Mika Häkkinen (47) bestritt als Formel-1-Pilot 161 Rennen, feierte 20 Grand-Prix-Siege und wurde 1998 und 1999 im McLaren-Mercedes Weltmeister. In Deutschland beliebt wurde der Finne auch durch seine Werbeauftritte an der Seite Boris Beckers.
Heute sind beide Mitglieder der Laureus Academy, die Jugendliche weltweit in 150 Projekten unterstützt. Warum Häkkinen, Vater von fünf Kindern, von dieser Arbeit überzeugt ist, erklärt er im Gespräch mit der Berliner Morgenpost.
Berliner Morgenpost: Herr Häkkinen, was ist Ihnen dieses Wochenende wichtiger: der Formel-1-Grand-Prix in Shanghai oder der Laureus in Berlin?
Mika Häkkinen: Mich begeistert beides. Shanghai verfolge ich aber nur am Fernseher. In Berlin werde ich dabei sein und dort viele interessante Menschen wiedersehen, auch Sportler aus allen Bereichen. Das Großartige ist, wir haben so viele gemeinsame Themen, über die wir sprechen können.
Sie sind Mitglied der Laureus Academy, zu der über 50 ehemalige Topsportler zählen. Was tun Sie dort?
Vor allem anderen gilt unsere Arbeit der Laureus-Stiftung Sports for Good und damit den Kindern. Wir wollen erklären, wozu Sport fähig ist, welche wichtigen Erfahrungen er uns Sportlern in verschiedenen Bereichen vermittelt hat: Lebenserfahrung, Disziplin und zu erkennen, welche Bedeutung Teamwork hat. Andere Dinge kommen dazu: Wie du dich ernährst, dass du damit Geist und Körper stärkst. Es klingt vielleicht banal, aber das ist die Basis unserer Arbeit. Und es ist wichtig. Was wir geben können, sind unsere Energie und Ideen.

Haben Sie einige der weltweit 150 Projekte von Sports for Good besucht? Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?
Sicher, ich war in Afrika und Großbritannien. Mein wichtigster Eindruck ist: Die Kids hören zu. Das liegt sicher daran, dass viele Motorsport toll finden und wissen, da steht jetzt ein Doppelweltmeister vor mir! Sie wollen die Botschaft verstehen und lernen. Kinder mögen Geschichten hören, wie dein Leben verlaufen ist, warum es so verlaufen ist. Wie ist es so erfolgreich geworden? Das begeistert die jungen Leute. Erst recht, wenn du ihnen klar machst, dass sie diesen Weg auch einschlagen können. Das gibt ihnen Hoffnung und ist ein großer Erfolg. Es muss nicht gleich Weltmeister sein. Der Sport ist die Sache, um die es geht. Das ist unsere Hauptaufgabe, die jungen Menschen dafür zu begeistern.
Wie könnten Sie mit Ihrer Arbeit noch mehr erreichen?
Wir müssen noch aktiver in den sozialen Netzwerken werden. Überall auf der Welt betreten immer mehr Youngsters diese Welt mit ihren Smartphones. Dieses Tool kann uns zukünftig sehr helfen, es ist aus meiner Sicht ein Schlüsselthema. Wir können natürlich jeden Tag irgendwo hinreisen. Aber mehr Publikum erreichen wir über die sozialen Netzwerke. Das ist die Zukunft.
Bill Murray moderiert
Jeder Mensch versteht, dass es Sport for Good in Südafrika, Brasilien oder Haiti gibt, wo Kinder in schlimmen Verhältnissen aufwachsen. Es gibt Projekte aber auch in Europa, sogar neun in Deutschland. Warum brauchen so reiche Länder Laureus? Wäre es sinnvoller, mehr Projekte in armen Ländern zu unterstützen?
Es gibt auf der ganzen Welt kein Land, das Hilfe nicht brauchen kann. Das ist die Realität. Wir versuchen, Kindern zu vermitteln, dass Sport sie in ihrem Leben vorwärts bringen kann, egal wo. Dass sie nicht auf einen falschen Weg geraten. Wir müssen das fortführen und ausbauen.
Es gibt viele Kinder auf der Welt, die verhungern oder an Infektionskrankheiten sterben oder in Kriegen leiden – wäre das Geld nicht auf anderen Gebieten besser einzusetzen als in Sportprojekten?
Es gibt ohne Zweifel viel Not auf der Welt. Aber Laureus hat sich für dieses Programm entschieden. Dafür, junge Menschen fit zu machen, körperlich stark. Gesundheit ist ein Schlüssel für ihre Zukunft.

Wie ist denn Ihre Jugend verlaufen? Mussten Sie selbst kämpfen?
Es gab keine Diskussionen um Geld, als ich Kind war. Aber es war in meiner Familie klar, dass man hart arbeiten muss, um sein Geld zu verdienen für Kleidung, fürs Essen, auch für den Sport. Das bringe ich jetzt meinen Kindern bei. Du musst zum Beispiel viel dafür tun, gute Schulnoten zu bekommen. Du bekommst nichts geschenkt.
Sie haben ein sehr komfortables Leben, wie ist es für Sie, wenn Sie etwa in ein Township nach Südafrika kommen und die bittere Armut dort sehen ...
... ich war in Afrika an Orten, wo die Menschen gar nichts haben, nicht mal Wasser. Wie soll ich es sagen: Sie sind dort hineingeboren und kennen es nicht anders. Deshalb fühle ich mich nicht unsicher oder schuldig, dass es mir besser geht. Aber ich erkenne natürlich, dass diese Menschen Hilfe brauchen. Und wir haben die Gelegenheit, das zu tun. Können für gute Dinge etwas spenden, können unsere Zeit geben. Es hilft niemandem, mit negativen Gefühlen oder Traurigkeit da heranzugehen. Diese Menschen brauchen eine positive Umgebung, Anstöße, Energie, Kraft. Und Sport kann dir von all dem so viel geben. Er kann dich lächeln lassen. Wir können keine Wunder vollbringen. Wir können aber gemeinsam daran arbeiten, etwas zu verbessern. Als Team. Das ist das Besondere, was Laureus geschafft hat, große Sportpersönlichkeiten zusammenzubringen. Je größer diese Gruppe wird, um so mehr Kraft bekommt sie.

Was sagen Sie zur aktuellen Formel 1, die inzwischen sogar die Piloten selbst kritisieren? Ist der Aktionismus bei den Regeländerungen kontraproduktiv?
Regeländerungen gibt es ja in jedem Sport, in der Formel 1 nun aber zu häufig und zu unberechenbar, sodass es Teams und Fahrer beginnt zu stören. Man muss sich klar machen, dass jede Änderung den Sport auch voran bringen muss.
Sie fuhren selbst für Mercedes, hatten Ihre Teamkollegen dort immer im Griff. Nun scheint Weltmeister Lewis Hamilton seinen Herausforderer Nico Rosberg nicht mehr halten zu können – bleibt das so?
Es sind erst zehn Prozent der Rennen gefahren, da kann noch alles passieren. Nico hat gute Tage erlebt und Lewis bekommt derzeit Gegenwind, das verspricht noch viele spannende Rennen. Ich bin den Teamchefs dankbar, dass sie die Jungs frei fahren lassen. Das macht es für uns Zuschauer interessant - und für die Fahrer ja auch.




