Radsport

Antoine Demoitié stirbt bei Frühjahrsklassiker als Held

Während die Radsport-Szene wütend und betroffen auf den Tod des Belgiers reagiert, plaudert ein Kollege ein intimes Detail aus.

Der Belgier Antoine Demoitié wurde beim Rennen Gent-Wevelgem von einem Motorrad erfasst

Der Belgier Antoine Demoitié wurde beim Rennen Gent-Wevelgem von einem Motorrad erfasst

Foto: David Stockman / picture alliance / dpa

Berlin.  Die deutschen Radprofis Marcel Kittel, Tony Martin und Björn Thurau haben nach dem Unfalltod des Belgiers Antoine Demoitié ihr Bedauern ausgedrückt. „Es fühlt sich unwirklich an, dass Antoine Demoitié seinen Sturz nicht überlebt hat. Mein tief empfundenes Beileid“, schrieb Kittel bei Twitter. Martin war „geschockt. Meine Gedanken sind bei seiner Familie, Freunden und Kollegen.“

„Lieber Antoine, als deine Teamkollegen werden wir die Zeit mit Dir niemals vergessen“, betonte Björn Thurau – der Sohn der deutschen Radlegende Dietrich Thurau war im Oktober vergangenen Jahres zu Wanty-Gobert gewechselt. Auch Demoitié fuhr erst seit diesem Jahr für das zweitklassige Team aus Belgien.

Demoitié (25) war am Ostersonntag beim Klassiker Gent-Wevelgem nach 150 km mit vier Fahrern gestürzt und dann von einem Begleitmotorrad erfasst worden. In der Nacht zu Montag erlag Demoitié im Beisein seiner Frau in einem Krankenhaus in Lille seinen schweren Kopfverletzungen.

„Ich bin so wütend“

In der Radport-Szene herrschte danach großes Entsetzen: „Antoine wird uns sehr fehlen“, sagte Weltverbands-Präsident Brian Cookson in einer Mitteilung am Montag.

„Ich bin so wütend“, twitterte der italienische Profi Daniel Oss. Der spanische Superstar Alberto Contador forderte Konsequenzen. „Wir brauchen eine Kontrolle der Motorräder bei den Rennen“, schrieb der 33-Jährige am Montag bei Twitter.

Noch vor der schrecklichen Todesnachricht hatte der niederländische Profi Bas Tietema via Twitter kritisiert: „Es gibt Protokolle für die Räder, fürs Wetter, fürs Doping. Aber wie viele Unfälle müssen passieren, bis etwas für die Sicherheit der Fahrer getan wird.“

Bereits früher Unfälle mit Streckenfahrzeugen

Bereits im vergangenen Jahr war es auch wieder zu Zwischenfällen mit Begleitfahrzeugen und -Motorrädern gekommen. Ende Februar war Stig Broeckx bei Kuurne-Brüssel-Kuurne von einem Motorrad zu Fall gebracht worden und hatte sich unter anderem einen Schlüsselbeinbruch zugezogen.

Demoitiés Tod wurde in der Nacht zum Montag von der Gendarmerie Nord-Pas-de-Calais bestätigt. Ermittlungen zum genauen Unfallhergang seien aufgenommen worden, sagte Gendarmerie-Sprecher Frédéric Evrard.

Die UCI versicherte, mit allen Behörden zusammenzuarbeiten, „um die Umstände dieses tragischen Zwischenfalls“ zu klären.

Homepage des Rennstalls brach zusammen

Demoitié hatte unter anderem schwere Kopfverletzungen bei dem Unfall erlitten. Laut der französischen Sportzeitung „L’Équipe“, die sich auf Aussagen von Augenzeugen berief, soll Demoitié nicht einmal Zeit gehabt haben aufzustehen, bevor das nachfolgende Begleitmotorrad in die kleine Gruppe krachte und ihn am Kopf traf.

Die Zeitung „Het laatste nieuws“ aus Belgien zitierte einen Zeugen, demzufolge der Motorradfahrer auszuweichen versuchte und dabei auf Demoitié stürzte.

Der Rennstall des Belgiers twitterte am Montag ein Foto des Fahrers in schwarz-weiß mit seinem Namen, die Homepage des Rennstalls brach zusammen.

Man sei ergriffen von all den Nachrichten, schrieb das Team später via Twitter und kündigte unter dem Hashtag #RideforAntoine an: „Wir kommen zurück.“

Demoitiés Kollege Gaetan Bille plauderte derweil ein berührendes Detail über den Toten aus. Er berichtete auf Twitter, dass Demoitié Organe gespendet habe und damit das Leben von drei Menschen gerettet worden sei. Bille: „Held bis zum Ende

Belgischer Kollege ringt mit dem Tod

Es war ein schwarzes Wochenende für die belgische Radsport-Szene: Bereits am Sonnabend hatte die Nachricht vom Herzstillstand des 22 Jahren alten Belgiers Daan Myngheer für Bestürzung gesorgt. Auf Korsika befindet er sich weiterhin in einem sehr ernsten Zustand.

Etwa 25 Kilometer vor dem Ziel des Rennens Critérium International hatte der Profi des französischen Zweitliga-Teams Roubaix ML nach Aussagen seiner Teamkollegen über Unwohlsein geklagt und sich aus einem abgeschlagenen Fahrerfeld zurückfallen lassen.

Als er anhielt, brach er zusammen und musste vom medizinischen Dienst reanimiert werden. „Wir sind sehr beunruhigt“, zitierte die „L’Équipe“ am Sonntag Myngheers Teammanager Daniel Verbrackel. Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein. Am Sonnabend waren die Teamfahrzeuge und die Hotelzimmer von der Polizei durchsucht worden.