Reaktionen auf Scharapowa

Boris Becker: „Ich bin immer noch geschockt“

Presse und Prominente reagieren mit Entsetzen auf den Dopingfall Scharapowa. Russland bemüht sich derweil um Schadensbegrenzung.

Boris Becker ist entsetzt über den Dopingfall im weißen Sport

Boris Becker ist entsetzt über den Dopingfall im weißen Sport

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin.  Die Reaktionen sind fast einhellig. Die meisten Medien lassen kein gutes Haar an der des Dopings überführten Tennis-Queen Maria Scharapowa. Und diskutiert wird natürlich auch die Frage, wie lange die 28-Jährige wohl wegen ihres Vergehens mit Meldonium gesperrt werden wird.

Für den Dopingexperten Fritz Sörgel ist eine Sperre Scharapowas von „mindestens zwei Jahren“ unumgänglich. Ihr Anwalt John Haggerty rechnet im schlimmsten Fall sogar mit einer „Sperre von vier Jahren“.

Allerdings sei auch eine Straffreiheit „wegen mildernder Umstände“ möglich. Mit Blick auf den Tennissport fällt Sörgel ein vernichtendes Urteil: „Es ist ein weißer Sport, aber noch nie übertrieben anständig, was den Bereich Doping anbetrifft.“

The Sun: „Shazzas Dopingschande“

Deutlich auch das Medienecho: „Shazzas Dopingschande. Scharapowas Tennis-Karriere liegt in Trümmern“, titelt die britische „The Sun“, die „Metro“ wandelt den Nachnamen um in „Sharadopa“.

In Italien sieht die „Gazzetta dello Sport“ Scharapowa „von derselben Welle mitgerissen, die seit Monaten den gesamten russischen Sport überrollt“. Weiter heißt es: „Bisher schien es undenkbar, dass die lebende Ikone der Schönheit auf den Tenniscourts von Doping belastet werden könnte.“

Doch auch dieser Illusion sind die Tennisfans nun beraubt. Sie fühlen wohl so wie Boris Becker: Ich kann es nicht glauben – und bin immer noch geschockt.“ Die „Times“ glaubt allerdings: „Sicher ist, dass diese einzigartige Frau, die ihr ganzes Leben lang gekämpft hat, die Schlacht um Herzen und Verstand nicht ohne Gegenwehr verlieren wird.“

Sportminister Mutko schiebt Verantwortung auf ihr Privatteam

Der in Russland erscheinende „Sport-Express“ beeilt sich festzustellen, dass Scharapowa nicht viel mit ihrem Heimatland zu tun habe: „Es ist klar, dass Scharapowa für das russische Sportsystem nicht relevanter ist als Serena Williams. Maria hat Russland als Kind in Richtung USA verlassen, war seither nur selten in der Heimat.“

Sie habe „keine russischen Experten in ihrem Team, und es gab fast keinen Kontakt mit der in Ungnade gefallenen russischen Anti-Doping-Agentur“.

Russlands Sportminister Witali Mutko machte vor allem Scharapowas Team für den Vorfall verantwortlich. Vor einem halben Jahr habe das Ministerium alle Sportverbände informiert, dass Meldonium künftig verboten sei. Diese Information müsse den Sportlern weitergegeben werden.

Weitere russische Dopingfälle

„Die Trainer, Ärzte, Physiotherapeuten und Verbandsmitarbeiter müssen dafür die Verantwortung übernehmen“, forderte der Minister. Es sei nicht ausgeschlossen, dass weitere Fälle mit Meldonium bekannt werden, da das Mittel im russischen Sport verbreitet gewesen sei, erklärte er.

Und wie aufs Stichwort wurde am Dienstag bekannt, dass der fünffache Weltmeister im Eisschnelllauf, Pawel Kulischnikow, sowie der Olympiasieger im Shorttrack, Semjon Jelistratow, vorläufig suspendiert worden sind. Natürlich wegen Gebrauchs von Meldonium. Gleiches traf schon am Montag für die frühere Eistanz-Europameisterin Jekaterina Bobrowa zu. Das ganze Ausmaß ist noch gar nicht abzusehen.