinahe vermuten, dass er in den vergangenen beiden Jahren nicht ganz so häufig zu Besuch gekommen ist.